Woanders ist es auch schön

Die Geschichte der Dinge müsste immer so aufgeschrieben werden, wie hier an ein Brotmesser erinnert wird. Ich wiederhole mich, aber für Texte wie diese ist das Internet erfunden worden.

In Berlin regnet es leider nicht.

„Ich verstehe diesen Beuys nicht, er spricht so undeutlich“- Perlen aus dem Gästebuch des Lenbachhaus in München. Schöne Idee, so ein Museumsblog.

Eine Eule auf Wanderschaft. Man bekommt gleich Wanderlust. Via Frau Arboretum

Anne Olivier Bell. Was für eine Frau, was für ein Leben.

Ich habe es gelesen und wieder gelesen und dann noch einmal gelesen, aber aber wie das passieren kann in Bonn 2018, das begreife ich nicht.

Die Angst war der Kitt.

Pssst! Schamlose Eigenwerbung. Drüben auf Twitter gibt es Quatsch auf Brot. Da ist ein gewisses Fräulein ja niemals fern….#KunstGeschichteAlsBrotbelag

Der Tierarzt ist schon an der Ostsee und zählt Hundewägelchen, ich komme erst nach, aber das ist ja kein Grund sich nicht als Blogmusikbeauftragter zu beweisen. Diese Woche singt Ailbhe Reddy für Sie. Was soll ich sagen ein typischer Tierarzt Musik-Tipp eben….

Woanders ist es auch schön

Ein Wort.

Kikeriki.

Schlecht wird einem beim Lesen,unaufhaltbar kalt wird die Welt angesichts dieser Geschichte von Missbrauch und Gewalt.

Bauwerke haben ja heute immer oft größenwahnsinnige Preise und dann sind sie da und groß und fertig, aber das hier ist anders, leiser, schöner und wie ich glaube auch klüger .

Das klingt nach einem Buch, das ich unbedingt lesen will.

Ich muss zugeben, ich bin der letzte Mensch, de noch nie etwas von Stephen King gelesen hat, aber grusle mich mich sehr vor Büchern, in denen hinter der nächsten Tür immer schon einer mit dem Messer lauert. Ich bin aber überhaupt im 19. Jahrhundert stecken geblieben und manchmal fragen mich Studenten, ob ich nicht Benedict Cumberbatch super hot finden würde und ich muss dann ein intelligentes Gesicht machen und weiß doch nicht, ob der Mann singt oder schauspielt. Stephen King jedenfalls hat eine Geschichte geschrieben, die Ihnen nicht vorenthalten werden soll und vielleicht raten Sie mir in den Kommentaren, ob es ohne Messer ausgeht.

Oldie but Goldie, aber sowas von.

Magnus Hirschfeld war unbeirrt und bleibt ein großes Vorbild in Sachen Sexualaufklärung.

Tierarzt, wir brauchen noch Musik. Der Tierarzt nickt und und schon singt whenyoung in mein Ohr. Eines dieser Lieder bei denen man mitsingen muss.

Woanders ist es auch schön

Rissima reist durch Georgien macht wunderbare Bilder, hat ein georgisches Kälbchen getroffen und erzählt wunderbare Geschichten dazu. Das Schönste ist, dass sie uns mitnimmt.

Bekanntlich und Sie als leidgeprüfte Leserinnen und Leser wissen davon ein Lied zu singen, ich kann keine Sprache richtig und mache auch im Deutschen entsetzlich viele Fehler, deswegen finde ich es immer so spannend zu hören wie andere Sprachen lernen, die von mir sehr verehrte Frau Istrice lernt gerade Niederländisch.

Ich musste darüber so sehr lachen, dass ich einen Schluckauf bekam.

Die Sache mit den Erdbeerhüttchen handgeschnitzt sozusagen. Via Frau Kaltmamsell

Wer wenn nicht der Tierarzt quiekte beim Wort Mondkalb verzückt auf? Das Ganze klingt jedenfalls nach einer tollen Idee.

Ein tolles Blog , dass in jeder Hinsicht die Augen öffnet und immer wieder bin ich mir sicher genau dafür ist das Internet erfunden worden.

Howard Jacobson denkt über Antisemitismus nach.

Ein wunderbares Buch über Straßenhunde, die in Indien viel häufiger vorkommen als Kühe und die doch nur selten jemand so sieht und beschreibt.

Ich rufe also wie üblich zum Tierarzt herüber, der die Musikempfehlung der Woche herbeirufen soll. Der Tierarzt ruft: Mädchen, Let’s eat Grandma. Ich stehe auf und geht zum Tierarzt herüber, denn nur ein Mann im Fieberwahn würde doch einen solchen komplett wahnsinnigen Vorschlag anbringen. „Tierarzt“, sage ich also,“seit wann hast Du derartiges Fieber?“ „Fieber?“ krächzt der Tierarzt, Du wolltest Du doch eine Musikempfehlung für die verehrten Leser!“ Indeed, knurre ich, aber die Aufforderung eine Großmutter zu verspeisen, klang in meinen Ohren kannibalisch aber nicht musikalisch. „Doch, doch, sagt der Tierarzt, die heißen so.“Falling Into Me“ singen die Großmütteresser und ich bin dann wohl offiziell alt. Spießig war ich ja schon immer.

Eine Papiertüte

Vom Konzert mit dem Auto zurückfahren.

