Sonntag

Am Ende der Woche ist es endlich einmal still. Am Ende der Woche sitze ich mit dem Rücken zu einer richtigen Wand. Die Wand ist aus roten Backsteinen und gehört zum Garten meiner Großmutter. Irgendwo im Hau liegt mein Telefon, aber ich höre nicht hin, die liebe C. und der Tierarzt spazieren ohne mich los und mein Vater ist ohnehin aushäusig. Alles ist still und die Wand schweigt ohnehin. Nur der Flieder, der weiße, der blaue, der dunkellila Flieder rauscht über mir und irgendwo besprechen sich die Krähen. Einen Moment lang, denke ich über die Krähen nach und was Sie wohl wissen über uns und die Dinge der Welt, aber dann schlafe ich ein in der Stille unter dem blauen Himmel und gut verborgen in der Fliederhecke. So viel Flieder.

Irgendwann später wache ich auf, vielleicht weil Herr Zingarelli etwas über den Marktlatz ruft, vielleicht weil die Amsel ein Liebeslied singt, vielleicht weil der Wind mich hinter den Ohren kitzelt, vielleicht weil eine Katze durch den Garten schleicht, vielleicht auch einfach so. Noch immer ist alles himmelblau und ich bleibe liegen. Eine Hummel tanzt einen langsamen Walzer, die Schwalbenfamilie streitet wie ich vermute über Dekorationsfragen beim Nestbau unter dem Dachfirst, eine Schnecke kehrt vom Kirchgang zurück, auf einem alten Schornstein zwei Häuser weiter, zupft sich ein Storch sich sein Gefieder zurecht und unverändert krächzen die Krähen, wie ich glaube fordern sie ein Herrengedeck in der Schenke „Zum kühlen Grunde“, die betreibt Familie Kröte schon in dritter Generation. An mir dort hinten im Gras, hinter dem Fliederbusch stören sie sich nicht. Menschen im Fliederrausch sind keine Gegner, die Katze schon.

Später noch bückt sich die liebe C. unter dem Fliederbusch. Der Tierarzt dreht auf der Schaukel Kreise, die liebe C. aber singt mir vom „Weißen Flieder“ vor. „Den ganzen Winter über, vergesse ich wie schön Du singst“, sage ich ihr und die liebe C. lächelt verlegen. Im Winter singt die liebe C. nie, sie summt nur an Shabbat, aber wenn der Flieder blüht dann singt sie wieder, singt bis die Blätter im Herbst zu Boden fallen, aber jetzt sind die Blätter, jung und zart und wunderschön. Der Tierarzt schaukelt mit weiten Armen, die Schaukel knirscht und zerrt an den Seilen, hoch und höher und schwerelos. Vielleicht ist j selbst der Tierarzt an einem solchen himmelblauen Nachmittag für eine Sekunde wirklich frei.

Noch später, Tee im Gras und Erdbeerkuchen, dann die Zeitung, ein Buch, wieder ruft Herr Zingarelli, Reisegruppen wollen Eis und Frau Zingarelli schleppt die schweren Kübel von der Kühlung zu ihm herüber. Herr Zingarelli singt nun auch. Die Reisegruppe aber lehnt sich an die andere Seite der Gartenmauer, nichts ahnen die Besucher aus Baden oder Riesa, dass hinter dem Fliederbusch, dessen obere Zweige sie fotografieren, jemand liegt, mit geschlossenem Augen und Buch auf der Brust, dass hinter der Mauer Krähen trinken, Amseln träumen und die Hummeln Wiener Walzertanzen. Sie wissen nichts von zwei paar langen Tierarztfüßen, über die in 3,2, 1 Sekunden eine graue Katze stolpert und auch nichts von dem Krötenpaar, die gemächlich und gediegen Krüge zu den schwarzen Krähen schieben.

Auf der anderen Seite der Mauer, sagt ein Günther zu einer Erika: Na wir haben unseren Flieder ja vor vielen Jahren schon runtergeholzt.
War der Hella nichts mehr, sie wollte nen Zen-Garten. Alles Ton in Ton. Siebenmal hat der Laster Kies gefahren und dann nur noch die Koniferen und den ganzen Kies in so Kreisen, weißte wie ich meine, Erika? E
rika sagt: Die haben hier sogar Joghurt im Eis. Das ist ganz was Dolles.
Günther sagt: Joghurt ist auch weiß, das ist auch richtig für einen Zen-Garten.“ Erika findet: Du musst dir nen Bambus hinmachen in deinen Garten. Das ist auch so zen und so.
Günther weiß: So ein Bambus wächst wie Unkraut und dann die Blätter auf den Kieselsteinen, nee, das ist nichts.
Erika schweigt.
Günther seufzt: So viel Kies und der abgeholzte Flieder. Ist schon schade drum.
Erika sagt: Günther, Du musst jetzt abschließen mit der Sache mit Hella. Sind doch jetzt schon vier Jahre wo sie rübergemacht ist in Westen.
Günther aber ist in Gedanken: Sogar den Teich hat ich ihr gemacht wie im Zen. Nur Koi-Fische, teuer sind die gewesen. Auch weiß wie der Kies. Geharkt hab ich ihr den Kies und dann war sie doch weg. Ich sage dir Erika, das wünsche ich meinem ärgsten Feind nicht.
Erika sagt: Mensch Günther, die Erika wollte schon in der Schule, was Bessres sein. Du musst jetzt mal nach vorne sehen. Wenigstens haste jetzt keine Arbeit mehr mit den blöden Garten.
Jeden Morgen, harke ich den Kies, sagt Günther. Sonst ist des auch nichts.
Erika sagt: Mensch Günther, was machen wir denn nun mit so nem Trauerkloß wie Dir?
Günther weiß es doch auch nichts.
Nicht ma Nummer hat se mir hinterlassen, die Hella. Ich kann se ja nicht ma mehr fragen ob sie es gut hat, bei ihrem Neuen und ob der auch so zen ist.
Erika sagt: Es ist schade mit dem Flieder, aber die Hella der würde ich keine Träne nachweinen.
Günther seufzt: Davon verstehste nichts Erika.
Aber dann ruft die Stadtführerin und Erika hat ihr Eis erst halb fertig und Günther hatte Stracciatella wie immer.

Dann bin ich wieder allein mit dem Flieder, dem Tierarzt, der lieben C. den Amseln und Schwalben, dem himmelblauen Flieder und dem stillen Nachmittag unten im Garten an der roten Backsteinmauer, am Rande des Marktplatzes einer kleinen Stadt.

Die Sache mit den koscheren Macarons, Herrn Shmuel Refua und dem betrügerischen mashgiach von Tel Aviv.

Ich: Seid ihr gut angekommen? Hier ist grässlich kalt, grau, Kater Mau ist widerborstig, der Tierarzt schäkert mit der Mali-Tant und ich bin knochenmüde

Die liebe C: Süße, wir sind gut angekommen. Nur du fehlst. Wirklich, Süße Du sollst nicht immer nur für die Anderen machen und tun.

Ich: Liebes, warum flüsterst du so? Es ist doch erst Erev Pessach, da musst Du doch noch keine Regeln brechen.( Die A. ist gewissenhaft religiös und benutzt am Shabbat oder an hohen Feiertagen keine Elektronik)

Die liebe C.: Die A. hat einen Zustand und erträgt deshalb keine Telefongespräche, deswegen bin ich ins Bad geflohen.

