Sag Read On, was machst Du eigentlich den ganzen Tag?

Frau Brüllen will es wissen. An jedem 5. eines Monats und das im sechsten Jahr (Applaus!) fragt sie in Klein-Bloggersdorf herum und der Kleinbloggersdorfer schreibt auf was er so erlebt. Et voilà.

In der Dämmerung mit dem treuen alten Hund hinunter zum Fluss.

Ein Vogel, der vielleicht auch nur ein Schatten ist über unseren Köpfen.

Der Hund starrt lange in sein Spiegelbild.

Ob er wohl weiss, dass er es ist oder sieht er jedes Mal wieder einen neuen Fremden?

Am Ufer sitzt eine Wasserratte- braune Augen, sorgenvoll will ich fast sagen, aber ich weiss nichts über die Dinge unter unserem Boden. Vielleicht sind in den Kanälen ja gerade Bürgermeisterwahlen.

Komm, sage ich zum treuen, alten Hund, denn der Tag fängt ja gerade erst an.

BBC 4 beim Zähneputzen. Grüner Schaum vor dem Mund. Das ist ja dieser Tage so etwas wie angemessen.

Ein grosses Glas Wasser, zum Wachwerden, sagte meine Grossmutter, sie trank ihr erstes Glas Wasser lauwarm, aber mein Wasserglas ist kalt, Eiswasser, sie schüttelte den Kopf und ich küsste sie auf die Nasenspitze, so war das mit uns. Sie und ich und kaltes, klares Wasser.

Der Katze und dem Hund Frühstück anreichen.

Für mich ist es noch viel zu früh.

Die Katze rollt sich auf dem Sessel zusammen. Der Hund schläft auf dem Teppich ein.

Tschüss ihr beiden, Schlüssel, Telefon, Fabrikkarte, Portemonnaie?

Auf dem Weg zum Bahnhof drei Kastanien und auf einer Wiese eine Gruppe Birken. Ich warte mit brennender Ungeduld auf die grünen Blätter der Kastanie und auf das flirrende Birkenblätter. Aber heute, heute sind da nur die Knospen, aber noch keine Blätter. Vielleicht aber morgen, vielleicht sind die Blätter ja morgen schon da, nur heute sind sie es noch nicht.

Am Bahnsteig warten drei Männer mit Bohrmaschinen und staubigen, kalkbedeckten Jacken. Sie trinken Kaffee aus Thermoskannen und essen dicke Wurststullen dazu. Einer liest die Nachrichten vor. Irish Sun. Die Anderen nicken beim Kauen. Vielleicht wechseln sie sich ab mit dem Vorlesen, eine Zeitung für drei, ihnen ist Lesen mühsam, das hört man, sie halten inne, misstrauisch sind sie den Wörtern gegenüber und doch ist ihr Vorlesen würdevolll, einprägsam und für einen Moment habe ich ein schlechtes Gewissen, verschlinge ich doch Wörter hastig und ingeduldig, das ist schon immer so gewesen. Die Männer aber gehen genau vor. Sie nehmen sich Zeit für jedes einzelne Wort.

All bonkers sagen sie schließlich, die Weltlage ist ja auch danach, dann schrauben sie die Thermosflaschen zu, streichen das Butterbrotpapier wieder glatt, knicken die Zeitung, aber so dass die Frau auf dem Titelblatt, die heiratet oder sich scheiden lässt, keinen Schaden nimmt.

Dann rauchen sie jeder eine Zigarette.

Wie schön doch Menschen sind, die lesen.

Dann kommt der Zug und dann beginnt ein langer Tag in der Mondsteinscheibenfabrik. Aber was in der Mondsteinscheibenfabrik geschieht, das bleibt in der Mondsteinscheibenfabrik.

Am späten Nachmittag hole ich die J. aus dem Institut ab. Sie lacht, ich lache, es ist leichter, wenn sie lacht und dann gehen wir in die National Gallery herüber, so als würden wir uns kaum kennen, so als wüssten wir in Wirklichkeit nicht was unsere Lieblingsbilder sind, so als seien wir ein zweites Date und nicht so viel Geschichte, so viel Zutrauen ineinander, für eine Stunde sind wir noch einmal uns fast fremd und hoffen und bangen wie ganz Frischverliebte, dass der Andere William Orpen nicht für einen stumpfen Portraitmaler hält oder nicht Herzklopfen bekommt bei Lucian Freud. Natürlich geht die Rechnung auf.

Der Museumwärter muss uns hinausklingeln. Wir lachen noch immer auf der Treppe. Der Wächter, der doch so streng klingelt, verzieht seine Mundwinkel. Das ist J. will ich ihm sagen, aber wir blinzeln ins Sonnenlicht und dann gehen wir ins Merrion Hotel, wo die Damen Seidenkleider tragen und die Männer Anzüge aus der Savile Row, denn Dublin will doch so furchtbar gern London sein. Die Seidenkleider rascheln und der Kellner, ist kein Kellner wie im Hotel Central sondern ein Teesommelier und wir beissen uns auf die Lippen, um ihn nicht zu verschrecken.
Der Tee, nein nicht aus Assam, kommt in einer schweren Silberkanne mit Gebäck und cremiger Milch, die Männer trinken Wein und lassen die Zigarrenkiste kommen, die Damen trinken Cocktails und wir trinken Tee und beugen uns vor in den tiefen plüschigen Sesseln. Von außen betrachtet noch immer ein zweites Date, Beeindruckungsversuche, aber das Bild täuscht, denn wir sprechen über den Tierarzt und die offenen Wunden, über S. und das Ende, über Kashmir und Sikkim, über einen Ort in Nainital, über eine gelbe Plastiktüte in einem Slum in Delhi, über so viele Dinge bei denen man in der einen Hand eine Teetasse und in der anderen die Hand des Anderen halten muss. Wir gehen, da haben die Damen in den Seidenkleidern schon rote Wangen und die Männer glasige Augen. Frische Luft auf der Straße, Regenwolken, die Kastanien schweigen.

Hunger?

Hunger.

Wir gehen zu Dunne and Crescenzi. Warm ist es dort, es riecht nach Basilikum und Knoblauch, nach Adria und der Toscana zugleich. Es ist ein kleines Restaurant, nur Dublin ist kleiner. Am Nebentisch sitzen ein Mann und eine Frau, schwere goldene Ringer, sie und er, zwei Tische weiter sitzt seine Geliebte mit ihrem Mann und am Tisch am Fenster, sitzt die Frau mit der, der Mann am Nebentisch ein Sohn hat. Alle grüssen sich freundlich. Das muss man wissen, wenn man in Dublin leben will, dass es so ist.

„Ich habe an den D. gedacht“, sagt die J.

„Weißt Du noch als du so deprimiert warst auf über D.?“

Ja, sage ich.

Der D. schwärmte von etwas, was wir bezahlten, damals als er im Institut war. Der D. aus Deutschland, eine Promotion mit einem komfortablen Stipendium, geförderten Auslandsarchivaufenthalten, Druckkostenzuschuss, keine Lehraufträge, dann natürlich England, denn das deutsche System macht ja irgendwann keinen Spaß mehr, er schwärmte da vor und über Europa. Die Möglichkeiten. Er spottete über den Brexit, aber mir war schon damals als spottete er über uns über. Über T., P., B. und mich.
Ich hatte noch Glück gehabt, mir wurden wegen guter Leistungen oder so, die Studiengebühren erlassen, aber wie T. P. und B. unterrichtete ich Kurse über Kurse, sie die sie kein Stipendium hatten gegen magere Bezahlung, ich ohne Bezahlung das ist der Preis, dafür mit Nachtschichten im Rücken, dann die Stelle für J. Ich bat meine Schwester in die British Library zu gehen, um Geld zu sparen natürlich, wie denn sonst. Da saßen wir und sahen die Möglichkeiten, die für uns ein ferner Planet waren, ein anderes Europa auf jeden Fall.
Die T. arbeitet heute als Admin in einer anderen Universität, der B. hat Lehraufträge an drei Universitäten, der P. arbeitet für seine Eltern in Southampton, ich wusste, dass ich mir keinen Postdoc leisten können würde und ich war so müde nach all den Nachtschichten. Wir gönnten es dem D. doch, nur wir haben dafür bezahlt und wussten schon damals, dass wir nicht in Oxford oder Cambridge oder Warwick landen würden, auch wenn unsere Dissertationen vielleicht nicht besser, aber vielleicht auch nicht schlechter sein würden als seine.

„Ich hatte es vergessen, sagt die J., die Sache mit D. nur dein Kopfschütteln hatte ich behalten und jetzt, wo alles zerbricht, frage ich mich doch, ob wir nicht mit den D.s und ihren Reden hätten anders umgehen müssen, wir haben das weggelächelt, auch wir haben gedacht Brexiteers seien doch bei Nigel Farage zu verorten, aber vielleicht kein frustrierter Doktorand, der sieht, wie seine Seminare nur Zweck sind und niemals Mittel und dass er am Ende außen vor bleiben wird. Wir haben nicht aufgepasst, sagt sie, wir waren alle betrunken an den Möglichkeiten und euch, die man euch die Möglichkeiten einer Mohrrübe gleich vorhielt, wir haben die sich schließenden Türen nicht gesehen Darüber haben wir nie gesprochen.“
Wir fürchteten uns schon damals vor dem Brexit, denn das ist in Irland ja unmittelbar, aber wir fürchteten uns auch vor dem Spott des D., der ja uns galt, uns die wir es nicht vermochten.