Ausnahmsweise.

Der Tierarzt schläft. Der Tierarzt ist oft müde in diesen Tagen.

Ich höre Schubert im Konzert und dann noch einmal im Auto.

Irgendwo läuft immer Schubert.

Ein ganzes Jahrhundert hat sich da selbst in Musik gesetzt, denke ich. Die Ampel ist auf rot.

Auf einem Bierbike fahren Frauen auf der Straße umher. Sie singen: „Don’t look back in anger.“ Sie tragen Plastikkronen und dicke Jacken.

Das Bierbike schlingert.

Ich klopfe den Takt auf das Lenkrad.

1835 wurde Felix Mendelssohn-Bartholdy Kapellmeister in Leipzig.

Er ließ Bach spielen. Die Deutschen hatten Bach vergessen, 1835.

Man erzählt sich es hat einmal ein Konzert gegeben da spielten Clara Schumann und Franz Liszt, Bach am Klavier und Mendelssohn dirigierte.

Die drei wurden mit Blumen überschüttet.

Ich träume manchmal von diesem Deutschland in dem ein Jude fast an Blumen stirbt. Man hätte vielleicht 1945 ein Ministerium für Träume, Blumen und Bonbonnieren schaffen sollen, denke ich immer noch klopfen meine Finger im Takt.

Mir fallen wenig deutsche Träume ein in letzter Zeit, die nicht hart klingen und bitter, in denen die anderen etwas haben, was man selbst besser gebrauchen könnte, Turnschuhe zum Beispiel, die Träume der Deutschen sind hart und voller Eisen. Ich weiß nicht, ob die Welt nicht endlich doch genug gesehen hat vom deutschen Eisen und immer noch zu wenig Blumen.

Die Straße aber führt nicht nach Deutschland, sondern in ein kleines, irisches Dorf.

Ich sehe aus dem Autofenster.

Mülltüten, traurige Tauben. North Inner City Centre Dublin ist ein trüber Ort.

Dauert die Vernachlässigung nur lange genug, dann ist es egal, dass Bäume aus den Fenstern wachsen, aber keine Menschen mehr hinter den Fentern leben. Ein Fastfood Restaurant. Fish&Chips, Kepab, Fries und Chicken Wings. Die Leuchtreklame geht nicht mehr, ging vielleicht nie, wer weiß das schon. Dann wird es grün, hinter mir hupt es, der Volvo schnauft, ich fahre an, ich fahre an einem Mann vorbei. Der Mann sitzt auf dem Boden. Ein schmutziger Schlafsack liegt neben ihm. Das ist was ich sehe, zweiter Gang, Volvo, eine Straße in Irland, ich denke als ich weiterfahre: Der Mann hatte doch eine Papiertüte auf dem Kopf.

Ich denke: Der Mann hatte wirklich eine Papiertüte auf dem Kopf.

Manchmal sagen Frauen über viel schönere Frauen: „Die würde auch noch mit einer Papiertüte bekleidet so aussehen wie man selbst niemand im Abendkleid.“

Da sitzt ein Mann auf dem Boden mit einer Papiertüte auf dem Weg.

Das ist rein reiches Land.

Das ist Europa.

Warum kann man hier denn nirgendwo abbiegen. Dann geht es doch, ich stelle den Volvo ziemlich verkehrswidrig ab.

Meine Großmutter sagte: Das erste Mal nachzugeben, ist am Schwierigsten, Kind, es gilt das erste Mal in dem man sich nachgibt, so lange heraus zu zögern, wie nur irgend möglich. Ich gebe häufiger nach als sie.

Dann steige ich aus und gehe zu dem Mann herüber. Hiya, sage ich, I was just wondering if you are alright?“

Was ist das für eine Frage?

Was fragt man jemanden, der eine Papiertüte über dem Kopf trägt.

Das ist was ich frage.

Der Mann kann kein Englisch.

Vielleicht hat er einmal English gesprochen, aber jetzt kann er nicht mehr sprechen, er sieht unter der Papiertüte hervor und sein Gesicht ist von Geschwüren bedeckt.

Ich rufe einen Krankenwagen.

Der Mann zieht sich seine Tüte über den Kopf zurück.

Neben dem Mann und mir steht eine Gruppe von Jungen und Mädchen. Die Mädchen haben übermalte Gesichter und makellose Augenbrauen, die Jungs riechen nach Deodorant und Bier. Sie hören Musik, sie halten die gleichen braunen Papiertüten in der Hand, die der Mann auf dem Kopf trägt, sie essen Fries und Burger aus den Tüten, sie schnipsen Chipsbröckchen in Richtung des Mannes, sie erwarten noch etwas vom Leben und der Welt, sie wissen, dass der Mann da auf dem Boden nichts mehr zu erwarten hat, sie lachen und die Jungs versuchen die Mädchen zu beeindrucken, die Mädchen lachen nur. Die Mädchen wollen keine Jungs aus der North Inner City.

Der Krankenwagen kommt und der Mann zieht sich die Papiertüte fester um den Kopf und dann helfen wir dem Mann auf. Zwei Plastiktüten, der Schlafsack, die Tüte.

Die Mädchen und Jungen lachen.

Alles Gute, sage ich zu dem Mann.

Ich starre dem Krankenwagen hinterher.