Ich: Jetzt schon? Hat mein Vater Kekse vor ihren Augen gegessen?

Die liebe C. ( erschauernd ): JessasMaria und Joseph, sag doch nicht so etwas.
Dein Vater zeichnet die A. und all ihre Töchter und na ja, du kennst ihn ja.

Die liebe C. seufzt. ( Mein Vater pflegt mit höchst unschuldiger Miene, Karikaturen seiner Mitmenschen anzufertigen.)

Ich: Die A. hat also einen Anfall. Einen normalen, einen speziellen oder einen außergewöhnlichen wie damals als sie herausfand, dass ihre Mutter selig erst Ginrummy mit Herrn Shmuel Refua spielte und er sich dann Freiheiten herausnahm, die die Mutter der A. sehr, die A. aber ganz und gar nicht zu schätzen wusste?

Die liebe C. ( erschauernd): Oy. Die Sache mit Herrn Shmuel Refua werde ich nicht vergessen, auch wenn ich 111 JAhre alt werde!

Ich: Niemand wird die Sache mit Herrn Shmuel Refua vergessen.

Die liebe C. und ich: Kichern

Die liebe C.: „Es ist ein mittelschwerer Anfall. Ich dachte erst sie hätte die Marzipaneier in der Tasche deines Vaters gefunden. Jedenfalls saßen wir bei Tisch und dann klingelte das Telefon. Du weißt ja wie empfindlich die A. ist, wenn man bei Tisch sitzt und ein Telefon klingelt. Jedenfalls machte sie Tsk Tsk Tsk und sagte: „Es gibt keinen Grund eine Familie bei ihrem Mahl zu unterbrechen.“ Du weißt ja wie sie ist. Aber das Telefon hörte trotzdem nicht auf zu klingeln. Nach dem siebzigsten Klingeln erbarmte sich deine Schwester und sagte: „Du A. Bébé No. 5 verträgt das Klingeln so schlecht.“

Ich: Kichere.

Die liebe C. kichert.

Jedenfalls ist die die A. dann endlich ans Telefon gegangen und als sie wieder kam, war sie leichenblass und das erste was sie sagte war: Gedemütigt bis an das Ende aller Tage. Gedemütigt von Selina Bodenstein.
Wir alle saßen natürlich betretend schweigend da, bis dein Vater fragte: A. was ist denn eigentlich passiert? Du weißt ja wie dein Vater ist.

Die A. jedenfalls hat einen spitzen Schrei ausgestoßen und auf die Schachtel mit den Macarons gezeigt, die auf der Anrichte standen. Dann stand sie auf und warf mit einer Wucht, die niemand der A. zugetraut hatte, die Schachteln mit den Macarons auf den pesach-blanken Küchenfußboden.

Dann schrie die A. lauter Wörter, die ihr niemand zugetraut hatte. ( Außer Shmuel Refua natürlich!)

Die liebe C. kichert.

Ich kichere.

Die liebe C. sagt: Die A. hat die Macarons aus Tel Aviv kommen lassen. Warum sie das getan weiß keiner, denn die A. sagt ja immer aus Tel Aviv kommt nur Schlechtes unter anderem auch Herr Shmuel Refua. Jedenfalls hat Selena Bodenstein eine Schwester und die hat auch Macarons in der Bäckerei in Tel Aviv bestellt. Das für sich fand die A. natürlich empörend, aber das hätte wohl nur für einen kleinen Anfall gereicht. Aber der Anruf von Selena Bodenstein hat ja etwas ganz anderes zu Tage gefördert. Eine andere Kundin, die wiederum die Schwester von Selena Bodenstein kennt, hat dort auch ihre bestellten Macarons abgeholt, aber als sie nach ihrer Geldbörse kramte, da sagte der Verkäufer zu ihr: „Pssst, diese Macarons sind nicht KOSHER FOR PASSOVER. Der Freundin der Schwester von Selina Bodenstein war entsetzt, ungläubig und dann sprachlos. Der Verkäufer aber wisperte der mashgiach ist ein Betrüger und hat Label mit der Etikettiermaschine seines Vaters ausgedruckt und ist Hals über Kopf mit der Frau des Bäckers durchgebrannt. Die Bäckerei habe seit zwei Tagen schon ihre Zertifizierung verloren, verkaufe aber noch munter weiter die Macarons, die definitiv nicht kosher for passover seien. Dann habe der Verkäufer die Frechheit besessen der Freundin der Schwester von Selina Bodenstein noch seine Telefonnummer aufzudrängen. Fünf Minuten später wusste es ganz Tel Aviv und fünfzehn Minuten später dann auch die Schwester von Selina Bodenstein, fünfundzwanzig Minuten später Selina Bodenstein selbst und dann kam es eben zum Anruf bei der A.

Ich muss kichern.

Die liebe C. kichert.

Die liebe C. sagt: Die A.ist außer sich. Sie ist nur noch nicht sicher, was sie mehr erregt der betrügerische Mashgiach, die Demütigung durch Selina Bodenstein oder dein Vater.

Ich sage: Oh?

Die liebe C. sagt: Du kennst ihn doch, er hat natürlich sofort die Macaron-Schachteln errettet und die Macarons mitsamt der Kinderschar genüsslich verzehrt. Das alles hat die A. natürlich noch mehr erregt und sie hat türenschlagend den Raum verlassen und geschrien: Schmutz und Schande und dann auch noch die Jeckes im Haus.

Ich kichere.

„Süße“, sagt die liebe C. Du siehst wir treten hier auf einem Minenfeld. Dein Vater will Dir auch noch guten Abend sagen!“

Die liebe C. küsst ins Telefon.

Ich küsse ins Telefon.

Mein Vater sagt: Ich habe noch kein Marzipanei essen müssen, dank des betrügerischen mashgiach und den sehr guten Macarons.

Ich muss kichern.

Mein Vater sagt: Die A. veflucht aus einem sich mir nicht erschließlichen Zusammenhang den armen Herrn Shmuel Refua und die Bäckerei in einem Atemzug.

Mein Vater seufzt.

Mein Vater sagt: Das wird eine sehr lange Woche. Aber ich habe auch sehr viele Marzipaneier im Koffer.

„Süße, sagt mein Vater, ich muss Schluss machen. Die liebe C. und ich sind allein im Badezimmer, alles ist wie, als ich 18 war, aber damals hatte die liebe C. nichts für mich übrig und ich muss die Gelegenheit jetzt nutzen, wenn du verstehst, was ich meine.

Ich verstehe genau.

Mein Vater sagt: Die liebe C. ist 18. Kind, sie wird wirklich noch rot.

Die liebe C. ruft: Du kennst ja deinen Vater. Ich rufe Dich morgen früh an!

Mein Vater wirft Küsse hinterher.

Kind, sagt mein Vater, dann aber doch noch, es ist wirklich zu Schade, dass Du nicht hier bist, was Du alles in dieses Internet schreiben könntest!

Fußnote 1: Ein Mashgiach ist ein Inspektor, der die Einhaltung von koscheren Standards in allen möglichen Institutionen überprüft.

Gustav Mahler kehrt nicht mehr ins Neunzehnte Jahrhundert zurück.