Ich nicke und auch ich weiß, wir haben uns nicht gekümmert, nicht um all die, mit nein gestimmt haben, weil sie keine Möglichkeiten mehr sahen, sondern den Spott, denn auch wir, auch ich und P. und T. und B. wir wollten glauben, dass es doch alles ganz anders sei.

Dann sprechen wir über andere Dinge und spielen nicht mehr zweites Date, sondern halten uns an dieser Vertrautheit fest, die wir uns doch erarbeitet haben, endlich schaffe ich es vor ihr zu bezahlen, und dann gehen wir noch ein Stück gemeinsam, ich renne zum Bus, Handküsse, wir sagen nie Auf Wiedersehen, sondern immer nur auf bald.

Die Katze hebt die Schwanzspitze.

Der Hund schüttelt sich.

„Na ihr beiden“, sage ich.

Der treue alte Hund und ich gehen noch einmal zu den Kastanien.

Aber die Blätter sind noch nicht da.

Vielleicht morgen.

Vielleicht ist schon morgen alles ganz anders.

Anna

Das letzte Mal habe ich Anna vor vielen Jahren gesehen. So viele Jahre liegen zwichen Anna und mir, dass ich nicht mehr weiß wie viele Jahre genau.

Das letzte Mal als ich Anna sah, lebte ich in Berlin.

Das letzte Mal als ich Anna sah, hatte ich ganz kurze Haare.

Aber Anna hatte immer ganz lange Haare.

Anna war die Freundin meines Freundes J.

Der J. und ich hatten Freundschaft in einem Waschsalon geschlossen.

Bevor ich J. kannte, wusste ich schon von Anna.

J. sagte zwischen den sich drehenden Waschmaschinentrommeln: Ich bin Jan und die Frau, die ich liebe, heißt Anna.

Ich nickte und sagte: Hallo, J. der Anna liebt.

Dann sahen wir auf die Buntwäsche.

Wir teilten uns eine Stange Pfefferminzdrops und eine Tüte grüner Haribo-Frösche.

Zwei Tage später traf ich Anna zum ersten Mal.

Anna war hell, so hell, dass ich erst einmal blinzeln musste. Ich war nie hell und damals als ich Anna traf, war ich besonders dunkel.

Anna aber lachte mit offenem Mund, sie schlang die Arme um J., wie es eigentlich nur Kinder tun, sie spielte Gitarre, Anna spielte Gitarre und J. sah Anna zu wie sie liebte und lebte, ganz aus dem Vollen. Man musste einfach lächeln, wenn Anna kam.

Anna hatte immer Ideen. Auf ein Hausboot ziehen. Die Anden erkunden. In Thailand ein Fischerboot zu einer Bar ausbauen. In Sizilien auf einer Steintreppe selbstgezogene Kerzen verkaufen.

Jeden Anderen hätte man belächelt, aber Anna bewunderte man insgeheim und man wollte sofort ein Interrail Ticket lösen, um mit ihr loszuziehen.

Niemand fragte Anna, woher sie sei. Alle wollten immer wissen, wohin Anna wohl als Nächstes ginge.

Ich war gar nicht so wenig neidisch auf diese Frage.

Aber Anna lachte und wenn man sie zwei Wochen später sah, war sie gerade erst mit dem Zug aus Budapest angekommen oder hatte in einem Kloster in Oberbayern Schals gebatikt.

Anna war Ballerina und konnte Traktor fahren.

Aber Anna liebte auch J. und wann immer er dazukam, strahlte sie heller noch und hielt seine Arme fest, so fest es ging.

Eines Tages Anna und ich kannten uns ein halbes Jahr, da machte der J. ihr einen Heiratsantrag.

Anna sagte Ja.

J.sagte immer wieder: Sie hat wirklich ja gesagt.

Nie wieder habe ich J. so glücklich gesehen wie an jenem Tag.

Das war vielleicht zwei Wochen bevor ich Anna das letzte Mal sah.

Das letzte Mal habe ich Anna in einem Brautmodengeschäft in der Schlüterstraße gesehen.

Anna wollte eine spontane Hochzeit und ein Kleid für eine Hochzeit, die man mindestens ein Jahr im voraus plant.

Anna probierte immer neue Kleider an.

So schön war Anna. Draußen vor dem Schaufenster blieben Passanten stehen, um Anna anzusehen.

Anna winkte.

Ich lachte so sehr an diesem Nachmittag mit Anna. Vielleicht habe ich nie wieder so gelacht wie damals mit Anna.

Sie suchte ein Kleid aus, das ihr weich um die Knöchel fiel. Ein Kleid aus Stoff und Tüll, mit Spitzenbesatz, ein Kleid wie aus einem Märchen. Ein Kleid wie es nur Anna einfallen konnte, die schwor sie würde genau zu diesem Kleid schwere Haferlschuhe tragen und die alte Strickjacke ihrer Mutter mit den Rosenknospen.

Die Verkäuferin strahlte, wir strahlten und der J. bezahlte das Kleid.

Der J. ging zurück zur Arbeit.

Anna küsste mich zweimal links und zweimal rechts.

Sie roch nach Jasmin und grünem Tee, glaube ich.

„Ich ruf dich später an“, sagte Anna und dann lief sie los.

Sie trug ein gelbes Kleid mit weißen Streifen.

Es war ein Sommertag in Berlin als ich Anna zum letzten Mal sah.

Angerufen hat Anna mich nicht.

Nicht am Abend.

Auch nicht einen, oder zwei Tage später.

Sie meldete sich auch nicht bei J.

Der J. hängte das Kleid zum Lüften an den Schrank.

J. fuhr durch die Berliner Krankenhäuser und fragte nach Anna.

Aber da war Anna nicht.

Nach einer Woche ging er zur Polizei.

Es gibt immer wieder Menschen, die verschwinden und nicht gefunden werden wollen, sagte der Polizist.

Anna und ich wollen heiraten, sagte der J.

Aber Anna meldete sich nicht.

Der J. hängte das Hochzeitskleid in den Schrank.

„Sie kommt bestimmt wieder“, sagte J.

„Ja“, sagte ich.

Aber Anna kam nicht zurück.

Manchmal sagten Freunde sie hätten von Anna in Sydney gehört.

Oder sie hätten Anna mit einem Freund in Hongkong gesehen.

Irgendwann hatte der J. kein Geld mehr um spontan nach Sydney zu fliegen.

Anna blieb verschwunden.

Aber wenn jemand den J. fragte auch noch zehn Jahre oder fünfzehn Jahre später, ob er mit jemanden zusammen sei, dann sagte er, er würde auf Anna warten.

Manchmal in all den Jahren, die vergingen und in denen der J. sich oft verlor, rief er mich an und sagte: „Du hast doch Anna gekannt.“

„Ich weiß nicht“, sagte ich und oft fuhr ich dann los und suchte nach J.

So vergingen die Jahre.

Das Brautkleid frassen die Motten.

Den J. frisst die Arbeit auf.

Aber nach Anna sucht er nicht mehr.

Keiner seiner Freunde fragt mehr nach Anna.

Den Freundeskreis jener Jahre gibt es nicht mehr.

Der J. nimmt manchmal eine Frau mit nach Haus, aber über Nacht bleibt sie nie.

Seine Telefonnummer ist noch immer dieselbe.

Wenn wir uns in Berlin sehen, sprechen wir über alles, aber nicht über Anna.

Einige Jahre lang schrieb ich ihrer Mutter.

Aber irgendwann kamen die Briefe ungeöffnet zurück.

Wenn ich ehrlich bin, dann habe ich in den letzten zwei oder drei Jahren kaum noch Anna gedacht.

Längst kenne ich andere Annas und ihr Name ist nur noch ein fernes Echo.

Ein Brautkleid habe ich selbst nie gekauft.

Aber immer mal wieder habe ich mit einer Freundin in einem Brautmodenladen gesessen und ihr zugesehen, wie sie ein Kleid aus Tüll anprobierte. Nur gelacht habe ich nie mehr so wie an jenem Nachmittag mit Anna.

Aber das habe ich den Freundinnen nie gesagt.

Eine getrocknete gelbe Rose erinnerte mich immer mal wieder an Anna.

Aber eigentlich erinnerte mich nur der J. noch an Anna.

Denn der J. liebt Anna noch immer.

Irgendwann hat der J. eine Therapie gemacht. Der Therapeut sagte er müsse eben loslassen und sich auf neue Erfahrungen einlassen. Aber der Therapeut wusste nichts von Anna und ihrem Lachen.

Gesprochen aber haben der J. und ich auch nicht mehr über Anna.

Nur geschwiegen haben wir über Anna.

Heute Nachmittag aber ich hatte gerade ein anderes Telefonat beendet und dem D. versprochen mich einer Angelegenheit anzunehmen, da klingelte das Telefon. Ich dachte die vorherige Anruferin hätte etwas vergessen.

Aber die Stimme am Apparat war eine Andere.

„Hallo, hier ist Anna“, sagte die Stimme am Telefon, so viele Jahre später, heute um 16.34 Uhr.