Du wirst dich noch daran gewöhnen, sagte die Freunde damals in Berlin, als ein Mann mit einer Federdecke und Sandalen aus Biederdosen über die Straße lief.

Ich gebe öfter nach als die Frau, die meine Großmutter war.

Ein Mann sitzt mit einer Papiertüte auf der Straße, denke ich und sehe dem Krankenwagen hinterher. Die Mädchen und Jungen spielen ein anderes Lied.

Ich gehe zurück, der Volvo steht noch immer im Halteverbot.

Im Radio wird noch immer Schubert gespielt.

Die Ampel ist grün, ich fahre nach links, schon liegt die Stadt hinter mir, die Sonne geht unter. Lila-Grau, dann dunkel der Himmel, die Straße führt auf das Meer zu, Weideland zur Rechten, ein Friedhof, eine verfallene Kirche, die enge Kurve, zwischen Waldesrand und Meer, schließlich das Dorf.

Es ist nicht mehr Schubert im Radio.

Der Tierarzt schläft noch immer.

Mittwoch: Papiertonne steht auf dem Zettel am Kühlschrank.

Der Zettel ist gelb.

 

Woanders ist es auch schön

Wie schnell die christlich-jüdische Tradition doch an ihre Grenzen stößt. Vor allem wenn es um eine lebendige Synagoge geht.

Die Willkür der türkischen Justiz schreckt vor nichts zurück.

Lieber glattrasiert.

Es dauert einen schon, das kleine störrische Metronom.

Maria trägt goldenen Schuhe.

Es kann nicht genug Träumer geben.

Tierarzt hast Du ein Lied für uns? Hm, sagt der Tierarzt, sucht Schlüssel, Schuhe und den anderen Schal, die Woche war still, stiller als andere Wochen, aber der Tierarzt wäre nicht der Tierarzt holte er nicht doch eine Platte hervor.

12 Bilder, ein Tag. Die Irland-Ausgabe.

Gestern war es wieder so weit. Ganz Bloggersdorf sammelte 12 Bilder eines Tages und da will auch die Außenstelle: Kleinst-Gälisch-Bloggersdorf nicht fehlen.
Ganz Bloggersdorf zeigt seine zwölf Bilder schon immer bei Draußen nur Kännchen

 

Der Weg ins Unterland sieht im Januar so aus. Würde ich einen dieser Film sehen in denen in irischen und walisischen Dörfern, Menschen am laufenden Band erstochen und im Moor vergraben werden, so würde ich wahrscheinlich schreiend die Straße hinunterrennen, da Filme mit Isabelle Huppert selten in kleinen Dörfern spielen und in den von mir so geschätzten Bollywood-Filmen der 60er Jahre immer jemand anfängt zu singen, schlurfe ich gähnend und oft summend vor mich hin.

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Waiting. #2v12 #12von12 #coffee #dublin

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Dann passieren für viele Stunden lauter Dinge, die ich nicht ins Internet schreiben kann, bis ich auf jemanden warte, mit dem es eine weitere Angelegenheit zu besprechen gibt, die Fräulein Bond nicht mitteilen kann. Der Jemand verspätet sich, ich trinke Milch mit Kaffee und höre zwei Freunden zu, die sich über New York unterhalten. Die Mieten. Die Kälte. The vibe. Dann kommt der Jemand doch.

Wieder vergeht Zeit, ich habe Hunger wie ein junger Wolf und esse den riesigen Teller  Salade  niçoise auf, hernach verwandle ich mich wieder in das altbekannte Shetlandpony. Sollte auch Sie hartnäckiger Hunger in Dublin überfallen, so lege ich Ihnen sehr, das “ Cocotte “ in der Alliance Francaise ans Herz. Die Salate sind die besten, die sie in Irland finden werden und so der Gastraum auch eher nüchtern ist, kann man dort sehr, sehr gut verschnaufen.

-Hier Einsetzen größerer Panik- erst drei Bilder. Himmel hilf.

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Foggy. #4v12 #12von12 #dublin #river #randomsnaps

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Dublin nebelt unterdessen so vor sich hin.

Ich schreibe Karte Nummer 301 an Deniz Yücel. 301 Karten, sagt mir eine Stimme ganz leise ins Ohr, das ist ja fast schon ein Jahr. Es gibt noch immer keine Anklageschrift.

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Die Letzte macht das Licht aus. #6v12 #12von12 #dublin #tgif

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Die Letzte macht das Licht aus, das bin dann wohl ich.

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Dinner. #7v12 #12von12 #ice #icebabyice #nice

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Abendbrot! Liebe Eltern, was Sie hier sehen, ist was passiert, wenn man Kinder von Schokolade freihält, denn trotz gelegentlicher Nussschokoladenexzesse in den Sommerferien bei meiner Großmutter, bin ich süßigkeitenfrei aufgewachsen und habe mich davon nie erholt.

Vor dem Konzert gilt es Pralinen zu erstehen. Dies ist eine altehrwürdige Tradition, denn damals als ich ein kleines Mädchen war und mit meiner Großmutter in die Philharmonie ging, da bestach sie mich mit Pralinen, damit ich auch wirklich mucksmäuschenstill wäre. Die Tradition führe ich natürlich fort und im Konzertsaal verfalle ich sofort in eine krokodilsartige Starre und mich haben schon Konzertbegeleiter angestoßen, um zu überprüfen , ob ich noch am Leben sei.