Die Neun ist in der Musik nicht nur eine Zahl oder eine Signatur, sondern eine Zahl in der die Ahnung des Abschiedes liegt. Beethoven hinterließ einen gewaltigen Schatten mit seiner Neunten und Gustav Mahler war tot, bevor die Wiener Philharmoniker seine Neunte Symphonie 1912 unter Bruno Walter zum ersten Mal aufgeführt wurde. Auch Dirigenten wussten oder ahnten wohl, dass auf diese Neunte Symphonie häufig ein Abschied folgte. Karajan verstarb nach der Neunten, Claudio Abbado war beim Dirigieren derselben schon von schwerer Krankheit gezeichnet und Lorin Mazel weigerte sich die Symphonie zu dirigieren. Aber Bernhard Haitink der an diesem Abend die Philharmoniker dirigiert, tut es trotz der Neun und das ist ein Glück. Diese Neunte ist wohl die Symphonie mit der nicht nur das Leben Gutav Mahlers schon fast beschlossen ist, sondern auch jene mit der das Neunzehnte Jahrhundert und vielleicht auch die Symphonie als solche endet. Nach dem vierten Satz von Mahlers Neunter kann es nicht mehr so weitergehen, wie es weiterging. 1907 hatte Mahler sein Amt als Dirigent ( aber war Mahler denn je Dirigent im eigentlichen Sinne?) abgegeben und hatte einen Vetrag mit der Metropolitan Opera in New York abgeschlossen und immer ist mir als nähme jener Gustav Mahler mit dieser Symphonie Abschied vom alten Kaiser, dessen Leben unendlich schien, drüben in der Hofburg, Abschied vom alten Österreich, dem kaiserlichen und königlichen und mit dem Ende des alten Österreichs endete auch das alte Europa, deren verlorene Kinder wir wohl sind.

 
Geschrieben hat Mahler die Symphonie im Sommer 1909 hoch in den Bergen von Südtirol in Toblach und diese Symphonie beginnt nicht wie andere Symphonien, wie alle Symphonien beginnen mit einem Aufbruch, sondern schon hier im allerersten Motiv, nimmt Mahler Abschied. Harfe, Cello und dann ein krächzendes Horn. So beginnt es und es ist mir immer gewesen als hätte Mahler, der Sohne eines Likörfabrikanten, was er immer vornehm als Kaufmann umschrieb sich noch einmal die Schnürstiefel angezogen und ein letztes Mal durch die Berge gegangen, ein zielloser Wanderer, Steine klirren den Hang hinab, dort stehen die Gänse, eine Gänseliesel und die Gänse zischen, noch lebt der Almwirt, aber lange wird er nicht mehr leben, noch einmal sieht der Wanderer ein Gipfelkreuz und sieht hinab in den kalten Bach zwischen den Felsen, oben auf dem Gipfel aber liegt Schnee und er Wanderer geht abseits der Wege, legt die Hand vor die Augen dort blendet die Sonne, aber schon zieht der Regen über die Berge und der Wanderer Mahler läuft Schleifen verläuft sich und auch wir im Konzertsaal verschwinden zwischen der Oberstimme, die lockt und noch einmal vom Leben singt, doch unter ihr schimmert schon im Beginn das Ende auch unserer Tage.

Es sind aber der zweite und dritte Satz, die nicht aufhören wollen zu erschüttern. Denn hier erzählt Gustav Mahler, die dunkle Seite des Prosit und der Gemütlichkeit. Hier spielt Mahler auf zum Tanz. Walzertakte, die schöne blaue Donau, im Dreivierteltakt zwischen Wien und Czernowitz und noch einmal liebt Rosa den Franz und Rosa weiß nicht, dass der Franz mit der Moinna zwei Kinder hat und die Minna weiß nichts von Rosa und Rosa weiß nicht, dass sie schwanger ist und erfährt von der Minna als es zu spät ist und geht in die blaue, schöne Donau, denn es ist a Schand und man muss man die Familie denken und Gustav Mahler spielt auf zum Tanz fideralla und seine Musik erzählt die Geschichten von Arthur Schnitzler und Karl Kraus, damals im 1912er Jahr da mögen sie im Publikum gesessen haben, Freud und seine Patientinnen und Mahler lässt tanzen und aufstehen möchte man und die Musik anhalten, denn in diesen zwei Sätzen da tanzt sich das alte Österreich zu Tode, dreht sich und dreht sich und hält nicht mehr an. Vielleicht hat Schnitzler gelächelt an jenem Abend, verstanden mag Karl Kraus es haben, aber vielleicht war Karl Kraus bei Sidonie und schrieb Gedichte und Freud wippte mit dem Fuß und Mahler ließ sie tanzen bis die Füße bluteten und die Donau ist nicht mehr blau und die Musik tut einem so weh. Im Dritten Satz kommt der Krieg dazu, kommt der Krieg, der schon unter dem Walzer und den Liedern vom Tanzboden lag, da kommt der Krieg und über dem Krieg stirbt nicht nur der alte Kaiser, sondern der Franz und die Seinen werden verschossen und das alte Österreich ist verschwunden. Das erzählt dieser Satz und noch heute bricht die Musik durch die Rippen und ist es nicht seltsam und merkwürdig zugleich, dass während ich in der Philharmonie in Berlin sitze, die Musik zwischen den Rippen, Seitenstechenmusik, die Musik des Krieges, nein kein grüner Jäger im Rock, sondern der Schützengraben, da tagt die AfD und schwärmt über den Krieg als sei es noch immer nicht genug. Aber sie können wohl besser schreien als hören. Alles, aber dann doch nicht alles hat sich geändert seit dem Gustav Mahler kein Wiener mehr ist, seine Zeit in der Hofoper ging mit einer antisemitischen Schmähkampagne und dem Vorwurf zur sexualpathologischen Tendenz einher, denn obwohl so sagt man in jedem Bordell ein Bild des Kaiser hing, war die Salomé zu viel für das Publikum.

Leonard Bernstein , der die Neunte Symphonie radikaler intepretierte als alle anderen, so sagt man, musste nach dem dritten Satz ein Glas Whiskey trinken und man versteht warum.

Der vierte Satz ist kein Schlussakkord, hat keine abschließende Sequenz, macht kein Angebot zur Versöhnung, sondern die Töne werden leiser, immer leise und geben schließlich auf, ein Cello bliebt noch, noch einmal die Geigen, hier die Klarinette und am Ende noch einmal verzagt schon eine Trompete, hier ist Mahler schon kaum mehr im Raum, dreh dich nicht um, sagt Mahler sich wohl und allein die Traurigkeit, die große Leere, die niemals wohl wieder ganz gehen wird, die bleibt zurück, die verschwindet nicht, die erzählt schon von dem was Karl Kraus schrieb: nach den letzten Tagen kommen die allerletzten und auch diese hätten schon begonnen und sein Text heißt die „Welt nach dem Krieg“ und er beschreibt dort wie Kinder Katzen fingen, sie zurichteten und mit Hilfe der Erwachsenen in einen Aschewagen gesperrt und zur Vergasung gefahren worden. Hätte der vierte Satz von Mahlers Neunter Symphonie wohl ein Libretto, dann scheint mir wäre es dieser Text. Es gibt keine Symphonie mehr nach dieser, mit der Gustav Mahler, Abschied nahm von der Welt, wie es sie nicht mehr gibt.