‚Nur auf ein halbes Stündchen…‘

 

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Manchmal ist es ja so. Das Telefon schellt und am anderen Ende meldet sich eine entfernte Freundin, die eher eine gute Bekannte ist. Sie sagt: Read On, wir sind auf der Durchreise in Richtung Süden. Weißt doch wir fahren halt immer Ski über Jahresschluss und machten Station in Berlin. Wär doch nett man würde sich wiedersehen. Aber ich sage Dir gleich wir haben nicht mehr als ein halbes Stündchen über, aber das muss Dir doch zupass kommen, Du hast doch eh nie Zeit. Zwar habe ich vergessen, dass die gute Bekannte über den Jahreswechsel eisige Hänge herunterstürzt, aber das ich immer eilig bin, dass stimmt schon. Nun ist es aber auch so, dass meine Großmutter, die preußischste unter den deutschen Juden war und meine Großmutter sagte: „Kind man muss etwas anbieten, sagt sich Besuch an.“ und meine Großmutter meinte damit nicht trockene Salzstangen oder staubige Kräcker. Da ich noch immer einem krächzenden Raben ähnle, wickle ich mich in einen dicken Schal und ein weiches Plaid und hole Käse, Brot und Weintrauben ein. Nicht einmal mal meine Großmutter wüsste darüber zu schimpfen. Ich decke den Tisch, falte Servietten, scheuche den Tierarzt in den Keller Wein zu holen und warte auf das Eintreffen der guten Bekannten und ihres mir gänzlich unbekannten Mannes. Es schellt, man küsst sich und die gute Bekannte sagt:

„Ach Read On, eigentlich lohnt sich das Mäntel Ablegen ja gar nicht, wir bleiben doch nur auf ein halbes Stündchen, aber da du ja eh den Tisch gedeckt hast, wollen wir sie, also die Mäntel doch aufhängen.“

Ich nicke.

Die gute Bekannte und ihr Gemahl schütteln dem Tierarzt die Hand.

„Ich würde mich ja richtig vorstellen“, sagt sie, aber wir bleiben ja nur auf ein halbes Stündchen, da lohnt es sich ja gar nicht mit dem Kennenlernen.“

Der Tierarzt sagt: „Hallöchen.“

Dann sitzen wir am Tisch.

„Ich sage: „Also es gibt einen Ziegenfrischkäse mit Kräutern, Greyerzer Käse, Trüffelkäse, der Käse, der ausschaut wie ein Camembert ist ein Reblochon und der Käse in Ziegelsteinform ist wirklich ein Camembert.“

Die gute Bekannte sagt: „Read On, ich hatte doch gesagt, wir bleiben nur auf ein halbes Stündchen, und überhaupt der Fettgehalt von Käse und noch dazu von diesem Käse.

Ich lächle und betone der Käse sei organisch-biologisch und die Oliven im Brot seien unter toskanischer Sonne gereift und die Weintrauben an den sonnigsten der südlichen Hänge gereift.

„Brot“ quiekt sie, habe sie schon sieben Jahr nicht mehr gegessen und auch Weintrauben stehe sie eher kritisch gegenüber.“

„Tierarzt“, sage ich, tu mir doch die Liebe und hol die Traubenschere, denn die preußischste Großmutter unter den deutschen Juden, fand es gäbe nichts Widerwärtigeres als knipste der Besuch mit den Fingernägeln in den Trauben herum.

„Aber nur ein winziges Stückchen“ haucht die gute Bekannte und ich schneide vorsichtige Ecken vom Käse ab, der Tierarzt knipst Weintrauben dazu und ich suche das kleinste Eck Brot aus dem Korb heraus.

„Aber nur ein winziges Schlückchen“, sagt die gute Bekannte als ich mich mit der Weinflasche nähere.“ Ein winziges Schlückchen also.

In den nächsten zweieinhalb Stunden erfahren wir alles über

: die missratenen Kinder des Gemahls,  der nun eben gerade mit dem Tierarzt parliert.

: eine leidige Zahnsache der guten Bekannten

:Ärger mit dem übellaunigen Chef einer Druckerei

: die horrenden Preise für den Skipass

: den Vorzug ägyptischer Seide für Kopfkissen

: die Pläne für den Sommerurlaub

: ihre Glutenunverträglichkeit

: ihre Erfahrungen mit Heilsteinen

: Ärger mit dem Umtausch von Weihnachtsgeschenken.

An den Käse, den Wein und das Brot muss ich nicht erinnern, die gute Bekannte bittet nämlich ihren Mann, den Tierarzt und mich um das Abschneiden einer weiteren, winzigen Ecke, dem Nachfüllen eines zweiten klitzekleinen Tropfens und des Naschens einer einzigen, weiteren Traube. Nach einer Stunde bringt der Tierarzt eine zweite Flasche Wein aus dem Keller hervor, ich wasche eine weitere Traube ab und schneide Brot auf. Nach zweieinhalb Stunden ist die Käseplatte leer, der Wein geleert und vom Brot der letzte Krümel verzehrt.

Die gute Bekannte küsst mich zweimal links und zweimal rechts: „Du Read On, es war wirklich schön einmal auf eine halbe Stunde bei Dir vorbeizuschauen, wenn wir nächstens Mal mehr Zeit haben, dann musst Du mir unbedingt erzählen, was Du so machst. Ich nicke und lächle. „Ach“, sagt sie wirklich fein, der Käse, ich habe ja nur ein einziges Stückchen probiert und über das Brot und die Weintrauben kann ich nichts sagen, ich esse seit Jahr und Tag schon keine Kohlenhydrate mehr nach vier Uhr. Dann sieht die gute Bekannte den Tierarzt an: „Alles Gute“ sagt sie und entschuldigt sich dafür, dass sie sich in einer halben Stunde wirklich keine Namen merken könnte.

„Der Tierarzt sagt: „Aber Hallöchen!“

Das Ehepaar winkt, hupt und braust davon.

Wir gehen hinauf, fegen Brotkrümel, tragen die leeren Flaschen hinunter und waschen Teller wie Gläser ab.“

„Ein halbes Stündchen, ja?“ sagt der Tierarzt.

„Ein halbes Stündchen“, sage ich.

„Die Uhren gehen anders in Deutschland“, sagt der Tierarzt und klingt fast wie meine Großmutter, die bekanntlich die preußischste unter den deutschen Juden war und sich niemals mit dem Käsemesser auch noch Butter auf das Brot geschmiert hätte.

Flora und Fauna

Es ist also ein ganz gewöhnlicher Samstag Morgen, mir tropft das Meerwasser aus den Haaren, ich stehe am Herd und in der alten Stielkasserole quillt Porridge und ich rühre und rühre und rühre. Wie gewöhnlich lauert die Katze auf dem Fensterbrett, dass ihre warme Milch abgeschöpft wird und wie jeden Samstag steht der Hund hinter mir und glaubt, wenn er mir seinen Hundeschädel nur arg genug in die Kniekehlen rammte, würde er seinen Porridgeanteil schneller erhalten. Hier irrt der Hund, ich rühre, der Tierarzt sitzt auf der Anrichte, liest mir aus der Zeitung vor, schlenkert mit den Beinen, unterbricht die Zeitungslektüre, küsst mich auf die Nasenspitze und sagt: Mädchen, was schenkst du eigentlich Kälbchen zu Weihnukkah?“ Ich huste und während ich noch sagen will: „einen ausgedehnten Aufenthalt in einem Landschulheim für Rüpelkälber“, klingelt das iphone auf dem Küchentisch. „Tu mir die Liebe und nimm ab, sage ich zum Tierarzt, aber der Tierarzt bringt das Telefon zu mir herüber an den Herd und sagt: Ich weiß nicht, es klingelt so aggressiv. „Ach, sage ich, das ist nur die D.“ und während Hund und Katzen sich um die Stehlampe jagen, tippe ich auf den Lautsprecher und die Stimme der D, schallt durch die Küche des kleinen, windschiefen Hauses in einem kleinen, irischen Dorf.

„Diese Haselnuss, diese impertinente Person schreit die D. und man hört ein dumpfes Krachen am anderen Ende der Leitung. „Dieser Mann vom Verstand einer schimmeligen Seegurke, dieser Beißwurz“ donnert die D. und aus ihr spricht ein Zorn, wie er seit Zeiten der römischen G*tter selten geworden ist. In eine Atempause hinein frage ich: „D. wer hat Dir ein Leids getan?“ Die D. aber lacht nur höhnisch: „Der grünäugige Sellerie natürlich, wer denn sonst, es ist nicht zu glauben, dass ausgerechnet ich an einen Mann vom Gehalt einer Spreewälder Gurke geraten bin.“ „Oh, Spreewälder Gurken sind sehr gut, sage ich, wusstest Du eigentlich, dass meine Großmutter selbige in gewaltigen Tontöpfen einlagerte, kam der Winter?“ Von all dem aber will die wütende D. nichts wissen. „Lenk nicht ab Read on, diese Nachtschattengewächseite kannst Du Dir bei mir wirklich sparen. „Wäre ich eine Pflanze, liebe D. sage ich wäre ich ein Fliederbusch“, werfe ich ein und die D. wirft mit einem Buch. Ein Glück, dass Bücher nicht durch Telefone passen, sage ich mir und die D. schnarrt, dass ich wirklich etwas von einer ätherischen Pflanze hätte, denn auch sie ertrüge mich nur unter Betäubung. Ich muss kichern, während der Tierarzt langsam an den Rand der Anrichte rutscht. „Was ist denn nun vorgefallen?“, frage ich noch einmal und die D. fährt fort zu schreien: „Dieser hohle Kürbis, der T. hat mir einen Heiratsantrag gemacht.“ „Mazal tov“, rufe ich und die D. faucht: „Mazal tov?“ willst du mich verfluchen?“ Noch niemals seit der Erfindung des Penicillins haben Internisten und Chirurgen geheiratet. „Man lagert ja auch keine Birnen neben Äpfel Erdbeeren wachsen nicht am Walnussstrauch“ und wieder unterbreche ich die D. „Du weißt schon, dass Erdbeeren durchaus der Familie der Nüsse zuzuordnen sind, ja?“ Die D. aber mauzt nun vollends aufgebracht: „Erspare mir doch einmal Deine Spitzfindigkeiten, Read On. Du kannst wahrhaftig eine Kokosnuss zur Weißglut reizen.“ Inzwischen sitzen Hund und Katze still und ehrfurchtsvoll unter dem Küchentisch, dort säße der Tierarzt auch gern, aber der muss Zimt anreichen und tut es mit zitternder Hand. „Chirurgen“ schreit die D. „seien Pflaumen, von außen hübsch, von innen matschig, das Gehirn eines Chirurgen ist so groß wie eine Medjool-Dattel nach siebenzehn Wochen in der heißen Wüstenluft, jede Petersilienwurzel habe mehr Tiefgang als ein Chirurg und ein Kartoffelacker sei die Bibliothek von Alexandria gegen die dreiundzwanzig Vokabeln, die dieser Spezies zur Verfügung stehe.“ „Er hat dich richtig gefragt, mit Ring und allem?“, frage ich die D. „Ja, Ja, Ja“, schreit die D. „Dabei sind wir doch Naturwissenschaftler, da lässt man sich doch nicht zu so etwas hinreißen.“ Und was hast Du gesagt?“, frage ich weiter. „Er solle sich dahin scheren wo der Pfeffer wächst“, bringt die D. unter zusammengebissenen Zähnen vor.“ „Ouf, sage ich D. Du bist wirklich richtig verliebt.“ Die D. befindet daraufhin, dass Promotion hin oder her, mein IQ dem einer sehr kleinen Perlzwiebel entspräche. „Mazal tov, Süße“ rufe ich und die D. schmettert den Hörer auf. Der Tierarzt sieht fassungslos auf das nun stumme Telefon. Ich reiche der Katze Milch, dem Hund Porridge und fülle auch uns Haferbrei in die Schüsseln. Wieder klingelt das Telefon, Tierarzt, Katze und Hund zucken zusammen, aber es ist nur der T.