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My happy place. #9v12 #12von12 #nationalconcerthall #dublin

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Auf ewig ist der Konzertsaal, der Ort den ich am liebsten mag. Mein Spa-Day und Detox von wirklich allem, überhaupt erlebt man im Konzert auch immer wieder völlig kuriose Dinge. Heuer saß nämlich ein Mann neben mir, der mitten im Konzert eine kleine hölzerne Kralle, die an einem Stiel befestigt war, hervorholte und sich damit kratzte. Fast lautlos, in geübten Bewegungen und ohne den Blick vom Orchester zu wenden, bediente sich der Mann seines hölzernen Helfers. Kurios.

Das Programm und ach, ich liebe die Symphonie fantastique auch nach all diesen Jahren, ich kann mich nicht satt hören an ihr und immer wieder falle ich auf ein Neues in sie hinein. Was für große und dabei leichte und schwermütige Musik zu gleich. Ma erzählt sich Berlioz sei damals in eine Schauspielerin-Harriet Smithson– aus Ennis verliebt gewesen, die Ophelia in Paris gab, allein es fehlte ihm an Mut sie auf ein Glas Champagner zu bitten.

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Who can spot the vet? #11v12 #12von12 #dublin #dublinbynight

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Der Tierarzt hat unterdessen und sozusagen in Sichtweite an einer Geburtstagsfeier teilgenommen und so wurde mir aus vertraulichen Quellen zugetragen, eine halbe Weißweinschorle getrunken. (Wein hat doch Schrillionen Kalorien? Nicht wahr?) Der Tierarzt jedenfalls musste im Auto so derart über den Mann mit seiner Holzkralle lachen, dass selbst das Meer anfing zu kichern, die Schafe grölten und St Sylvester heiser, hustend lachte.

Der Tag wurde mit einer letzten Tasse Tee und einem Buch beschlossen.

Sag Read On, was machst Du eigentlich den ganzen Tag?

Frau Brüllen will es wissen. An jedem 5. eines Monats fragt sie in Klein-Bloggersdorf herum und der Kleinbloggersdorfer schreibt auf was er so erlebt. Et voilà.

Am Morgen kommt der Heizungsinstallateur zur jährlichen Ablesung. Morgen Herr Installateur, sage ich und der Heizungsinstallateur knurrt Undeutliches zurück. Ich reiche Kaffee und sage: „Und schöne Feiertage gehabt?“ Der Installateur knurrt: Schwiegermuttern, noch bis zum 6. „Oh, sage ich, läuft nicht gut? Der Installateur schüttelt den Kopf und sagt: „Wissense Frollein Read On, die wollt halt dit Töchterchen n’en Studierten heiratet.“ Nicht so nen ollen Installateur.“ Ich schüttle den Kopf und sage: „Wissen Sie was, es zählt was innen drin ist und nicht was außen drauf steht.“ Der Installateur seufzt und ich sage: Honigbrot? Der Installateur seufzt aufgeräumter und kaut auf dem Honigbrot. „Süß hilft fast immer.“ Herr Installateur sage, ich wie sieht das denn bei Ihnen eigentlich aus mit Ausbildungsplätzen?“ Der Installateur sieht mich an. „Frollein Read On Sie wollen jetzt och noch unter die Heizer gehen? Ichs schüttle den Kopf und sage: „Einer meiner Jungs aus der Aufklärungssprechstunde…..“. Der Installateur sieht auf das Honigbrot und sagt: „Aber als Erpresserin hamse noch ne große Zeit vor sich.“ Ich nicke und frage: „Und?“ „Um Neune am Montag, soll der Knabe mich ma anrufen, aber um neun heißt um neun.“ „Alles klar“, sage ich und buttere ein zweites Brot und streiche Honig herauf: „Macht Schwiegermütter schwach“ sage ich und der Installateur lacht.

Dann rase ich stadteinwärts. In der Bahn sitzt eine Frau neben mir, die sich als Schamanin vorstellt. Sie interpretierte Rauchzeichen erklärt sie mir, sie riecht nach Rauch und billigem Parfüm, ihre nassen Haare hinterlassen, dicke schwarze Flecken auf meinem Mantel. Bevor sie aufsteht, zeigt sie in die Wolken: „Eines Tages, da flieg ich davon“, erklärt sie und ich nicke. „Alles Gute“, sage ich.

Angekommen bespreche mit dem G. und D. zukünftige Dinge.

„Um Punkt 11.20 Uhr muss ich hier raus sein, sage ich.“

„Dir auch einen guten Morgen werte Read On“, sagen G. und D.

„11.20 Uhr“, sage ich.

„Hast du jemanden bewusstlos geredet und heiratest?“

„Hahaha“, sage ich und ziehe die Augenbraue hoch.“

„Ich treffe um 12 Uhr eine Frau aus dem Internet und esse mit ihr Torte.“

„Du machst was?, fragt der G.

„Ich treffe eine Frau aus dem Internet und esse mit ihr Torte.“

„Darf ich Dich daran erinnern, dass ich Dich auch schon eingeladen habe?“

„Du lieber G. hast mich dazu eingeladen, die Datsche deines Großvaters zu entrümpeln und das Wort Torte fiel in diesem Zusammenhang wirklich nicht ein einziges Mal.“

Der G. schweigt.

Der D. lacht.

Ich suche meinen Kugelschreiber.