Berliner Philharmoniker, Gustav Mahler, Symphonie Nr. 9 in D-Dur unter der Leitung von Bernhard Haitink, 03.12. 2017

 

 

Im Konzert

Klassische Konzerte sind das Vorhersehbarste der Welt. Klassische Konzerte laufen immer gleich ab. Ein Orchester zieht sich schwarze Röcke, Kleider und Anzüge an. Der Dirigent trägt einen Frack. Die erste Geige wird vom Dirigenten begrüßt, der Dirigent steht an einem Pult und oft, aber nicht immer hat er einen Taktstock in der Hand. Auf den Pulten liegen Notenblätter, im Foyer ertönt ein Gong. Klassische Konzertbesucher tragen zwar nicht mehr schwarz, aber oft Perlenketten und einen Rock. Man kennt sich, man weiß, dass Frau B. aus Reihe H bei ihrer Schwester in Tipperary ist und der Herr G. aus Block A diese Woche eine Oper in London hört. Konzertbesucher nicken sich freundlich zu und sagen so Sachen wie: „Also der Beethoven…“, Nein, was für eine Rachmaninov-Interpretation“ und das letzte Mal habe ich die Dritte im Januar gehört.“ Wird jemand von bösem Husten geschüttelt, reicht man Bonbons, und überhaupt wäre der Weltfrieden nah, wäre die Welt ein Konzert, denn selbst das scheußliche Kleid der ersten Geige wird mit zarter Freundlichkeit übersehen und lieber blättert man leise im Programmheft als frevelhafte Kommentare abzugeben. Niemand würde im Konzert auf die Idee kommen aufzustehen und zu rufen: What about da beat m*therf*cker und als in Schwarzenberg /Österreich tatsächlich ein Mann Ian Bostridge, den vielleicht größten lebenden Schubert Interpreten anpöbelte und schnauzte: „Deutsch lernen„, da war das ein Skandal, für den Mick Jagger achtzig Hotelzimmer zerlegen musste und ich bin nicht sicher ob wir uns von der Stille wirklich erholen, die da einbrach.

Aber das ist ein anderes Thema, denn klassische Konzerte sind noch immer so wunderbar vorsehbar, sind ein eigenes Uhrwerk und keine Uhr mag ich lieber, als das sanfte Gleiten in einen Konzertabend hinein, in dem wohligen Gefühl, sich um nichts anderes Kümmern zu müssen als um die Musik und so sitze ich auch am gestrigen Abend auf meinem angestammten Platz, konversiere mit meinem Nachbarn über Wittgenstein und die Musik- Konzertgespräche sind die schönsten Gespräche- blättere im Programmheft, schalte das Telefon aus und bedauere den Tierarzt von Herzen, der in einem abgedunkelten Raum sitzt und einen Film namens Thor sieht. Ich glaube es geht darum, dass ein Mann der nicht Thor ist, einen Hammer übergezogen bekommt.

Schon gongt es ein letztes Mal und das Konzert beginnt mit Manuel de Fallas: Nights in the Gardens of Spain und ich erinnere mich, dass ich vor vielen Jahren einmal in Granada das Wohnhaus de Fallas besichtigt habe, niemand sonst war in dem kleinen Museum, nur ein einsamer Wärter, der mich auf de Fallas Klavier spielen ließ und die Augen schloss, so lange ich spielte, den Deckel aber klappte er selbst herunter, denn er war der Wächter und Wärter des Hauses und ich stand lange am Fenster denn de Falla blickte aus seinem Haus auf die Alhambra und den Garten hinaus. Der Wächter und ich schwiegen. Aber gestern Abend, so ist das manchmal, da fand ich nur schwer hinein in das Stück, suchte mich vielleicht zu sehr zu erinnern an die Alhambra und das stille Haus, ich fand das Orchester zu laut und das Klavier zu schrill, aber mehr war es auch nicht und vielleicht war auch ich nur zu unkonzentriert, zu müde von zu langen Tagen.
Behalten habe ich fast nichts von dem Stück und das grämt mich, aber es ist nicht zu ändern.

Aber dann kommt Maurice Ravels Klavierkonzert für die linke Hand in D-Dur und der Pianist Jorge Federico Osorio spielt dieses Stück mit ungeheurer Leichtlebigkeit, mit einer Eleganz, die Ravel erstaunt hätte und anders als noch bei de Falla hören das Klavier und das Orchester einander staunend zu und zum Staunen ist dieses Klavierkonzert wirklich, denn Ravel schrieb es doch für Paul Wittgenstein, dem man den Arm abgeschossen hatte, im ersten großen Krieg. Wissen das diejenigen, die immer schreien: Männer sollen im Krieg kämpfen? Das ist der Krieg und der Pianist Paul Wittegenstein, hatte keine rechte Hand mehr, aber er war doch Pianist und Jorge Federico Osorio lässt uns ahnen, wie der Verlust klingen kann, denn das Konzert ist ein einziger großer Phantomschmerz. Wer weiß schon ob Paul Wittgenstein jemals wieder aufhörte von diesem verlorenen Arm zu träumen, aber wir träumen mit und als der Pianist endet, da erhebt sich tosender Applaus und wir alle stehen auf und verneigen uns vor dem Pianisten. Dann aber beginnt das Ungewöhnliche dieses Abends, denn nromalerweise nehmen Pianisten oder Solo-Violinen den Applaus entegegen und manchmal gibt es eine Zugabe dazu, aber niemals würde ein Konzertpublikum einen Künstler zur Zugabe zwingen und noch viel, viel seltener dreht der Pianist sich zum Publikum um und agt: Ich möchte eine Zugabe spielen.” Wir sind natürlich hellauf begeistert und der Pianist sieht uns an und hebt seine Hände, die strapazierte Linke und die verschwundene Rechte, sie erinnern sich Paul Wittgenstein- und die linek Hand zittert und für einen Moment erzählt die Hand des Pianisten die Geschichten aller Kriege. Dann spielt er Debussy’s Cathedrale d’egloutine und spielt es zum Weinen schön mit beiden Händen.

Nach der Pause alle sitzen schon wieder, da gibt es Carl Nielsens Fünfte Symphonie, auch ein Stück aus dem ersten, großen Krieg unangenehm hellsichtig und klar. Ich mag Nielsen und ich mag seine Orchester-Besetzungen, die oft ungewöhnlich, aber immer präzise sind. Sechs Kontrabässe zähle ich und so viele Blechinstrumente, dass selbst Richard Wagner blass um die Nasenspitze würde.
Nielsen war ein spöttischer Verweigerer aller Erklärereien und so hat man in der Symphonie Sisyphos gehört oder auch nicht. Aber ich höre den Krieg und auch Carl Nielsen muss den Krieg gehört haben, denn er ist in einer Militärkappelle zum Musiker geworden. Aber das allein ist es nicht, sondern es ist eine Musik, die nicht zurückweicht vor dem Krieg und wir tun es auch nicht, denn wir sitzen ja im Konzert und manchmal muss ich die Augen schließen. Musik hat immer etwas Unhaushaltbares an sich. Dann endet das Konzert und weil es ein klassiches Konzert ist fliegen keine Bierflaschen auf die Bühne sondern man klatscht und überlegt wo man die Garderobennummer eigentlich hingetan hat und dann passiert etwas, was in klassichen Konzerten nicht passiert. Der Dirigient räuspert ( niemals räuspert sich ein Dirigient und spricht ) sich und sagt:

Guten Abend. Können Sie mich hören? Wir finden dies sei der Fall.
Man hat mir zugeragen der dänische Botschafter sei hier. ( Wir klatschen.)
Man hat mir zugetragen der Botschafter meines Landes Mexiko sei hier. ( Wir klatschen.)