„Read On“, sagt der T., diese Frau, was glaubst Du, was sind meine Chancen?„Spätestens Montag sagt sie Ja“, sage ich und der T. atmet hörbar aus. „Diese Frau ist eine Chilischote“ sagt er und dann geht sein Pieper.

Der Tierarzt gießt Tee nach und sagt:“Mädchen, the Germans know their drama. The heat, the fire, there is desire lurking underneath their pores. They know what a lover’s tryst looks like, oh the passion. They glow from the inside, oh these Germans. What marvelous beings“. Den Tierarzt durchfährt ein heiliger Schauer.

Ich löffle Himbeermarmelade auf meinen Haferbrei und sage:
„Tierarzt wusstest Du, dass die liebe D. eine kleine Schwester hat und beuge mich über den Tisch, sie ist zwei Monaten wieder Single.“

Schweigend starren mich Hund, Katze und der Tierarzt an.

Es geht doch nichts über ein Samstagsfrühstück im Kreis seiner Lieben, denke ich mir und schiebe die Himbeermarmelade zum Tierarzt herüber.

Grünes Glück

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Trotz der ziemlichen Kälte am Morgen besteht die D., die auf einen Sprung vorbeischaut, im Garten zu frühstücken. Liebe Gäste lässt man gewähren und reicht ein dickes Wollplaid zum Nusszopf und der Marmelade. Weil es sich noch dazu, um die liebe D. handelt, bekommt sie auch noch ein paar dicke Socken und ich mache ihr zu Ehren das letzte Glas Stachelbeermarmelade auf. Im Gras zwitschert die Amsel und meine alte Freundin die Wildtaube gurrt leise, sie will ja nicht stören und frühstückt Rosinen auf dem Brett über der Regentonne. Die D. seufzt. „Wirklich sagt sie Süße, ich beneide dich um deinen Garten.“ „Uff, sage ich und denke an die vielen, vielen Morgen an denen ich vor Sonnenaufgang schon im Garten harke, jäte, grabe, gieße, schneide und immer noch lacht die Wildnis aus vollem Halse über meine Mühen. „Aber D. sage ich, Du hast doch deine Datscha.“

Die D. nämlich ist vor einigen Jahren aus dem schönen München und dem elterlichen Haus mit dem riesigen Walnussbaum im Garten in eine Wohnung mit Balkon aber ohne Grün in Charlottenburg verzogen, dem H. ihren Mann zuliebe, der seine Midlife Crisis nicht mit einer Geliebten, sondern mit dem Umzug in eine neue Stadt kurieren wollte. Der H. jedenfalls schimpft seitdem den ganzen Tag auf Berlin und verehrt die Stadt an der Isar als sie die Heiligkeit selbst. Die D. aber fand Freunde, gründete eine Firma und vergass München, nur die Sehnsucht nach dem elterlichen Walnussbaum, die blieb ungestillt. Dann aber hörte die D., dass immer mehr Menschen, die Gartenzwerge nicht Monets Seerosen vorziehen und Hobbyfunker aus Leidenschaft sind, sich ein Stück Gartenglück in einer Laubenkolonie erpachten. Der Wunsch nach Mutter Erde und dreckigen Fingern also wuchs und wuchs auch in der lieben D. und eines schönen Tages übernahm sie ein Stück Land in einer Gartenkolonie, die wir hier der Einfachheit halber einmal „Grünes Glück“ nennen wollen. Es ließ sich gut an für die D., die nach der Arbeit gern mit dem Rad in ihre Laube fuhr, sich die Füße in der Sonne wärmte und nach Herzenslust Sträucher und Blumen pflanzte, sich Erdbeeren von der Hand in den Mund wachsen ließ und ein Vogelhaus in den Apfelbaum hängte. Gegen den seltsamen Nachbarn, der im Unterhemd Rasen mähte und Scherben gegen die Vogelbrut auf das Dach platzierte half eine Buchenhecke und gegen die „100 besten Militärmärsche der NVA“, die die ansonsten ganz passable Nachbarin zur Linken und ihr Gemahl auflegten während sie dem Unkraut zu Leibe rückten, konnte mit Ohropax begegnet werden. So also ließ sich wenn nicht Alles, so doch Vieles zum Guten wenden und mit Stolz sah die liebe D., der ich gerade ein zweites Stück Nusszopf auf den Teller lege auf ihr Stück begrüntes Land. Dann aber entschloss die D., denn die Sommer sind kurz und der Berliner Winter sehr, sehr lang und von zäher Kälte auch morgens noch bevor sie zur Arbeit fuhr auf eine Stunde im Garten zu werkeln und den Tag mit Rosenduft in der Nase zu beginnen. Wer will es ihr verdenken? Doch auch die anderen Laubenpieper sahen in der Morgenstunde die rechte Zeit, und so sah die D. nicht etwa allein die Sonne, sondern den Nachbarn im Unterhemd, der die Rasenkanten trimmte und schlimmer noch mit einem auf den Rücken geschnallten Giftkanister gegen die „Schädlinge“ vorging, denn dies Stück Land erklärte er der verdutzten D. gehöre ihm und ihm allein. Über die Hand der D. läuft derweil eine Spinne. Hier bei mir im Garten am Rande der Stadt wohnen ja neben der Igelfamilie, der Kröte ( noch nicht aus dem Süden zurückgekehrt ) in der alten Gießkanne, der alten Freundin Wildtaube und ungezählten Vögeln, so viele Insekten und Spinnen, dass die örtliche Grundschule immer wieder mit Kindern vorbeikommt. Die Kinder sind heute ja immer alle sehr, sehr gut angezogen und fürchten sich vor den Regenwürmern, aber wenn sie dann mit ihren Bechergläsern endlich durchs Gras robben und Getier beobachten, dann dauert es nicht mehr lang und schon bestaunen sie Spinnen, Hummeln, Würmer und wollen alle, dass der Marienkäfer auf ihrem Finger landet. Der grandiose Nebeneffekt dieser Naturstunden ist, dass die durstigen Kinder nicht nach Cola schreien, sondern Wasser mit Himbeersirup, den ich in Massen herstelle, herunterstürzen, denn der nächste Sommer mit seiner Himbeerschwemme kommt bestimmt. Ich hoffe, dass die Kinder noch immer Spinnen in den Hosentaschen mit nach Hause nehmen, denn wenn die Welt schon nicht besser zu machen ist, dann doch wenigstens nicht immer nur noch steriler. Aber schon schweife ich ab, denn in der Laubenkolonie „Grünes Glück“ ist die Natur vor allem eins: Gegner. Die D. sah betrübt auf ihre Rosen und den Nachbarn mit der Giftspritze. Aber dann schien die Sonne und die D. sagte sich, besser als nur der kleine, ewig verschattete Balkon in Charlottenburg ist es allemal. Aber dann eines Morgens die D. trank gerade Kaffee vor ihrer Datscha und hielt die Füße ins taufrische Gras,  doch dann hörte sie ein „Schnipp“ und dann ein „Schnapp“, und ein dumpfes „Plopp“ erst dachte die D., dass die NVA-Nachbarn vielleicht das Gras mit der Nagelschere in Stellung brachten wie einst der Pionierappell die Kinder, aber die D. sollte sich irren und eine Nagelschere macht vielleicht „Sirrrr“ und „Simmm“ aber erzeugte wohl kaum ein metallisch-klirrendes „Schnipp“ und „Schnapp.“ Die D. jedenfalls tappte zum Gartenzaun. Herr und Frau Nachbarin in Trainingsanzügen robbten tiefgebeugt über den Rasen, in den Händen große, silberne Scheren. „Morgen Nachbarn“ rief die D. und winkte. Die Nachbarn sahen kaum auf. „Psst Frau D.“, riefen sie, „die Biester sind schneller als man denkt.“ Die D. beugte sich noch ein Stück weiter zum Gartenzaun vor und endlich verstand auch sie: die Nachbarn jagten Schnecken. Aber nicht einfach so oder gar um sie auf den Kompost zu befördern, oder meinetwegen über den Gartenzaun zur D. zu schleduern, sondern Schnecke für Schnecke packten sie mit gelben Gummihandschuhen bewehrt und zerschnitten die Schnecken dann mit den scharfen, silbernen Scheren genau in der Mitte, um sie dann mit einem „Plopp“ in einen metallenen Kübel fallen zu lassen. Die D. aber drehte sich um und übergab sich ins Rosenbeet. Am gleichen Tag noch kündigte sie ihre Parzelle in der Laubenkolonie „Grünes Glück“. Die Nachpächter haben die Rosenstöcke sogleich planiert.

