As an exception in German: Königin

Am Morgen einfach weiterschlafen, die Augen gar nicht erst öffnen, auch dann nicht wenn die Nichten an meinen Augenlidern ziehen. Die Schritte meiner Schwester, die im Bad anfängt Gymnastik zu machen, auch wenn es so klingt als würden gewaltige Riesen, Felsbrocken in ein Tal schleudern. Die Kirchturmuhren läuten und auf der Straße bellt ein Hund. Dann doch aufstehen, der heiße Tee in der weißen, zerbrechlichen Kanne, heiße Milch für die Kinder und für jeden ein Weckmännchen dazu. Eingewickelt in einen, warmen Bademantel, der schon so zerschlissen ist, das man seine Farbe nur mehr erahnen kann, für zehn Minuten allein auf dem Balkon. Zum ersten Mal seit Tagen die Kälte in den Zehen spüren und die milchige Sonne auf den Schultern. Langsam fließen die Gedanken dahin. Die heißen Fingerspitzen von der Teetasse nehmen und den Gedanken hinterherfahren. Hart war das Jahr und kälter als wärmer in jedem Fall. Sich fragen, was man macht mit all seinen Jahren und ob sich auch dieses wegstellen lässt in einer schweren Truhe, hoch oben auf dem Speicher, unter dem Dach. Dort wo es still ist und nur die Schatten mit der Dämmerung wechseln, unbeachtet vom allzu grellen Licht. Schließlich wird es doch zu kalt,also zurück in die Küche, zwei Äpfel für die Kinder in Kronenform schneiden, den Teller mit Goldrand aus dem Regal für die Nichte, die mit wichtiger Miene erklärt, dass sie und nur sie allein Königin sei. Schwesterchen jammert über die hinterhältige List der Waage und trinkt aus Trotz nur zwei Gläser lauwarmes Wasser. Das wird nicht helfen, denke ich, aber was hilft denn schon? Die Königin durchschreitet ihr Reich und fordert mit Nachdruck, die Räumung des Sofas, dort residiert sie mit dem Bären als ihrem Kanzler und lächelt über uns alte, schon etwas erschöpfte Diener. Und ein wenig neidisch sehen wir zu ihr herüber, denn wir weder Schwesterchen noch ich, leben mehr in dem festen und ganz und gar unumstößlichen Glauben, dass die Welt nur auf uns warte mit offenen Armen und klopfenden Herzen, nur darauf wartend wir riefen ihr zu, dass sie uns tragen möge, höher und höher bis in die Wolken und darüber hinaus.

As an exception in German:Schwesterchen beklagt sich sehr.

Schwesterchen sagt: „Du weißt, dass wir kommen, ja?“ Aber Schwesterchen sage ich, ihr kommt doch jedes Jahr. Schwesterchen seufzt. „Dir ist immer alles egal.“ Aber nein sage ich, Schwesterchen, nein. Natürlich ist mir euer Kommen nicht egal. Hör doch zu, sagt Schwesterchen, natürlich sind wir dir nicht egal, aber Weihnachten ist dir egal. Schwesterchen schnauft. Es ist ein wütendes Schnauben, das Schnauben eines jungen Drachen, kurz vor der Feuerspeiabnahmeprüfung. Nein, nein sage ich, denn nun gilt es den Drachen zu versöhnen. Aber Schwesterchen kommt erst so richtig in Fahrt. Letztes Jahr hast Du Dich geweigert den ausgesuchten Baum mitzunehmen, klagt es durch das Telefon, so als hätte ich die Nichten und Neffen an der Haltestelle vergessen. Nein, nein sage ich Schwesterchen, bitte erinnere dich: Du wolltest eine 3 Meter hohe Silbertanne erwerben, die 198 Euro kosten sollte und niemals nie auch nur ansatzweise in den vorhandenen Weihnachtsbaumfuss gepasst hätte. Schwesterchen knurrt beleidigt und fühlt sich bestätigt: „Dir ist das eben alles egal. Sich einer solch herrlichen Tanne zu verweigern, sagt doch schon alles, was es über dich zu sagen gibt. Dann spricht Schwesterchen von Weihnachtsfesten mit meterhohen Tannenbäumen und glitzernden Kugeln, von schneeverwehten Hügeln und Bienenwachskerzen ( ich versuche möglichst lautlos zu gähnen.) Schwesterchen ist nun bei Stutenkerlen und  böhmischen Glaskugeln angekommen und ich schließe die Augen bis meine Schwester: „Lametta“ sagt. Unter gar keinen Umständen sage ich, kommt Lametta an den Baum. Lametta ist der Albtraum selbst. Wer Lametta an den Baum hängt, liest Paul Coelho Bücher und findet Gel-Nägel schön. Lametta ist indiskutabel. Schwesterchen knurrt: wenn es nach Dir ginge, wäre der Baum kahl und grün und alles wäre kalt und öde. Kein Lametta sage ich und Schwesterchen schweigt. Du bist gemein sagt sie, wirklich hundsgemein und unfestlich noch dazu. Kein Lametta sage ich und überlege, wo genau eigentlich der Karton mit den roten Kugeln sein könnte. Schwesterchen klagt und jammert, aber ich muss los. Schwesterchen sage ich, lass uns morgen weitersprechen, ja? Aber Schwesterchen sagt: Immer ist Dir alles egal und ich sage besser nichts mehr und hoffe mir fällt ein, wo der Karton mit den Weihnachtssachen sein könnte? Auf dem Speicher? Oder doch im Keller? Ich werde ihn doch wohl nicht aussortiert haben?