Der Dirigient sagt: Wir haben heute Abend Musik aus Spanien, Frankreich und Dänemark gehört, aber Mexico haben wir ausgelassen. Nein, sagt der Dirigent, es ist kein einfaches Jahr gewesen für Mexico und dann spielt er mit dem Orchester ein José Pablo Moncayos Huapango. Wir alle haben die Garderobennummer vergessen und vergessen ahben wir auch, dass wir in Dublin sitzen, einer Stadt, die ziemlich weit weg ist von Mexico, wir haben auch vergesen, dass wir uns für Mexico nicht sonderlich interessieren, Drogentote und Naturkatastrophen und dann die Mauer, aber mehr auch nicht, und wirklich niemand außer Carlos Miguel Prieto, dem Dirigenten ist einegfallen, dass zu tun, was getan werden muss und er macht es, einfach so in einem klasssichen Konzert, in dem das Programm nicht einfach geändert wird, er schimpft nicht auf Trump, ist nicht bitter über unser Desinteresse ( vielleicht doch? ), sondern er erinnert uns daran, dass wir alle Mexico sind, das wir vor einem Jahr alle Mexico geworden sind, ob wir nun wollen oder nicht und dieser Dirgent macht die Fenster und Türen auf, lässt die Musik zu uns herein, macht das was wir alle hätten machen müssen, bevor es zu spät war, erinnert uns daran, dass die Stille hinter den Mauern immer lauter ist als der größte Schreihhals und wir, wir alle sind Mexico. Es braucht manchmal einen Dirigenten wie Carlos Miguel Prieto der uns daran erinnert, dass man im Konzert viel lernen kann, nur nichts über Musik und vielleicht deswegen und nur deswegen sind klassische Konzerte so unvorhersehbar, so aufregend und so großartig wunderbar wie wenig sonst. Wenn Sie nur zehn Minuten Zeit haben, zehn Minuten in denen auch Sie Mexico werden, dann hören Sie doch bitte ab 2:00 ( also Stunde, nicht Minute, es ist außergewöhnlich und außergewöhnlich berührend ), wenn Sie Zeit haben, dann lege ich Ihnen das ganze Konzert, was es hier für dreißig Tage gibt sehr an Ihr Herz.

Und wenn Sie einmal nach Granada kommen, dann besuchen sie doch Manuel de Falla und sehen hinüber in den Garten, den er allein zu Musik zu machen wusste.

In den Händen nicht nur Musik

Damals als ich mit meiner Großmutter zusammen lebte, da gehörten die Freitagabende der Musik. Am Freitagabend fuhren wir in die Philharmonie. Ich mit schlechtem Gewissen, weil doch der Shabbat begann, meine Großmutter mit spöttischem Lächeln: „Du musst immer daran denken, dass G*tt jetzt gerade sowohl Glenn Gould als auch Arthur Rubinstein zu sich zitieren kann.“ Ich liebte sie mehr und ich liebte die Musik und lief ihr hinterher. Dann kamen andere Jahre und meine Freitagabende gehörten anderen Verpflichtungen als zwei Stunden im Konzerthaus zu sitzen und noch immer sind die Verpflichtungen oft an Freitagabende gebunden, aber immer wieder habe ich doch einen Freitagabend vor mir liegen, der mir ganz allein gehört, denn seit meine Großmutter nicht mehr lebt, gehe ich am Liebsten allein ins Konzert und so lief ich auch gestern Abend durch den Regen in die National Concert Hall. Immer laufe ich ein bisschen freier, immer liegt auf dem Weg noch ihre Hand in meiner und vielleicht hört sie mich doch, summe ich die ersten Takte vor mich. Ich vergesse fast alles, nur die Musik, die ist immer bei mir geblieben und wenig Dinge vermisse ich so schmerzhaft in Irland wie mein Klavier.

1874, das Jahr ging schon zu Ende, da schrieb Tchaikovsky sein Klavier Konzert No.1 in B-moll und neigte es seinem Freund und Mentor Nikolai Rubinstein zu. Der fand es schrecklich, schüttelte sich und schüttelte wohl darauf hin auch seinen Freund Tchaikovsky. Rubinstein schrie Tchaikovsky nieder vulgär, stümperhaft, tapsig und eine Qual für die Ohren. Tchaikovsky allein ging zu der Weihnachtsfeier, die er mit Rubinstein gemeinsam besuchen wollte. Rubinstein schäumte allein weiter und Tchaikovsky stellte sich stur und seiner fernen Liebe Nadzheda von Meck schrieb er, dass er keine Note ändern würde, soll der Rubinstein doch nur schreien. Er, Tchaikovsky sei doch kein prinzipienloser Lump. Aber vielleicht ahnte Rubinstein doch, dass dieses Konzert oft, viel zu oft und viel zu oft sehr schlecht gespielt werden würde, als das es sich verwerfen ließe und niemand anders als er selbst würde es wieder und wieder spielen. Es war ein Konzert, dass um die ganze Welt lief, ein Konzert, das selbst diejenigen kennen, die maulen: klassische Musik ist ja voll blöd, ey, ich hör nur Kollegah oder so. Sie wissen es nur nicht und sie wissen auch nicht, dass selbst Kollegah oder so bei diesem Stück weinen wie die jungen Welpen. Es ist ein Konzert, das alles falsch macht, Motive verschwinden, Akkorde wiedersprechen sich, Tchaikovsky fügt ein Lied ein, was seine französische Geliebte trällerte, und das war was von ihr blieb, es ist ein Konzert, das sich nicht schert um Konventionen und Komponistenwürde und man verliebt sich sofort und unwiederbringlich. Und alle, alle Pianisten haben es gespielt. Gestern Abend setzt sich Boris Giltburg ans Klavier. Aber das ist schon falsch, denn das Klavier ist an diesem Abend kein Steinway Flügel, kein Instrument mit schwarzen und weißen Tasten und Pedalen, sondern es lebt wirklich, lebt für die ganze halbe Stunde des Klavierkonzerts von Tchaikovsky. Längst sind ja auch schon Konzerte professionalisiert und oftmals nur dazu da, dass technische Performance zur Schau zu stellen, um nicht zu sagen Fingerfertigkeit, aber an diesem Abend ist alles anders, denn da versinkt jemand im Klavier und nimmt uns mit, so tief hinein in die Musik, wie man sie nur selten findet. Da am Flügel sitzt ein Pianist, der sich nicht scheut uns mit hinein zuziehen, in dieses Stück, der Pianist dort am Flügel, der spielt kein Konzert, der macht Musik, der spricht mit Tchaikovsky, der lächelt mit der Geliebten, die jener im Konzert versteckte, der lächelt leise über das Unaufgelöste und zeigt uns warum im Widerspruch allein das Ganze liegt, und es ist als stünde Tchaikovsky in der Tür, rauchte eine Zigarette und nickte: so, Rubinstein, so kann es klingen, wenn man nur will. Es ist ein Pianist, dort am Klavier, der einer Katze gleich, die Töne hält, sie laufen lässt, der mit der Musik so vorsichtig, so acht, so einverstanden umgeht, der dem Flügel Aufmunterung zuflüstert, denn leicht, nein leicht ist es nicht, nein das ist kein Konzert zum Ausruhen, das ist ein wildes und freies Stück, ungezähmt und schnellen Fußes drängt es vorwärts und der Mann am Klavier, der Mann, der fast im Flügel verschwindet, der uns in der Annahme lässt, die Tasten bedürften der menschlichen Hand im Grunde gar nicht, und trügen die Musik alleine fort, aber es sind seine Hände und seine Hände sind Musik.