Die D. schüttelt den Kopf und seufzt. Ich seufze mit ihr und lege ihr noch ein Stück Nusszopf auf den Teller. „Hör Süße, sage ich, Du kannst kommen wann immer du willst und wenn Du magst pflanzen wir einen Nussbaum. Der Garten ist schließlich groß genug.“ Die liebe D. nickt. Dann muss ich aber wirklich los, die alte Freundin Wildtaube sage ich, ist eine gute Zuhörerin und streue ihr noch eine Hand Rosinen hin Die Wildtaube gurrt und die D. zieht trotz der Kälte ihr Schuhe aus und vergräbt die Füße im weichen, duftenden Gras.

Sonntag

Müde und zerschlagen früh am Morgen von der Nachtschicht zurück. Endlich die schweren Schuhe von den Füßen streifen. Barfuß, die Füße ins nasse Gras gesteckt auf dem alten Gartenstuhl. Die Amseln tanzen unter dem Apfelbaum. Mir fallen Kirschblüten ins Haar. Der Tierarzt bringt eine Tasse Tee. „Du gehörst ins Bett, Mädchen“, sagt er. Er meint: „Nimm doch Vernunft an.“ Einmal wenigstens bin ich vernünftig und der Tierarzt schreckt ob meiner bloßen Füße nicht zurück. Wirre Träume, unruhiger Halbschlaf. Irgendwann stiehlt sich der Tierarzt davon. Um 14 Uhr haben sich Freunde angesagt. Zwar bin ich genau so jemand geworden, der den Tisch schon am Abend vorher eindeckt, aber auch liebe Freunde wollen sich nicht allein am Geschirr erfreuen, sondern haben Hunger und Lust auf Spiegelei. Aber ich bin immer noch zu müde, viel zu müde und so verstecke ich mich unter den warmen Kissen. Im Halbschlaf vertraute Geräusche: Der tropfende Wasserhahn der Spüle, das Kratzen des Messers auf dem hölzernen Schneidebrett, Stimmengewirr aus dem Radio, der Deckel der Teedose klirrt, Schranktüren werden geöffnet, das Telefon klingelt und der Tierarzt ruft: „Psst! Das Mädchen schläft“, in den Hörer. Das Surren der Saftpresse. Der Tierarzt flucht, er hat sich wohl an der alten und heimtückischen Schere den Finger eingeklemmt. Aber ich hänge an der Schere, ist sie doch einer der wenigen Gegenstände, die aus der Stadt A. mit in andere Länder und andere Städte gekommen ist. Dann rattert die Kaffeemühle, das Ofenrost wird in den Ofen geschoben und der Tierarzt zieht die Eieruhr auf. Dann kann ich mich wirklich nicht länger in den Federn vergraben, eine schnelle Dusche, das erstbeste Kleid, ein Stiefmütterchenstrauss im Garten abgeschnitten, den Tierarzt für den prächtigen Tisch gelobt und noch einmal Tee aufgesetzt. Schon schellt es und die Gäste stürmen die Treppe hinauf. Der Tisch ist pakistanisch-deutsch-türkisch-irisch-französisch-schwedisch besetzt und immer weitere Essensberge biegen den Tisch in der Mitte fast durch. Der Tierarzt kommt neben meiner resoluten Freundin R. zu sitzen, die dem Tierarzt den Kalorienbedarf eines Jahres auf den Teller lädt und ihm aufmunternd zu nickt: „So gut!“ Der Tierarzt schluckt, schon hat sie einen weiteren Löffel Hummus auf dem Teller platziert. Dann herrscht Spiegeleier -Seligkeit. Aber obwohl alle genauso laut und lustig wie immer durcheinander schreien, und fast alle Sätze mit: „Hast du schon gehört?“ oder „Nimm doch noch vom…“ beginnen, liegt doch ein Schatten über dem Tisch. Die I, verlässt immer wieder das Zimmer, um Verwandte in Istanbul, Izmir und Ankara anzurufen, es ist als überprüfe sie, ob wirklich alle Verwandten, Bekannten und Freunde mit „Nein“ abstimmen. Immer wieder machen wir die Nachrichten an. Einmal heißt es ein Mann habe in Istanbul dreimal mit „Ja“ abgestimmt. Es braucht ein gewaltiges Stück Osterbrot fingerdick mit Honig bestrichen, um die I, davon abzuhalten, stehenden Fußes einen Flug nach Istanbul zu buchen, den Mann aufzusuchen und kräftig zu schütteln. Die Nachrichten werden nicht besser und wir gehen auf eine Stunde nach draußen. Die R. und der B. spielen Federball im Garten, die I. hält ihre Nase in die Hyazinthen, um sich vor der Nachrichtenlage zu betäuben und die Nachbarskinder finden, Ostereier suchen, nicht halbs so spannend wie uns durch den Garten zu jagen, bis wir japsend auf dem Boden liegen. Erst Sonne, dann Wind und Regen, Hagel gar, ich fürchte um die Kirschen. Die I. hebt drohend die Hand zum Himmel. „Bei allem was Recht ist“, ruft sie. Die Kirschen bekommst du nicht.“ Ich glaube sie meint nicht den Wetterg*tt sondern Erdogan. Wir verteilen Lebensmittel gerecht zwischen Pakistan, Deutschland, Schweden, Frankreich und der Türkei. Immerhin hier ist der Weltfrieden möglich. Wohl auch wegen des Verzichts der irischen Seite. Jedes Jahr, denn das Osterfrühstück ist, obwohl ich doch am Osterbrot der Pesach-Speiseregeln wegen nur riechen kann, einer meiner liebsten Sonntage eines jeden Jahres. Denn jedes Jahr bin ich erstaunt, dass diese wunderbaren, eigensinnigen, streitbaren und liebevollen Menschen tatsächlich mit mir befreundet sein mögen und unendlich reich beschenkt, bin ich mit ihnen allen. Ich wasche ab, der Tierarzt trocknet Gläser, dann müssen wir schon los. Stadteinwärts nämlich. Im Deutschen Theater gibt es Arthur Millers „Tod eines Handlungsreisenden.“Der Tierarzt hat die englische Fassung in der Jacke und liest sich ein. Das Theater ist voll, denn es ist nicht so sehr das Stück selbst, sondern Ulrich Matthes, der das Stück trägt. Natürlich könnte Ulrich Matthes das Berliner Telefonbuch vorlesen und ich wäre immer noch entzückt, aber das Stück selbst, hat die Zeit nicht gut überstanden. Blutleer sind die Charaktere und die Tragik des Abstiegs, bleibt seltsam fern und leider mir ziemlich egal. Diese Art des Sozialdramas das glaubte, ein Schicksal sei schon genug und es bräuchte dafür nicht auch noch Charaktere oder gar eine Geschichte verfängt sich nicht recht, sondern bleibt abstrakte Belanglosigkeit. Für eine kleine Weile noch gehen wir noch durch das nächtliche Berlin. Erleuchtete Fenster, dunkel die Spree, von weitem Musik, Frauen auf überhohen Schuhen wanken auf den Arm ihres Begleiters gestützt einem Abenteuer von dem wir nichts wissen entgegen. Eine Männergruppe vergleicht die Preise eines Bierbikeanbieters. Ein Mann schwärmt vollmundig von den Waden einer gewissen Undine. Aber die Dame ist nicht an seiner Seite und auch am Telefon nicht zu erreichen. In einer Kneipe essen Menschen Kalbsschnitzel, der Tierarzt dreht sich schaudernd weg. Im Bahnhof Friedrichstraße wälzt sich ein Mann auf dem Boden. Alkohl und Krämpfe sind keine gute Mischung. Der Notdienst sagt, er sei gleich da. Wir warten und der Tierarzt sieht mich an. „ Es ist es etwas mit Dir, nicht wahr. Ich nicke. „Immer schon“, sage „ich von Anfang an.“ Ein nicht minder alkoholisierter Berlintourist mit Jeanshemd und Lederjacke erklärt uns ungefragt und demonstrativ laut, was so ein Mann, wie der auf dem Boden dem Gesundheitssystem, also ihn als Steuerzahler koste und das Beste sei doch ihn liegenzulassen, denn Morgen wiederhole sich das doch von vorn. Der Mann unterstreicht seine groben Reden mit deftigen Bierrülpsern, dann kommt der Rettungsdienst. Der Mann muss sofort in ein Krankenhaus. Wir aber fahren mit der Bahn zurück an den Rand der Stadt, laufen durch die schweigenden, stillen Straßen und hören nichts weiter als unsere eigenen Schritte, bis wir wieder vor der Haustür stehen. Die I. hat zweimal angerufen, sehe ich auf dem Telefon. „Nein zum Ja“ sagt sie als ich zurückrufe.