Um 11.23 Uhr stürme ich heraus und treffe die wunderbare Sabrina.

Es gibt Zitronecremetorte, alte Türklinken, Baumkuchentorte und vor allem so viele, schöne Geschichten und Gesprächsfäden, die ich mir alle in die Manteltasche schiebe, und vorsichtig in Seidenpapier einwickeln will. Es ist so leicht es zu vergessen, aber es gibt grandiose Menschen in diesem Internet.

Dann fahre ich zurück in den Süden, laufe um drei Ecken, ein Hund setzt mit sehnsüchtigen Augen vor einem Fleischhauerladen, zwei alte Damen in pinken Bomberjacken ratschen über einem Bier und natürlich is punk not yet dead, der Gemüsehändler preist Mangos und Blumenkohl an, eine Frau hupt immer wieder, aber nichts passiert, ich hole zwei Bücher ab, die Bücher riechen nach Tabak und Einsamkeit, die Widmung ist längst schon verblasst und mir ist als seufzten die Bücher in der Tasche nicht wenig. Dann gehe ich Blut spenden. Es ist niemand dort, die so netten Blutspendendamen erzählen mir von einem umgekippten Weihnachtsbaum, vergleichen Kartoffelsalatrezepte, beschweren sich über den Müll auf den Straßen, nehmen mir ganz nebenbei Blut ab, wir schenken uns gegenseitig kleine Marzipanschweine und die Blutspendendamen nötigen mich zu Bechern gräulich süßen Tees. Keiner der Damen und auch ich nicht sind in den Grenzen Deutschlands von 1937 von denen so viele träumen, geboren. Sie alle fallen mir als erstes ein, denk ich an Deutschland, nicht nur in der Nacht.

Ich trinke einen halben Liter Apfelschorle, für zwanzig Minuten lege ich mich unter einen Schreibtisch, dann Arbeit und Marzipan. Einem Weihnachtsmann den Kopf abzubeißen, das bringe ich dann doch nicht über das Herz. In der Schreibtischschublade sitzt auch noch ein Lindt-Hase.

Fast alles habe ich schon vergessen aus jenen Jahren oder will mich nicht erinnern, manchmal ist das fast schon dasselbe, aber doch spät Abends in einem leeren Büro, da springt noch einmal ein Plattenspieler an. Ich war siebzehn, er war älter, der Himmel war blau, oder fast schon schwarz, und am Ende der Nacht, da hatte mein Kleid keinen Reißverschluss mehr.

Aber heute Nacht tanze ich nicht mehr.

 

Gustav Mahler kehrt nicht mehr ins Neunzehnte Jahrhundert zurück.

Die Neun ist in der Musik nicht nur eine Zahl oder eine Signatur, sondern eine Zahl in der die Ahnung des Abschiedes liegt. Beethoven hinterließ einen gewaltigen Schatten mit seiner Neunten und Gustav Mahler war tot, bevor die Wiener Philharmoniker seine Neunte Symphonie 1912 unter Bruno Walter zum ersten Mal aufgeführt wurde. Auch Dirigenten wussten oder ahnten wohl, dass auf diese Neunte Symphonie häufig ein Abschied folgte. Karajan verstarb nach der Neunten, Claudio Abbado war beim Dirigieren derselben schon von schwerer Krankheit gezeichnet und Lorin Mazel weigerte sich die Symphonie zu dirigieren. Aber Bernhard Haitink der an diesem Abend die Philharmoniker dirigiert, tut es trotz der Neun und das ist ein Glück. Diese Neunte ist wohl die Symphonie mit der nicht nur das Leben Gutav Mahlers schon fast beschlossen ist, sondern auch jene mit der das Neunzehnte Jahrhundert und vielleicht auch die Symphonie als solche endet. Nach dem vierten Satz von Mahlers Neunter kann es nicht mehr so weitergehen, wie es weiterging. 1907 hatte Mahler sein Amt als Dirigent ( aber war Mahler denn je Dirigent im eigentlichen Sinne?) abgegeben und hatte einen Vetrag mit der Metropolitan Opera in New York abgeschlossen und immer ist mir als nähme jener Gustav Mahler mit dieser Symphonie Abschied vom alten Kaiser, dessen Leben unendlich schien, drüben in der Hofburg, Abschied vom alten Österreich, dem kaiserlichen und königlichen und mit dem Ende des alten Österreichs endete auch das alte Europa, deren verlorene Kinder wir wohl sind.

 
Geschrieben hat Mahler die Symphonie im Sommer 1909 hoch in den Bergen von Südtirol in Toblach und diese Symphonie beginnt nicht wie andere Symphonien, wie alle Symphonien beginnen mit einem Aufbruch, sondern schon hier im allerersten Motiv, nimmt Mahler Abschied. Harfe, Cello und dann ein krächzendes Horn. So beginnt es und es ist mir immer gewesen als hätte Mahler, der Sohne eines Likörfabrikanten, was er immer vornehm als Kaufmann umschrieb sich noch einmal die Schnürstiefel angezogen und ein letztes Mal durch die Berge gegangen, ein zielloser Wanderer, Steine klirren den Hang hinab, dort stehen die Gänse, eine Gänseliesel und die Gänse zischen, noch lebt der Almwirt, aber lange wird er nicht mehr leben, noch einmal sieht der Wanderer ein Gipfelkreuz und sieht hinab in den kalten Bach zwischen den Felsen, oben auf dem Gipfel aber liegt Schnee und er Wanderer geht abseits der Wege, legt die Hand vor die Augen dort blendet die Sonne, aber schon zieht der Regen über die Berge und der Wanderer Mahler läuft Schleifen verläuft sich und auch wir im Konzertsaal verschwinden zwischen der Oberstimme, die lockt und noch einmal vom Leben singt, doch unter ihr schimmert schon im Beginn das Ende auch unserer Tage.