Man kann vieles beim Klavier spielen lernen, ein Irrtum ist man lernte Noten und spielte dann eben Musik, aber hier am Abend im Konzert, da kann man lernen, da sehen wir, in den Händen des Pianisten am Klavier was Annäherung, was Zuwendung, was Hingabe, was Verführung, was Zuhören, was Achtgeben, was Loslassen ist, und wie zerbrechlich wie schön Nähe ist, die immer auch in der Zurücknahme des Eigenen liegt, denn dieser Mann dort am Flügel, der malträtiert das Klavier nicht, der fährt dem Orchester nicht über dem Rücken, er bliebt in der Musik und sucht nach der richtigen Sprache und es ist die Sprache einer großen Liebe. Wir hören Musik und wir sehen, wer wir sein könnten, legten wir so viel Überlegung in unsere Hände wir der Mann am Flügel es tut.

Sehr selten wünschte ich mir, ich hätte unendlich viel Geld, aber gestern wünschte ich es mir wirklich sehr, denn dann würde ich Flugzeuge mieten, die jungen Männer aus der Aufklärungssprechstunde, die nicht wissen wie und all die Männer ob sie nun Weinstein heißen oder nicht, oder ganz anders, die im Vorbeigehen in Blumentöpfe ejakulieren und zudrücken, unter dem Tischtuch und anderswo und die überhaupt ihre Hände nur demonstrativ gebrauchen, hier kann man sehen, man braucht gar keine großen Worte machen, wie es sein kann, legt man nur Achtung in seine Hände, wie man sich rückversichert mit einem Partner, der so wird irrtümlich angenommen doch nur aus Holz und schwarzen und weißen Tasten besteht, hier bei Boris Giltburg kann mit den Händen zuhören lernen, hier mag man sich fragen ob es nicht gelte unseren Händen zu mehr Achtung zu verhelfen. Dann muss man die Augen schließen für einen Moment, denn dieser Mann am Klavier spielt überwältigend und es ist eine Überwältigung, in der die Freiheit liegt, nicht die Angst vor dem Ersticken. In nur sehr wenigen Konzerten habe ich den Dirigenten mit geschlossenen Augen neben dem Pult stehen sehen. Dieses Konzert gehörte dazu. Es wurde an diesem Abend auch noch Bach und Brahms gespielt, aber an diesem Abend hat Boris Giltburg, Tchaikovskys Klavier Konzert Nummer 1, in B-Moll gespielt und uns mehr als Musik in die Hände gelegt.

Ich weiß es sind Dreißig Minuten und niemand hat heute mehr Zeit, aber es sind auch dreißig Minuten, die man nicht vergisst. Das Klavierkonzert beginnt ab Minute 18:40.

Hören und Sehen.

Am Abend ins Konzert. Der Tierarzt geht mit einer Freundin ins Kino und ich laufe durch den eisigen Wind, fast einmal um St. Stephen’s Green herum zum Konzerthaus. Vorbei an stattlichen Häusern, Backstein von außen, doch von innen noch immer imperiale Pracht. Der Union Jack natürlich längst ausgetauscht gegen die irische Fahne, doch die schweren Lüster und goldenen Rahmen sind noch immer sichtbares Zeichen viktorianischer Jahre. Die Speisekarten, ich bin mir sicher, sind noch immer näher am Jahr 1850 als am Jahr 2017 gelegen. Wachteleier vielleicht oder ein ganzer Kapaun oder Rehrücken mit gedünsteten Pflaumen. Die Damen im Abendkleid und die Männer im Frack, selbst im Vorübergehen, Gelächter, Zigarrenrauch und das Klirren feiner, alter Gläser. Immer auf dem Weg ins Konzert erinnere ich mich, was ich sonst und vor allem auf dem Dorf vergesse: Dublin ist vielerorts eine reiche Stadt, wohlhabend und schwer in den Hüften, etwas matronenhaft zwar aber immerhin mit Austernbesteck aus elegant graviertem Silber. Dann aber biege ich um die Ecke und bin im Konzerthaus angelangt. Später hätte ich nicht kommen dürfen, schon gongt es und als ich auf meinen Platz eile, kommen schon die Geigen auf die Bühne, rascheln mit Notenpapier, der Cellist lacht munter und bevor der Dirigent die Bühne betritt, senkt sich diese einzigartige Konzerthausstille über den Saal. Immer bedauere ich, in diesem Moment keine Nadel zu haben, die bestimmt noch in der letzten Reihe zu hören wäre. Der Abend aber beginnt mit Gerald Barrys Vertonung eines Dostoyevsky Romans:„Humiliated and Insulted“ ( Das Stück beginnt ab Minute 7:10 und ich lege Ihnen die folgenden 18 Minuten, sehr ans Herz. )

Scharf und schnell fährt einem das Stück unter die Rippen und während der Chor in sich wiederholenden Schleifen, echogleich „Humiliating and Insulted“ wiederholt, denke ich an das Obdachlosenpaar zurück, an dem ich vorbeilief auf dem Weg zum Konzert. Sie hatten vom Blumenhändler riesige und längliche Pappkartons erhalten, die wohl ursprünglich zum Transport von Amaryllis gedacht nun zu ihren Betten wurden. Gerade als ich vorbei kam, rollten sie sich in den Kartons zusammen. Ein Pappsarg, aber keine Mumien mit Öl gesalbt, sondern lebendige Menschen mitten auf der belebten Straße. Dieses Stück aber von Gerald Barry aber ist nicht für den Konzertsaal gemacht, sondern ein Stück für die Straße. Einen Musikkantenzug wie anno dazumals, als man sich das Cello um den Bauch schlang und durch die Straßen zog, dafür ist dieses Stück wie gemacht. Ein langer, musikalischer Trauerzug, begleitet von einem Chor, der zum Dáil zieht, singend und klagend: „Humilitated and Insulted“ nicht nachlassend, in endlos anschwellenden Gesängen bis nicht einmal die hartnäckigsten Daíl Abgeordneten sich dem Gesang verweigern könnten und endlich einmal dem gewahr werden müssten, dass Menschen die in Pappkartonsärgen im Februarwind liegen erniedrigt und verletzt werden.

Ausatmen und aufatmen nach diesem Stück, aber nur kurz, denn es folgen schon Mahlers Rückert Lieder. Ausgerechnet als das Kunstlied schon längst milde geworden und nach höherer Töchter klang und gelangweilten Herren, die genug hatten vom ewigen Lindenbaum, da kommt Gustav Mahler und nimmt diese entrückten Rückert-Texte in die Hand, gerade als das 20. Jahrhundert begann als doch Schönberg schon Zemlinksy entdeckte und wohl schon von den Gurre-Liedern träumte, da kommt Gustav Mahler und vertont diese Lieder und an einem frostigen Februarabend, zieht er einen unter die Linde. Ausgerechnet zurück unter die Linde und ich sitze dort und schon singt Dietrich Henschel, singt so unaushaltbar schmerzhaft schön und man muss den Blick abwenden und obwohl man alles, alles hören will und hören muss, will man sich die Ohren zu halten, denn diese Lieder, diese Musik, diese fünf Lieder brechen einen sofort und vollständig entzwei. Eine Hand voll Glasscherben hält man in der Hand. Fünf Lieder bloß.