 

Zu nächtlicher Stunde

„Kommst du mit zurück?“, fragt mich die liebe C. als Herr Zingarelli verarztet und die Spaghetti aufgegessen sind. Ich schüttle den Kopf. „Ich geh noch auf einen Sprung zum D.“ sage ich und die liebe C. nickt. „ Aber sieh noch einmal bei mir herein, wenn du zurück bist, ja?“, sagt die C. und ich muss lachen. Aber gerührt bin ich eben doch. „Versprochen“ sage ich und küsse meine liebe C. Herr Zingarelli gibt mir zwei Flaschen Wein, die braucht der D. sagt er und ich nicke. Am Morgen in der Zeitung, die Anzeige: „bekunden sich ihre Verlobung anzuzeigen: Fräulein B. und Herr C. beide Ärzte im Städtischen Klinikum der Stadt X.“ Ich legte die Zeitung weg, denn schon schellte es an der Praxistür. Aber die Anzeige vergaß ich nicht. Die liebe C. und Familie Zingarelli winken mir zu: „Grüßen Sie uns den D.“ rufen sie und ich nicke. Über den Marktplatz also, vorbei am stattlichen Haus der Familie der B. Altes Geld sagen die Leute und meine Großmutter sagte mir: ich sollte nichts darauf geben, was die Leute sagen. Drei Querstraßen weiter drücke ich die Haustür auf. Noch immer der gleiche Muschelkalk auf dem Boden, eine Reihe von Briefkästen, zwei Fahrräder, eins ist kaputt. Der Stiegenlauf schon lange nicht mehr gestrichen. Erbaut im Jahre des Herrn über dem Türsims, ich laufe die Treppen hinauf, bis ganz hinauf ins Dachgeschoss. Dreimal kurz und zweimal lang klopfe ich an die Tür. „Mach auf“ rufe ich und klopfe noch einmal. Endlich knarrt der Dielenboden und dann öffnet sich die Tür. „Poltergeist“, sagt der D. „Sehr witzig sage ich und stelle die Weinflaschen auf den Tisch. „Von Herrn Zingarelli“ sage ich und du suchst einen Korkenzieher. „Immer noch nüchtern Read On?“ fragt der D. und ich nicke. Die gleiche Zeitung liegt auf dem Tisch. „Bekunden sich ihre Verlobung anzuzeigen.“ Nun ist es also soweit“ sagt der D. und der Korken ploppt aus der Flasche. Der D. sieht auf seine Hände und ich sehe auf den Kamin. Dort steht im silbernen Rahmen das Bild von B. und D. Lächelnd, sonnenbestrahlt. Arles. Ein langer Sommer. Der D. auf dem Bild hat keine Schatten unter den Augen, sondern trägt die Sonne vor sich her. „Dir will ich die Welt zu Füßen legen“ steht in unsichtbarer Tinte unter der Fotografie geschrieben. Der D. sieht meine Augen und dreht das Bild abrupt um. „Was willst du?“,fragt er und ich zucke mit den Achseln: „Ich will nicht das du allein trinkst, sage ich und der D. lacht. „Ach so, das Fräulein Read On, mit ihrem Patent zum Sorgen machen. Die ewig Besorgte, die Kümmerin, die Ach-ich-weiß-wie-es-dir-geht, die lass uns doch reden-Madame. „Bist du fertig?“ frage ich. „Scheiße“ sagt der D. und dann räumt er einen Stapel Zeitungen für mich vom Stuhl. Ich mache mir einen Tee. „Fühl Dich wie zu Hause“ sagt der D. und ich drehe mich um. „D. sage ich, ich gehe nicht.“ „Scheiße“, sagt der D. Neben der Zeitung liegt die dokumentierte Beziehung des D. und der B. Fotostapel über Fotostapel. Ein glückliches Leben. Fast zehn Jahre lang und dort wo ich sitze, einem breiten Rattanstuhl hat die B. jahrelang gesessen und dem D. nach der Nachtschicht in den Schoß gelegt. Der D. ist Krankenpfleger und die B. inzwischen Ärztin. Zehn Jahre lang war es der B. egal und dann verlobte sie sich mit dem Anästhesisten und nicht mit dem Krankenpfleger D. Der D. starrt auf die Zeitung. Ich auch. Der Teekessel pfeift. Keiner von uns steht auf. Der D. lacht bitter. „Was wollen Sie als Krankenpfleger denn im Arztzimmer?“, hat sie am Freitag gesagt. „Scheiße“, sage ich. Der D. nickt und legt den Kopf auf die Arme. Die Kirchturmglocken schlagen und vor dem Haus hält ein Auto. Wir stehen nicht auf. Das Auto fährt fort und die Scheinwerfer ziehen einen hellen Lichtstrahl durch die Küche. Der D. erinnert sich der Weinflasche, dann schüttelt er den Kopf. „Es wäre besser, wenn wir uns jetzt siezen“ sagte sie ,murmelt er und ich ziehe seine Hände zu mir heran. Der Korkenzieher fällt klappernd zu Boden. Ich würde gern sagen, dass sie es nicht so meint, dass sie schon jetzt vielleicht drüben im stattlichen Haus, nervös auf den Fingernägeln kaut, die Jacke vom Haken nimmt, und hinüberläuft zum D., aber vor uns auf dem Küchentisch liegt die Anzeige, rot umrandet vom D. zwei Turteltäubchen halten einen Zweig im Schnabel: „Bekunden sich ihre Verlobung anzuzeigen.“ Am Haken im Flur hängt noch ihr Wintermantel, ihre Handtasche, so als sie sei nur auf einen Sprung nach Haus gegangen, denn ihr Zuhause war doch die letzten zehn Jahre die Dachgeschosswohnung des D.
Der D. trinkt ein Glas Wein. „Was soll ich jetzt machen?“ „Ruf sie an2, sage ich. Du wirst doch nicht hereinfallen wollen auf das Sie und das Arztzimmer. Der D. legt eine Platte auf. Gluck. Orpheus und Eurydike. Unten vor dem Fenster steht eine Frau im Hauseingang, schon kommt ein Taxi, hastig steigt sie ein und schon liegt die Straße wieder im Dunkeln. Der D. und ich liegen auf dem alten Smyrnateppich und die Musik, diese klagende Stimmen im Wechsel schwappt in Wellen über uns hinweg. Unten auf der Straße quietschen die Bremsen, auf dem Marktplatz schlägt die Uhr, im Treppenhaus lässt jemand ein Schlüsselbund fallen, der Symrnateppich riecht nach dem Lavendelparfum der B. „Ich dreh mich doch nicht um, doch nicht nach ihr“, sagt der D. und klingt nicht einmal weinselig dabei, sondern nur bitter. „Ruf Sie an“, sage ich und stehe auf das Telefon suchen. Im Papierkorb mehr Bilder der letzten Jahre. Unter der Zeitung endlich das Telefon. „Ruf sie an“, sage ich und der D. dreht den Kopf weg. „Willst du lieber in die Kirche stürmen, kurz vor dem Ja-Wort?“, frage ich und der D. nimmt das Telefon. „Du bist unerträglich, sagt der D.“ „Dafür bin ich hier“, sage ich und der D. wählt die Nummer, die einzige Nummer, die er inwendig behalten kann. Am anderen Ende nimmt die B. den Hörer ab. Für einen Moment noch, stehe ich am Küchenfenster, dann suche ich Mantel, Schuh, und ziehe die Wohnungstür hinter mir zu. Zurück zum Marktplatz also, die Straßen menschenleer. Alle Häuser sind dunkel. Nur im stattlichen Haus an der Ecke des Marktes brennt Licht. Im Erker steht die B. das Telefon in der Hand, den Hörer dicht ans Ohr gepresst, die andere Hand im Haar vergraben. Ich bleibe nicht stehen, schon suche ich nach dem Schlüssel, im Haus meiner Großmutter hat die liebe C. mir Licht angelassen, ich lasse die Treppenstufen fünf und acht aus, öffne leise die Tür zum Zimmer der C. und küsse sie auf die Stirn. „Der D?“ murmelt sie, telefoniert mit der B. sage ich und die C. lächelt. „Schlaf gut“, „Du auch“ flüstere ich und gehe ins Bad. Bevor ich endlich ins Bett falle, sehe ich noch einmal über den Marktplatz. Bei der B. ist noch Licht, strengte mich an, könnte ich bestimmt erkennen, ob sie noch immer mit dem Telefon am Fenster steht, aber ich ziehe den Vorhang vor, und sehe auf den Wecker neben dem Bett. Es ist halb Zwei.

