Es lebe die Besinnlichkeit!

Die Mali- Tant erzählt den Nichten vom Simmeringer Blutsonntag.

Die Nichten kauen Königsberger Marzipan und erschauern wohlig.

Es soll Familien geben in denen das Morbide von Kindern ferngehalten wird, bei uns im Wohnzimmer sitzt mein Vater und erörtert mit meinem Neffen die Selbsttötung Senecas.

Mein Schwager erzählt mir vom Tod seiner ersten Schildkröte. Sie hieß Jenny und starb während einer Weihnachtsansprache der Queen in einem Wohnzimmer in North London. Mein Schwager kann seit jenem Tag die Queen nur mehr mit feuchten Augen reden hören.

Ich verspreche die Vorhaltung genügender Taschentücher.

Die liebe C. diskutiert mit ihrer Freundin der D. perforierte Blinddärme. Die beiden kichern auf das Allerlieblichste und verzehren fröhlich knuspernd den Mohnstollen der Mali-Tant.

Kater Mau da bin ich mir sicher spräche, wenn wir nur Kätzisch könnten von lange Nächten mit fetten Mäusen.

Der Jean liest in der Zeitung die Todesfälle nach.

Ich huste.

Mein Vater und mein Schwager blind verkosten Marzipan.

Die liebe C. erzählt von einem Patienten, der einmal ein Marzipanschwein quer in der Luftröhre stecken hatte.

Die Marzipantester lässt das kalt.

Das Königsberger Marzipan von Sawade führt.

Die Mali-Tant findet, es sollte doch jetzt auch einmal ein bisschen Musik geben, der Besinnlichkeit wegen.

Ich huste und setze mich ans Klavier.

Ich stimme: „Oh Du Fröhliche“ an.

Das stößt auf großes Missfallen.

Das Lied sei doch sehr fad.

Die Königin-Nichte schreit: „Spiel Meckie Messer.“

Ich huste und spiele Meckie Messer.

Bébé No. 5 gluckst selig ob dieser fröhlichen Reigen.

Der Jean tritt neben das Klavier und flüstert mir etwas ins Ohr.

Ich huste und spiele: „Tauben vergiften.“

Der Jean und die Mali-Tant singen schöner noch als Kreisler.

Donnernder Applaus.

Kater Mau fragt sich, ob Mäuse wohl nach dem Giftmord wohl noch verzehrlich seien. Vielleicht bei 180 Grad und Preiselbeermus?

Die Mali-Tant braucht ein Glaserl Champagner.

Mein Vater, mein Schwager und mein Neffe stellen die Catlinarische Verschwörung nach.

Die liebe C. schleift die Messer nach.

Die Nichten beschließen im Garten eine Räuberbande zu gründen.

Ich huste.

Die Kinder schreien Zeter und Mordio, die römischen Verschwörer essen Walnusseis, die Mali-Tant liest Bébé No. 5 eine Gespenstergeschichte vor. Bébé No. 5 gluckst vergnügt.

Schwesterchen erzählt Brexit-Geschichten. Wir alle erschauern.

Die Mali-Tant findet auf so viel Besinnlichkeit gehöre jetzt doch ein Stück Lachs, mit scharfem Meerettich und einer Scheibe Pumpernickel.

Ich huste.

Mein Vater sucht die Knallbonbons.

Ich wünsche Ihnen von Herzen wunderbare, besinnlich-wilde, heitere Weihnachtstage. Geben sie auf sich acht und lassen Sie sich bekümmern, ich hoffe wir alle sehen ein bisschen mehr Licht als sonst.

Schön, dass Sie hier sind.

A very, merry Christmas to you all!