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Konzertpausentraditionspflege

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es folgen Strauss‘Metamorphosen, die ich fast nie höre, weinerlich und selbstgefällig sind sie mir und donnernd Bruckners Te Deum , ein Stück für Menschen, die gern kalt duschen und unter dem harten Wasserstrahl noch vergnügt pfeifen.

Das ganze und sehr lohnende Konzert zum Nachhören gibt es hier.

Dann anders als in Berlin, nicht Gerangel nach Mänteln und Taschen sondern gepflegtes Schlange stehen. Vor dem Konzerthaus sitzen drei obdachlose Frauen, und ich sehe wieder das Orchester als singenden Trauerzug vor mir. Aus Hilflosigkeit dreimal Münzen in drei Becher. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Tierarzt mit Auto. Der Tierarzt zeigt auf das Radio, das Konzert wurde übertragen und nickt, Bruckner sagt er und lächelt, ich habe ganz genau hingehört, aber dein Atem war nicht zu hören. Nächstes Mal verspreche ich, huste ich ganz leise und nur für deine Ohren. Der Tierarzt nickt und wir fahren in Schlangenlinien durch die Stadt, lauter betrunkene Mädchen und Buben taumeln vor uns über die Straßen. Auf der Autobahn endlich erzählt mir der Tierarzt vom Film. Eine Frau erschießt sich vor laufender Kamera, sagt er, aber eigentlich erzählt er vom Unbehagen des Voyeurs auch im Film. Die Dorfstraße still und wir gehen fast auf Zehenspitzen. Ich lege die Platte mit den Rückert-Liedern für den Tierarzt auf, da ist es schon weit nach Mitternacht. Der Tierarzt küsst die Glasscherben von meinen Händen.

Am nächsten Morgen durch das nebelgrau hinunter ans Meer zum Schwimmen. Der Tierarzt hält Handtuch und Bademantel und ich laufe in die grauen Wellen, und schon verschluckt das kalte Meer auch mich, legt sich als ein schwerer Mantel aus Blei um meine Schultern. Mit klappernden Zähnen und brennenden Beinen aus dem Wasser und in das Handtuch gewickelt, und dann in den Bademantel und die Wollsocken, immerhin ist die Kälte eine gute Ausrede dem Tierarzt so nah es nur geht unter die Haut und in die Rippen zu kriechen. Da muss man nicht lange suchen, selbst unter dem dicken Wollpullover nicht. Zurück ins Dorf. Auf den Fensterbänken liegen die alten Frauen auf einem dicken Federkissen und wissen auch nicht mehr so Recht weiter mit jemanden mit mir, der im Februar ins Wasser geht und die Hand in der Hosentasche des Tierarztes vergraben hält. Das Dorf ist wachsam und wenn es auch nur wenig mehr als eine Handvoll Einwohner hat, so hat es tausend Augen und viele, gut gefüllte Federkissen. Die Frau des Krämers schimpft: „Sie werden sich den Tod holen Fräulein Read On.“ Ich schüttle den Kopf: „Nein, Frau des Krämers, der Tod findet einen ohne Hilfe.“ Die Frau des Krämers ermahnt den Tierarzt mich doch zu Vernunft zu bringen. Wir gehen zurück ins Oberland und nicken den vielen Augen auf den Fensterbrettern zu. „Als ich ein Kind war, glaubte ich das Mittelalterbilderbuch müsste sich irren, eine Brustwehr, da war ich ganz sicher, war keine Festungsanlage, sondern die Donnerbusen auf den Fensterbrettern, hinter den Geranien, unbeweglich wie Beton und unerbittlich auf der Lauer, im perfekten 90 Grad Winkel in die Fensterbretter eingepasst. Der Tierarzt geht vor Lachen in die Knie. Das ganze Dorf lauscht und wir verstecken uns hinter der Tür.
Erst nach einer ganzen Weile Porridge mit sehr viel Himbeermarmelade, Zeitung und Licht, obwohl kaum da, schiebt sich für einen Moment nur durch Fenster und Tür, trifft nicht das Auge, hält kaum für einen Wimpernschlag, sondern sinkt schon wieder zurück in ein milchiges und müdes Grau.

As an exception in German- Martha

Vierzehn Jahre alt war ich und es ist als sei es gestern gewesen. Es waren die billigsten Karten. Stehplätze. Ich stand mit dem Rücken zur Wand und eigentlich sah ich sie nicht. Das Erste was ich von ihr sah war ihre Hand, die über ihren Kopf hinaus zeigte bevor sie vorsichtig und fest zugleich zurück auf den Flügel fand. Beethoven’s Drittes Klavierkonzert. Sofort gehört, vor ihr und selbst so stümperhaft gespielt. Dann kam ihre Hand und alles wurde anders. Mit dem Rücken an die Wand gelehnt stand ich damals, und ich weiß es noch als sei es gestern gewesen, höre noch immer die Harmlosigkeit des Orchesters, der alte, wohlbekannte Klang, Beethoven, meine erste musikalische Heimat. Nicht Bach, nein Beethoven war es, der für mich Musik wurde. Dann ihre Hand und schon nach den ersten verhaltenen Minuten des Stücks, war alles ganz anders, im Lauf ihrer Hand.  Bald schon musste ich die Augen schließen, und presste den Rücken fest an die Wand. anders war dieser Klang, waren diese Hände auf dem Klavier nicht auszuhalten. Die Schärfe die in der Luft lag, die nichts Harmloses hatte, sondern eine glänzende Kühle, wie die Spitze eines scharfen Messers, in uns fuhr. Uns hinein in die Knochen und weit, weit hinein unter die Haut, bis sie sich auflöste in alle Töne, bis über den Klang hinaus. Das dachte ich damals und denke es heute wieder, wo ich nicht an der Wand stehe, sondern sitze, das ist doch keine Musik, das ist doch kein Klavierkonzert, das sind doch keine Töne, das ist doch kein in Musik verwandeltes Notenpapier, dieses unter-die Haut-fahren und aus dem Sog gibt es kein Herausfinden mehr . Schumann spielen ihre Hände und wieder, werden mir die Knie so weich und ich muss die Augen schließen, vor diesen Händen auf diesem Klavier. Das ist doch keine Musik dachte ich damals und wieder müssen sich meine Hände an den Knien festhalten, so bricht erst ,mit Schumann und dann mit Debussy der Boden unter dieser Musik, unter diesen Händen hinweg. Schumann, der doch der ewige Träumer war, ist hier geradeheraus, und keineswegs harmlos, kein Filou, im Vorübergehen, sondern ein Geliebter der alles, alles will und es in ihren Händen findet.Und auch Debussy, ist kein leichter Faun, sondern unter ihren Händen erzittert seine Welt, und wieder muss man die Augen schließen vor dieser Intensität. Dass das Musik darf, dass das Musik sein soll, dass das Musik ist, konnte ich damals gegen die Wand gelehnt nicht fassen und bis heute ist diese Erschütterung, die in ihren Händen liegt in mir geblieben. Keiner, der vielen Pianisten, die ich hörte zwischen der Wand und dem gestrigen Abend, mögen sie so brilliant wie technisch versiert sein, haben mich so ergriffen, so erschüttert, so erregt wie sie und ihre Hände. Seit damals, immer wieder und es ist die Schonungslosigkeit ihrer Hände, der ich seit jenem ersten Mal nicht mehr entkommen bin. Das muss Musik sein, dachte ich damals und zum Glück lehnte ich gegen die Wand, bevor ihre Hand erneut die Töne anschlug.