Höhere Mächte

Fast so lange wie ich die D. kenne war D. mit dem E. liiert. Die D. müssen sie sich als eine überaus vernunftbegabte Person vorstellen. Auf keinen Fall ist sie je solch ein Zausel gewesen wie das Fräulein Read On. Die D. mit ihren roten Locken und grün gesprenkelten braunen Augen und ihrer immer aristokratisch-gelassenen Haltung ist das genaue Gegenteil des benannten Fräuleins. Die D. weiß gar nicht was eine Laufmasche ist, während das Fräulein Read On schon Vorträge mit abgebrochenem Hacken absolviert hat. Nicht nur weil das Wort patent so überaus treffend für die D. ist, ist sie Patentanwältin geworden und der E. ihr langjähriger Gefährte tat es ihr nach. Den E. allerdings habe ich nie recht leiden mögen, vor allem weil er stets mit weinerlicher Stimme von seinen vielen Wehwehchen klagte und mir einmal sogar sein Taschentuch mit Inhalt unter die Nase hielt-wohl in der Erwartung, dass ich einstimmte in sein Jammern und Klagen. Aber wer das Fräulein Read On kennt, wird wissen, dass der E. mit schallendem Gelächter noch einmal milde davongekommen ist. Aber die Gefährten lieber Freunde ertrage man mit nachsichtiger Milde und als die D. vor einem Jahr, etwa um diese Zeit ankündigte, dass sie und ihr lieber E. das Weihnachtsfest statt bei seinen Eltern im schönen Schwetzingen zu verbringen, nach Mexiko fliegen würde, nickte ich beipflichtend und fragte, es sage ja keiner, dass Fräulein Read On sei ein Unmensch, ob der E. sich denn für solch eine Reise gesundheitlich gerüstet fühle. Der E. so die D. hat eine ausführliche Beratung bei einem Institut für Tropenkrankheiten absolviert und sei guter Dinge. Ich wünschte das Allerbeste und bestärkte die D. in der Annahme der E. würde vor Palmen und weißem Sand einen Ring aus der Hosentasche ziehen und die D. bräuchte nur mehr romantisch: „Ja ich will“ zu hauchen. Der D. patent wie sie nun einmal ist, war diese Fantasie so konventionell sie auch sein mag, durchaus peinlich. Die D. ist in allen Fragen des Lebens praktisch und hat sich nie mit derselben Begabung in amouröse Katastrophen gestürzt wie sagen wir das Fräulein Read On. Auf dem Flughafen jedenfalls stießen die G. und der K. dazu, aber beide kenne ich nicht. Der E. habe sie wohl auf einem Juristenkongress kennengelernt und man habe sich sympathisch genug gefunden, um auch eine Fernreise unbeschadet zu überstehen. Mexiko jedenfalls habe sich gut angelassen. Die Sonne schien. Der Wind hauchte mild. Schwetzingen und die seltsamen Eltern des E. waren fern. Kühl war der Weißwein in den Gläsern und wenn der E. auch über Kopfschmerzen und ein Stechen in der Brust klagte, so war doch alles von mexikanischem Blau- es war ja Weihnachten-überzuckert. In den nächsten Tagen besichtigte man gemeinsam Tempel und bestaunte alte Götter. Abends aß man guten Fisch und trank noch mehr vom kühlen und sehr angenehmen Wein. Die D. schaute dann und wann zum E. herüber, ob er nicht wohl doch einen Ring? Aber dann unterhielt sie sich mit der K. über gemeinsame Berliner Bekannte und mit dem G. über den Kauf einer Ferienwohnung in der Toscana. Der E. sprach munter dem Wein zu, nieste, schniefte und keuchte wenig und so schlief man gut im weihnachtlich beleuchteten Hotel. Anderntags las man am Pool, schwamm und die D. ließ sich massieren. Am Abend klagte der E. über Druck auf der Brust. Die G. aber bot dem E. etwas Homöopathisches aus ihrer Reiseapotheke an. Der E. nahm dankend an und folgte der G. Zurück blieben D. und K. Lange sahen sie der Sonne beim Versinken zu. Dann ging die D. schlafen, der E. indes war noch nicht zurück von den heilenden Händen der G. Am anderen Morgen jedoch lag der E. leise schnarchend an ihrer Seite. Aber auf den geplanten Ausflug hatte er keine Lust und auch die G. fühlte sich nicht ganz an Deck. Den Ausflug machten dann die eben der K. und die E. Überraschend stellte sich der K. als Kenner aztekischer Kultur und die D. hörte dem K. gern zu und schickte Fotos zu mir nach Berlin. Als sie schließlich in das Hotel zurückkehrten wand sich der E. jedoch keineswegs auf dem Boden noch tappte die G. halbstündlich ins Bad. Vielmehr saßen die E. und der G. sehr lebendig auf der Terrasse, mit Blick aufs Meer, der kühle und sehr gute Weißwein in Reichweite und hielten sich bei den Händen. Der E. so die D. trug einen überaus albernen Sombrero und als die D. und der G. ins Bild traten, beugte sich die G. vor und küsste den E. auf die etwas zu schmalen Lippen. Noch am selben Nachmittag aber zog der E. ins Zimmer der G. und der K. nahm sich ein Einzelzimmer. Die verbleibenden Urlaubstage aber sah die D. lange aufs Meer und nahm die Arbeit zur Hand, die sie, patent wie sie ist eingesteckt hatte. Manchmal machte sie einen Spaziergang mit dem K., der für lange Stunden in einem Buch über aztekische Zahlensymbole las. Auf dem Rückflug tauschte die D. den Sitzplatz, aber neben dem K. saß sie nicht. Zurück in Berlin, packte der E. seinen Koffer in der gemeinsamen Wohnung gar nicht mehr aus. „Unsere Immunsysteme harmonieren nicht“ ließ er die D. wissen und sah sich nicht noch einmal um.

„Dieses Jahr aber“ sagt die D. „bliebe sie über Weihnachten in Berlin“ und zuckt mit den Schultern. „Der G. und die E. wären inzwischen verheiratet, so hätte sie gehört und verbrächten ihre Flitterwochen in Mexiko“. „Der K. würde ihr immer mal schreiben, geantwortet hätte sie ihm nie. Vielleicht würde sie sich Weihnachten endlich einmal an einen Antwortbrief setzen, es sei ja schließlich keine Art sich so gar nicht zu melden“. Die D. aber das sagte ich ja bereits ist eine ausgenommen, praktische Person, ganz ohne Fehl und Tadel und wäre niemals wie das Fräulein Read On auf die Idee gekommen, dem frisch vermählten Paar eine sehr schlechte Kiste Weißwein zu schicken, von der man garantiert solche Kopfschmerzen bekommt, dass selbst die flucherprobten Götter der Maya und Azteken nicht ganz unbeeindruckt gewesen wären oder vielleicht sind, denn wir Sterblichen wissen nichts über ihr Wesen und Sein.

Die letzten Dinge

Die letzten Dinge. Im Garten zum hoffentlich letzten Mal in diesem Herbst Laub harken. Die letzten Quitten auflesen und die allerletzten Äpfel pflücken. Den Zitronenbaum in den Keller hieven. Ich schneide die Köpfe der Sonnenblumen ab, von denen im Winter die Meisen picken, aber wie ein Henker fühle ich mich, als die Köpfe schwer neben mir zu Boden fallen.

Die rostige Gießkanne in der die Kröte residiert bis zum nächsten Frühjahr verwahren. Jedes Jahr denke ich, werde ich doch den Auszug der Kröte nicht verpassen und doch ist sie jedes Jahr einfach verschwunden, gänzlich unbemerkt. Wahrscheinlich nimmt sie Regenschirm und Reisekoffer und besteigt den Krötenexpress in den sonnigen Süden, wo sie des Nachts vielleicht jungen Kröterichen beim „O sole rospo“ lauscht. Ich beneide sie sehr. Irgendwann im Frühjahr kehrt sie dann zurück. Ich stelle mir oft vor, dass es eine Art Reservierungshotline für Krötenhotels aller Arten gibt, allerdings weiß ich nicht, wie eine rostige Gießkanne, die allerdings unweit des Rittersporns und inmitten recht feuchten Wiesengrunds gelegen, gewertet wird? Jedenfalls sitzt eines Tages die Kröte auf dem Kannenrand und macht es sich bequem. Vielleicht ist alles aber auch ganz anders, wer weiß das schon?

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Nicht im Bild: Das Ei ( in der Serviette ), der Orangensaft ( noch nicht gepresst ), und die C.     ( noch nicht da ), dafür immer noch Erkältungsutensilien.

Das Frühstück ist fertig. Meine liebe C. aber hat Verspätung. Bahnen bleiben stecken, Busse fahren nicht und die C. seufzt tief. Ich backe einen Apfelstrudel. Meine Großmutter fand, es sei eine Grundtechnik fürs Leben, zu wissen, wie man einen Strudel richte. So übte sie mit mir viele Stunden lang, denn ich war nicht besonders anstellig, wie man einen Strudelteig zog, so dass er keine Luftlöcher hatte, aber auch nicht zu derb war, denn schon ihr Vater, der doch Wiener war, hatte ihr das Strudel machen beigebracht. Nach jüdischen Glaubensgrundsätzen befragt, hätte meine Großmutter, wohl Apfelstrudel neben Goethe-Gedichten aufgezählt. Ihre Geduld mit mir zahlte sich aus, denn irgendwann konnte selbst ich einen Strudelteig wie ein Bettlaken spannen und genau wie sie, wiege ich nie die Apfel-Rosinen-Rum-Mandel-Gewürzmischung, sondern sehe ihre Hände noch immer vor meinen und dann ist der Strudel schon im Ofen und die C. endlich da.

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Das Fräulein Read On richtet an.  

Die C. und ich gehen im letzten Nachmittagslicht spazieren, dann schlafe ich im allerletzten Licht ein, als ich aufwache, fällt mir der Apfelstrudel, der auf dem Balkon kühlt endlich wieder ein.

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Winterschlafsaisoneröffnung

Wir trinken Tee und ich lese der C. aus dem „Doppelten Lottchen“ vor. Ich mag Erich Kästner nicht. Dafür die C. umso mehr, wahrscheinlich läse ich ihr auch das Telefonbuch vor. Langsam geht die Sonne unter, die schwarzen Krähen hocken in den Bäumen, ein Pudel schüttelt sich unten auf der Straße, ein Liebespaar küsst sich schüchtern unter der Laterne, auf dem Plattenteller dreht sich Kreisler’s Liebesleid  und ich ziehe die Schultern hoch. Es soll kalt werden in den kommenden Nächten und ich drehe mich mit der C. im Zimmer als sei ein letztes Mal der Sommer mit wehenden Kleidern und milder Luft, bei uns zu Gast. Die C. lacht mit roten Backen und ganz bestimmt sitzt die Kröte längst unter gelben Lampions und hat uns vergessen, bis zum nächsten Jahr.