Es sind aber der zweite und dritte Satz, die nicht aufhören wollen zu erschüttern. Denn hier erzählt Gustav Mahler, die dunkle Seite des Prosit und der Gemütlichkeit. Hier spielt Mahler auf zum Tanz. Walzertakte, die schöne blaue Donau, im Dreivierteltakt zwischen Wien und Czernowitz und noch einmal liebt Rosa den Franz und Rosa weiß nicht, dass der Franz mit der Moinna zwei Kinder hat und die Minna weiß nichts von Rosa und Rosa weiß nicht, dass sie schwanger ist und erfährt von der Minna als es zu spät ist und geht in die blaue, schöne Donau, denn es ist a Schand und man muss man die Familie denken und Gustav Mahler spielt auf zum Tanz fideralla und seine Musik erzählt die Geschichten von Arthur Schnitzler und Karl Kraus, damals im 1912er Jahr da mögen sie im Publikum gesessen haben, Freud und seine Patientinnen und Mahler lässt tanzen und aufstehen möchte man und die Musik anhalten, denn in diesen zwei Sätzen da tanzt sich das alte Österreich zu Tode, dreht sich und dreht sich und hält nicht mehr an. Vielleicht hat Schnitzler gelächelt an jenem Abend, verstanden mag Karl Kraus es haben, aber vielleicht war Karl Kraus bei Sidonie und schrieb Gedichte und Freud wippte mit dem Fuß und Mahler ließ sie tanzen bis die Füße bluteten und die Donau ist nicht mehr blau und die Musik tut einem so weh. Im Dritten Satz kommt der Krieg dazu, kommt der Krieg, der schon unter dem Walzer und den Liedern vom Tanzboden lag, da kommt der Krieg und über dem Krieg stirbt nicht nur der alte Kaiser, sondern der Franz und die Seinen werden verschossen und das alte Österreich ist verschwunden. Das erzählt dieser Satz und noch heute bricht die Musik durch die Rippen und ist es nicht seltsam und merkwürdig zugleich, dass während ich in der Philharmonie in Berlin sitze, die Musik zwischen den Rippen, Seitenstechenmusik, die Musik des Krieges, nein kein grüner Jäger im Rock, sondern der Schützengraben, da tagt die AfD und schwärmt über den Krieg als sei es noch immer nicht genug. Aber sie können wohl besser schreien als hören. Alles, aber dann doch nicht alles hat sich geändert seit dem Gustav Mahler kein Wiener mehr ist, seine Zeit in der Hofoper ging mit einer antisemitischen Schmähkampagne und dem Vorwurf zur sexualpathologischen Tendenz einher, denn obwohl so sagt man in jedem Bordell ein Bild des Kaiser hing, war die Salomé zu viel für das Publikum.

Leonard Bernstein , der die Neunte Symphonie radikaler intepretierte als alle anderen, so sagt man, musste nach dem dritten Satz ein Glas Whiskey trinken und man versteht warum.

Der vierte Satz ist kein Schlussakkord, hat keine abschließende Sequenz, macht kein Angebot zur Versöhnung, sondern die Töne werden leiser, immer leise und geben schließlich auf, ein Cello bliebt noch, noch einmal die Geigen, hier die Klarinette und am Ende noch einmal verzagt schon eine Trompete, hier ist Mahler schon kaum mehr im Raum, dreh dich nicht um, sagt Mahler sich wohl und allein die Traurigkeit, die große Leere, die niemals wohl wieder ganz gehen wird, die bleibt zurück, die verschwindet nicht, die erzählt schon von dem was Karl Kraus schrieb: nach den letzten Tagen kommen die allerletzten und auch diese hätten schon begonnen und sein Text heißt die „Welt nach dem Krieg“ und er beschreibt dort wie Kinder Katzen fingen, sie zurichteten und mit Hilfe der Erwachsenen in einen Aschewagen gesperrt und zur Vergasung gefahren worden. Hätte der vierte Satz von Mahlers Neunter Symphonie wohl ein Libretto, dann scheint mir wäre es dieser Text. Es gibt keine Symphonie mehr nach dieser, mit der Gustav Mahler, Abschied nahm von der Welt, wie es sie nicht mehr gibt.