Martha Argerich, 26. März 2016, Berliner Philharmonie

 

 

 

 

Whoever has ears, let them hear.

The sheep are gathering in the middle of street. In the village of mine there live many more sheep than men. The sheep here look proud and are very self-conscious. We are more humble and I am sure the sheep do not think much of us. When the sheep gather on the street, we wait patiently. Once, shortly after I moved here, a driver ( not from our village of course ) horned and the sheep did not move for hours, grinning at him bluntly. But sometimes when the sheep are in a good mood they form a circle and give a concert. A concert?, you might say and shake your head. But you hear quite right. It is not a too well known fact, but the sheep here form a formidable choir. Their conductor, the only black sheep in the flock supervises closely the set up of the stage. I know it has been known for a long time that a black sheep is the unwanted and not much liked cousin of the flock, but this could not be any more wrong. The black sheep, without exception splendid looking in their black suits form for centuries the conductors of the world-famous sheep orchestra you find from Ireland to Australia. Their dignified air and knowledge about the great pieces of sheep music make them experts of their very own kind. When the sheep all took in their position, the conductor sheep flicks twice with his left ear and unisono the concert is opened with the well- known hymn „Oh, praise all the fresh herbs“ A marvelous piece, a waving chorus of strong sheep throats. The hymn having ten verses praises the lush valleys, the fat green meadows, the wisdom of the ancestor sheep and the mother country of all sheep: Ireland. Then  the solist, the famous Susanna Sheep-anova, who performed on meadows all over the world and was trained by the Russian soprano Ljudmila Sheep-akovic ( you are quite right to assume, that she is a far away cousin of the well-known composer Schostakovic.) Susanna now steps forward, the conductor again flicks his ear back and forward and then she masterfully performs the aria “ The wolf took our youngest“ in c-minor. Truly a tear-moving piece that narrates in a most emotional way the century long struggle between the sheep and their attacker. Breathless we stand behind our open windows, clapping and trying to dry our misty eyes. Susanna Sheep-anova elegantly catches a bouquet of fresh clover thrown at her by own of her staunchest admirers. Even Queen Cat not too fond of sheep or music swings her tail in admiration. Now the not any less famous tenor Don Sheep-onso steps forward. Of Romanian origin, he has sung on the most important open air sheep music festivals between Bucharest and even performed a the Festival for Ancient Sheep Tunes in Bologna. His steps towards the middle of the street are powerful and elegant, the conductor has not even time enough to instruct the seagulls, playing the violins or to do his notorious ear-flick, when the strong, clear and crisp voice of the Don sets in with a masterful performance of “ Your sheepish eyes make me just wonder“, a dream-like floating piece, not unlike  Schubert’s song cycle, telling of a lost love and hope to see a certain pair of eyes again. The Don, who will give as well a duet with Susanna Sheep-anova later  of Traviata, bursts of energy and strength. It is not well-known, even in otherwise well- educated circles that La Traviata in its original version tells the story of a young sheep that lost its way. Today we are reminded of this much more powerful version and wish we could stop the time to let this concert last forever. But for a last time the conductor flicks his ear back and forward and the concert ends with  „May all the sheep live long and prosper, after a theme of Johann Sebastian Bach. We bent forward, clapping and cajoling, the sheep look quite contempt, the conductor a bit sweaty, the Sheep-anova and the Don take the lead and slowly as it is their nature the sheep leave the street to graze on the meadow quite opposite of the village pond.

Tempting

Oh don’t run so fast, says the moon and bends his head to get closer to me. Oh, come, come on says the lilac that grows white and velvet among the hedges and wants to draw me into his arms. From an wide open window an old Fado melody is to be heard. Dance, oh, dance sings a voice in my ear, come on take my hand and let’s disappear just the two of us and the voice of Joana Amendoeira will carry us away. Ours is the night and the summer leans just at the steps of the bookshop around the corner and silently smiles. A bicycle slowly passes by, but too fast he is anyway that I could ask him for a dance. The darkness takes my hand, seducingly soft and with the scent of the very first hay and throws blossoms in my hair. A golden summer the darkness promises, gentle hands and a firework here and then. And for moment I stop to look for the keys and take a deep breath before I walk upstairs into a flat that is rather cool and silent with its old wooden floors and the clock ticking a bit too slow for so many years.

The beautiful Magelone

When we were young, you and I, we spent whole afternoons on the ground of your massive, always a bit dark living room. Your chairs and tables were made of heavy wood. Oak I guess, but I might be wrong because some of the pieces were nearly black. In the left hand corner stood a massive and obviously very old palm tree, whose leaves shivered in the light breeze that came through the high windows. One was never sure if the windows were open or closed. Heavy curtains, made from red velvet hung in front of them. My grandfather brought them, you told me and shrug your shoulders as if you wanted to excuse the rather unusual sense of taste, but I loved the place, loved the slight dust everywhere, loved your scent that was inseparable from the room, loved the cushions with their Persian patterns, all of them faded but still a reminder of once more colorful days.Hour after hour we spent on the floor listening to music of the old record player, whose needle scratched noisily along and from time to time needed readjustment. And it was on the very same ground, next to your shoulders when we listened for the very first time to Johannes Brahms song cycle „The Beautiful Magelone.“ And I told you the old, the very old story that took place in the fifthteenth century, where the beautiful neapolitan princess Magelone fell in love with the duke Peter. But Magelone was meant to become someone’s else wife. They ran off together, but ran into a world were Peter was captured by Ottoman soldiers and their ways disrupted. Two centuries later it was Ludwig Tieck, who brought back the story into light till Johannes Brahms transformed it into music. The music follows a story, where feelings constantly change and Brahms constantly changes the nature of the songs, one finds everything in his music, from a lullaby to rhapsody. But again and again you asked for one song out of the twelve,“Geliebter wo zaudert“ where Peter lies on a boat, torn between his feelings for Magelone and the beautiful daughter of the sultan Sulima, who wants to fill the gap opened through their separation. In the end the daughter of the Sultan does not succeed, Peter and Magelone find their way back to each other and year after year they come back to the place where their love once begun to sing the very same song. And we on the floor listened again and again, you bent forward and kissed me with your featherlight and always a bit dry lips and never minded that I did not kiss you back. But one day, when I went up the stairs in the late light of the afternoon, under my arm a record my grandmother just had sent me, you did not open the door when I knocked. Not on this day, nor on any of the following days. One day, many months later, a new name appeared on the door. For many years I did not listen to Brahms anymore and nearly forgot the story of the „Beautiful Magelone“ and even today when sometimes in the radio they play a song or two of the cycle I do not listen too carefully. But I wonder if somewhere, you still lie on a floor, next to you a pile of nearly faded cushions, the old palm-tree just around the corner and if you tell someone again and again the old, the very old story of Peter and the beautiful Magelone, as once I did so many times.