Sie sagt,Er sagt.

    Das „Sie-Sagt-Er-Sagt“
   Das „Wie-Was-Wer-Hat“
   Was sie und was er
   Und wer was nie macht“ , Max Herre, „Er Sagt-Sie Sagt“

“Ein aufgeblasener Fasan“, sagt die D. sei er und schleudert ihr Stethoskop auf den Tisch. „Eitel und arrogant, eine menschliche Schnake, fürwahr ein Mensch aber mit dem Gefühlshaushalt einer Amöbe“, fährt die D. fort und hackt mit der Gabel in den Apfelkuchen, als sei er das Schlachtfeld der Bauernkriege. „Sind Amöben nicht weit komplexer als angenommen?“, frage ich zurück und versuche mich an den Aufbau des Pantoffeltierchens ( ist das noch eine Amöbe? ) zu erinnern. Leider fällt mir nichts ein. Das einzige was ich aus dem Biologieunterricht vergangener Tage noch erinnere, ist wie der Biologieprofessor durch die Bankreihen schlich, einem Mädchen an die Schulter fasste und schrie: „Rachida, geh fort ich will Dich beissen“, aber er war nicht als Vampir wiedergeboren, sondern wollte uns die Tollwut praktisch und plastisch erklären. Rachida daran kann kein Zweifel bestehen hatte zudem die apartesten Schultern. Von all dem aber will die vor Wut schäumende, wenn auch nicht vom Fuchs gebissene D. nichts wissen und so faucht sie in meine Richtung gewandt: „ Read On verschone mich mit deinen Spitzfindigkeiten.“ Da sie die Gabel auf mich gerichtet hält, halte ich mich zurück, denn die D. tendiert dazu Drohungen wahr zu machen. „Überhaupt“ schreit die D. „sie habe es schon im Grundstudium gewusst, Chirurgen seien die allerletzten, beziehungsgestört, potentielle Alkoholiker, eitle Maniker und überhaupt einer Nacktschnecke verwandter als noch dem primitivsten Primaten.“ „Ein aufgeblasener Gockel“, sei dieser Mann „und überhaupt ihre Großmutter hätte einen Blinddarm operieren können und eine schönere Näht gelegt als dieser Pantoffelheld.“ Ich muss kichern, denn Pantoffelheld klingt zu schön, vor allem aus dem Mund der fauchenden D. Die bemerkt zum Glück mein verstohlenes Kichern nicht und nickt als ich ihr die Sahne über den Tisch reiche. „Was ist denn passiert?“ frage ich die D. und die D. klopft mit dem Silberlöffel auf den Tisch. „Dieser Wiedehopf“, schnarrt die D. hat sich erdreistet mich vor allen dem Chefarzt, aber noch schlimmer den Schwesternschülerinnen und allen, wirklich allen die auf dem Stationsflur anwesend waren, zu küssen.“ Noch immer hämmert die D. mit dem Silberlöffel, keineswegs rhythmisch unbegabt auf den Tisch. „Küsst er gut?“, frage ich weiter, denn das scheint mir die naheliegendste Frage zu sein?“ Ja. Nein. Auf gar keinen Fall“, sagt die D. und versetzt dem Tisch einen letzten Hieb. „Read On“ faucht sie, nur Du kommst mit solchen dialektischen Spielereien an und dabei ist das nicht der Punkt. „Dieses Kamel, diese hohle Haselnuss küsst mich auf dem Flur vor allen und untergräbt meine Autorität.“ Dies scheint mir eine etwas forsche Annahme, denn die D. hat schon mit vier Jahren den Kindergarten mit eiserner Hand geleitet, aber als Freundin schenke ich Kaffee nach und nicke milde. „Schon als dieser Maulwurf meine Station zum ersten Mal betrat, wusste ich dies würde nur Ärger geben. Ein Sturkopf, ein Esel und dann dieses ewige Lächeln“, der Mund der D. ist unterdessen nur noch ein schmaler Strich, „sein ewiges Regel brechen und dann dieses alberne Motorrad. Wer bitte der noch etwas Verstand im Kopf hat, fährt denn Motorrad?“ Oh, denke ich und erinnere mich mit Wehmut der kleinen, roten Vespa mit der ich jahrelang und sehr, sehr gerne fuhr. Die D. schüttelt ihre schönen kastanienbraunen Locken und flucht: „eine eitle Giraffe, ein elender Grünfink, sei dieser Mann und fügt anklagend hinzu, dass dies alles meine Schuld sei, denn es sei mein Geburtstag gewesen, auf dem meine Erdbeerbowle, sie dazu verleitet habe, diesem Casanova das Du anzutragen.“ Ich verzichte darauf, die D. darauf hinzuweisen, dass die C. die Erdbeerbowle mitgebracht hatte, sondern lege der D. zwei Dattelmakronen auf den Teller und zähle bis zehn. „Sag, bist Du verliebt D?“. höre ich mich sagen und für eine lange Minute sieht die D. mich an. Dann springt sie auf, stößt den Stuhl zur Seite und zischt: „Ich hatte dich wirklich für eine Freundin gehalten.“ Dann schlägt die Tür und die D. ist fort.

Ich räume den Tisch ab, wasche meine Haare, richte den Bücherstapel der nach Irland zurück soll, harke Laub im Garten und lasse den Igeln einen besonders großen Haufen für den Winterschlaf, ich wasche den Wollpullover, lege ich mich für eine halbe Stunde schlafen, schnuppere an den Rosen, die die C. mir brachte und arbeite ein wenig hier und ein wenig dort.

Dann schellt es an der Tür. Vor mir steht groß und schön der T. „Eine Hyäne, sei diese Frau“, sagt der T. und schleudert sein Stethoskop auf den Tisch. Kalt wie ein Gletscher, kälter noch als die Eiger Nordwand und die Steppe Sibiriens sei diese Frau. „Apfelkuchen?“ frage ich und der T. nickt. Die Eisprinzessin selbst sei noch eine warmherzige Frau gegen diese Kobra. „Sind Schlangen nicht wechselwarm, frage ich den T?“ Denn als ich ein Kind war im Land K., da kamen abends die Schlangen, die tagsüber verborgen lagen und wärmten sich auf dem noch warmen Teer. „Ach Read On“, sagt der T. Du immer“. Ich schiebe die Sahneschüssel zu ihm hin. Der T. nimmt sie gern. Schon als Assistenzarzt habe er sich geschworen, niemals nie bliebe er auf der Inneren: Internisten seien ein einziger Graus. Entscheidungsunwillig, ewig noch über einem Schnupfen als Diagnose brütend, könnte ja auch Malaria sein, penibel, besserwisserisch, mimosenhaft ohne Ende und vom Charme eines einäugigen Tintenfisches. Eine Megäre und den Erinnyen nicht unverwandt, sei diese Person, schimpft der T. weiter und rührt mit dem Löffel in der Sahneschüssel als gelte es die Tiefsee zu erreichen. Selbst seine Tante könnte einen Magen-Darm-Virus einfacher mit Salzstangen kurieren, als die Pinguine von Internisten an erster Stelle, die D. mit ihren hochgezogenen Augenbrauen und einem Herzen aus Stahl. Der T. schüttelt sich wie ein nasser Hund und ich lege ihm ein zweites Stück Kuchen auf den Teller. „Was ist denn passiert?, frage ich so unschuldig wie ich nur kann“ Der T. seufzt. Ich habe die D. geküsst. „Weißt Du“, sagt der T. „ich wollte einmal alles richtig machen und bloß nichts Heimliches anfangen.“ Die D. sei auch niemand denn man im Vorratsraum küsse oder hinter ein Auto ziehe. „Ich nicke. Jedenfalls, sagt der T. wollte er gleich Nägel mit Köpfen machen und habe die D. kurz vor der Visite, wo also wirklich jeder zugegen sei geküsst. Klare Verhältnisse und so. Der T. streicht sich über die Wange. „Diese Frau hat einen harten rechten Haken.“ Ich schlucke mein ‚ich weiß’ lieber herunter und biete auch dem T. Dattelmakronen an. Der T. schüttelt den Kopf, aber nicht über das Gebäck und schnauft: „ eine Krähe ist diese Frau, ein windiger Aal und überhaupt stur wie ein Lama und vom Gemüt einer Bergziege. Überhaupt sagt der T. sei das alles meine Schuld, hätte ich damals doch auf meinem Geburtstag ihn neben die D. gesetzt, wo ich doch wisse, dass er keine Erdbeerbowle vertrage. Ich zähle wieder einmal bis zehn bevor ich den schnaubenden T. frage: „Sag T. bist Du verliebt.“ Der T. sieht mich zornig, sehr zornig an und schnarrt? Verliebt? In diese Person?, stößt seinen Stuhl um, schnappt sich die Jacke, dann schlägt die Tür und der T. ist fort. Etwas sinnend sitze ich am Tisch, dann räume ich ab und und auf.

Am Abend kommt der liebenswürdige S. und über die Liebe reden wir nur beiläufig, fast im Vorübergehen als ginge die Liebe uns nichts an, mögen auch andere toben und schreien, denn die Liebe lacht die einen an, geht an den anderen vorbei und das ändern zu wollen ist müßig und vielleicht ist das so und nicht einmal weiter schlimm.