Berliner Philharmoniker, Gustav Mahler, Symphonie Nr. 9 in D-Dur unter der Leitung von Bernhard Haitink, 03.12. 2017

 

 

Im Konzert

Klassische Konzerte sind das Vorhersehbarste der Welt. Klassische Konzerte laufen immer gleich ab. Ein Orchester zieht sich schwarze Röcke, Kleider und Anzüge an. Der Dirigent trägt einen Frack. Die erste Geige wird vom Dirigenten begrüßt, der Dirigent steht an einem Pult und oft, aber nicht immer hat er einen Taktstock in der Hand. Auf den Pulten liegen Notenblätter, im Foyer ertönt ein Gong. Klassische Konzertbesucher tragen zwar nicht mehr schwarz, aber oft Perlenketten und einen Rock. Man kennt sich, man weiß, dass Frau B. aus Reihe H bei ihrer Schwester in Tipperary ist und der Herr G. aus Block A diese Woche eine Oper in London hört. Konzertbesucher nicken sich freundlich zu und sagen so Sachen wie: „Also der Beethoven…“, Nein, was für eine Rachmaninov-Interpretation“ und das letzte Mal habe ich die Dritte im Januar gehört.“ Wird jemand von bösem Husten geschüttelt, reicht man Bonbons, und überhaupt wäre der Weltfrieden nah, wäre die Welt ein Konzert, denn selbst das scheußliche Kleid der ersten Geige wird mit zarter Freundlichkeit übersehen und lieber blättert man leise im Programmheft als frevelhafte Kommentare abzugeben. Niemand würde im Konzert auf die Idee kommen aufzustehen und zu rufen: What about da beat m*therf*cker und als in Schwarzenberg /Österreich tatsächlich ein Mann Ian Bostridge, den vielleicht größten lebenden Schubert Interpreten anpöbelte und schnauzte: „Deutsch lernen„, da war das ein Skandal, für den Mick Jagger achtzig Hotelzimmer zerlegen musste und ich bin nicht sicher ob wir uns von der Stille wirklich erholen, die da einbrach.

Aber das ist ein anderes Thema, denn klassische Konzerte sind noch immer so wunderbar vorsehbar, sind ein eigenes Uhrwerk und keine Uhr mag ich lieber, als das sanfte Gleiten in einen Konzertabend hinein, in dem wohligen Gefühl, sich um nichts anderes Kümmern zu müssen als um die Musik und so sitze ich auch am gestrigen Abend auf meinem angestammten Platz, konversiere mit meinem Nachbarn über Wittgenstein und die Musik- Konzertgespräche sind die schönsten Gespräche- blättere im Programmheft, schalte das Telefon aus und bedauere den Tierarzt von Herzen, der in einem abgedunkelten Raum sitzt und einen Film namens Thor sieht. Ich glaube es geht darum, dass ein Mann der nicht Thor ist, einen Hammer übergezogen bekommt.

Schon gongt es ein letztes Mal und das Konzert beginnt mit Manuel de Fallas: Nights in the Gardens of Spain und ich erinnere mich, dass ich vor vielen Jahren einmal in Granada das Wohnhaus de Fallas besichtigt habe, niemand sonst war in dem kleinen Museum, nur ein einsamer Wärter, der mich auf de Fallas Klavier spielen ließ und die Augen schloss, so lange ich spielte, den Deckel aber klappte er selbst herunter, denn er war der Wächter und Wärter des Hauses und ich stand lange am Fenster denn de Falla blickte aus seinem Haus auf die Alhambra und den Garten hinaus. Der Wächter und ich schwiegen. Aber gestern Abend, so ist das manchmal, da fand ich nur schwer hinein in das Stück, suchte mich vielleicht zu sehr zu erinnern an die Alhambra und das stille Haus, ich fand das Orchester zu laut und das Klavier zu schrill, aber mehr war es auch nicht und vielleicht war auch ich nur zu unkonzentriert, zu müde von zu langen Tagen.
Behalten habe ich fast nichts von dem Stück und das grämt mich, aber es ist nicht zu ändern.

Aber dann kommt Maurice Ravels Klavierkonzert für die linke Hand in D-Dur und der Pianist Jorge Federico Osorio spielt dieses Stück mit ungeheurer Leichtlebigkeit, mit einer Eleganz, die Ravel erstaunt hätte und anders als noch bei de Falla hören das Klavier und das Orchester einander staunend zu und zum Staunen ist dieses Klavierkonzert wirklich, denn Ravel schrieb es doch für Paul Wittgenstein, dem man den Arm abgeschossen hatte, im ersten großen Krieg. Wissen das diejenigen, die immer schreien: Männer sollen im Krieg kämpfen? Das ist der Krieg und der Pianist Paul Wittegenstein, hatte keine rechte Hand mehr, aber er war doch Pianist und Jorge Federico Osorio lässt uns ahnen, wie der Verlust klingen kann, denn das Konzert ist ein einziger großer Phantomschmerz. Wer weiß schon ob Paul Wittgenstein jemals wieder aufhörte von diesem verlorenen Arm zu träumen, aber wir träumen mit und als der Pianist endet, da erhebt sich tosender Applaus und wir alle stehen auf und verneigen uns vor dem Pianisten. Dann aber beginnt das Ungewöhnliche dieses Abends, denn nromalerweise nehmen Pianisten oder Solo-Violinen den Applaus entegegen und manchmal gibt es eine Zugabe dazu, aber niemals würde ein Konzertpublikum einen Künstler zur Zugabe zwingen und noch viel, viel seltener dreht der Pianist sich zum Publikum um und agt: Ich möchte eine Zugabe spielen.” Wir sind natürlich hellauf begeistert und der Pianist sieht uns an und hebt seine Hände, die strapazierte Linke und die verschwundene Rechte, sie erinnern sich Paul Wittgenstein- und die linek Hand zittert und für einen Moment erzählt die Hand des Pianisten die Geschichten aller Kriege. Dann spielt er Debussy’s Cathedrale d’egloutine und spielt es zum Weinen schön mit beiden Händen.

Nach der Pause alle sitzen schon wieder, da gibt es Carl Nielsens Fünfte Symphonie, auch ein Stück aus dem ersten, großen Krieg unangenehm hellsichtig und klar. Ich mag Nielsen und ich mag seine Orchester-Besetzungen, die oft ungewöhnlich, aber immer präzise sind. Sechs Kontrabässe zähle ich und so viele Blechinstrumente, dass selbst Richard Wagner blass um die Nasenspitze würde.
Nielsen war ein spöttischer Verweigerer aller Erklärereien und so hat man in der Symphonie Sisyphos gehört oder auch nicht. Aber ich höre den Krieg und auch Carl Nielsen muss den Krieg gehört haben, denn er ist in einer Militärkappelle zum Musiker geworden. Aber das allein ist es nicht, sondern es ist eine Musik, die nicht zurückweicht vor dem Krieg und wir tun es auch nicht, denn wir sitzen ja im Konzert und manchmal muss ich die Augen schließen. Musik hat immer etwas Unhaushaltbares an sich. Dann endet das Konzert und weil es ein klassiches Konzert ist fliegen keine Bierflaschen auf die Bühne sondern man klatscht und überlegt wo man die Garderobennummer eigentlich hingetan hat und dann passiert etwas, was in klassichen Konzerten nicht passiert. Der Dirigient räuspert ( niemals räuspert sich ein Dirigient und spricht ) sich und sagt:

Guten Abend. Können Sie mich hören? Wir finden dies sei der Fall.
Man hat mir zugeragen der dänische Botschafter sei hier. ( Wir klatschen.)
Man hat mir zugetragen der Botschafter meines Landes Mexiko sei hier. ( Wir klatschen.)

Der Dirigient sagt: Wir haben heute Abend Musik aus Spanien, Frankreich und Dänemark gehört, aber Mexico haben wir ausgelassen. Nein, sagt der Dirigent, es ist kein einfaches Jahr gewesen für Mexico und dann spielt er mit dem Orchester ein José Pablo Moncayos Huapango. Wir alle haben die Garderobennummer vergessen und vergessen ahben wir auch, dass wir in Dublin sitzen, einer Stadt, die ziemlich weit weg ist von Mexico, wir haben auch vergesen, dass wir uns für Mexico nicht sonderlich interessieren, Drogentote und Naturkatastrophen und dann die Mauer, aber mehr auch nicht, und wirklich niemand außer Carlos Miguel Prieto, dem Dirigenten ist einegfallen, dass zu tun, was getan werden muss und er macht es, einfach so in einem klasssichen Konzert, in dem das Programm nicht einfach geändert wird, er schimpft nicht auf Trump, ist nicht bitter über unser Desinteresse ( vielleicht doch? ), sondern er erinnert uns daran, dass wir alle Mexico sind, das wir vor einem Jahr alle Mexico geworden sind, ob wir nun wollen oder nicht und dieser Dirgent macht die Fenster und Türen auf, lässt die Musik zu uns herein, macht das was wir alle hätten machen müssen, bevor es zu spät war, erinnert uns daran, dass die Stille hinter den Mauern immer lauter ist als der größte Schreihhals und wir, wir alle sind Mexico. Es braucht manchmal einen Dirigenten wie Carlos Miguel Prieto der uns daran erinnert, dass man im Konzert viel lernen kann, nur nichts über Musik und vielleicht deswegen und nur deswegen sind klassische Konzerte so unvorhersehbar, so aufregend und so großartig wunderbar wie wenig sonst. Wenn Sie nur zehn Minuten Zeit haben, zehn Minuten in denen auch Sie Mexico werden, dann hören Sie doch bitte ab 2:00 ( also Stunde, nicht Minute, es ist außergewöhnlich und außergewöhnlich berührend ), wenn Sie Zeit haben, dann lege ich Ihnen das ganze Konzert, was es hier für dreißig Tage gibt sehr an Ihr Herz.

Und wenn Sie einmal nach Granada kommen, dann besuchen sie doch Manuel de Falla und sehen hinüber in den Garten, den er allein zu Musik zu machen wusste.

Woanders ist es auch schön.

Frau Casino fährt auf der deutschen Autobahn, aber diese, eine große deutsche Liebe ist auch nicht mehr das, was sie einmal war. Oder vielleicht hat es sie auch außer in deutschen Träumen und dem Magazin des ADAC auch nie gegeben?

Auf dem Meer braucht es Geduld.

Friederike sammelt Töne und Geschichten.

Nathan Englander hat aufgeschrieben, wie der Mob von Charlottesville an einem Tag etwas zerstört hat, was nicht einfach und vielleicht nie wieder zurückkommen wird.

Herr Giardino war in Schottland und nimmt uns mit und seine Bilder sind atemberaubend und sehr, sehr großartig. Lesen und staunen Sie.

Ohne Bücher geht es nicht. Schon gar nicht in Indien.

Ohne die alten Griechen aber auch nicht.

Der Tierarzt jedenfalls singt begeistert mit und er hat ja Recht, Ciaran Lavery singt so wie der irische Sommer ist, ein bisschen viel Regen, manchmal eine Handvoll Sonnnenstrahlen Hoffnung und immer viel zu schnell vorbei.