Das Blog als Kuriositätenkabinett

„Kurios, Kurios“, lässt Thomas den sterbenden Konsul Buddenbrook sagen. Es ist ein Stoßseufzer, ein Kopfschütteln, ein letztes spöttisches Aufbäumen, denn der alte Konsul ahnt wohl schon, dass die Welt der Söhne, der Nachkommen eine andere Welt sein wird, als das Lübeck seiner Tage. Kurios, also auch schon ein Nachruf.

Kuriose Kurzgechichten können sie finden in diesem Blog, das nun eben mein Blog ist, schreibt ein Redakteur der Süddeutschen Zeitung.

Kurios also, da ist es wieder und mit ihm die geballte Faust des Feuilletons, die den Dilettanten belächeln und mit milder Nachsicht spöttisch betrachen. Denn was ist schon sein Blog eines recht lächerlichen Fräuleins, das ausgerechnet eine Idee aufs Brot legt und andere machen mit. Es ist die Verwunderung der ernsthaft Schreibenden, der Absolventen von Journalistenschulen, von Preisverleihungen mit Weisswein und den Runden der Literaturinstitute in denen verhandelt wird, was in den Buchläden liegt. Kurios, dagegen ein Format, das nun zwar schon ein Vierteljahrhundert alt ist, aber natürlich nichts wert ist. Was ist das auch für eine Anmaßung, das ohne Siegel einfach geschrieben wird, unbekümmert und nicht einmal einen Infleuncerausweis,kann diese merkwürdige Person nachweisen. Wirklich, es ist kurios.

Der Redakteur ist natürlich in bester Gesellschaft in seinem spöttischen Degout. Denn ich werde ja manchmal und gar nicht so selten gefragt, was das denn soll so ein Blog. Warum nur noch mehr digitales Rauschen, es läse doch ohnehin keiner mehr längere Texte, wer heute etwas sein will, der hat einen Podcast und spielt die heißen Bälle bei Twitter.

Kurios darauf zu bestehen Texte ins Internet zu schreiben.

Ich weiß noch wie die beste Chefin der Welt, so stolz wie sie ist ja niemand, dem Goethe Institut in Dublin schrieb, das es da ein Fräulein gäbe und die hätte ein Blog und da seien Geschichten über Irland auf Deutsch und das sei doch schön, dass es nun auch Literatur im Internet gäbe. Das Goethe Institut schwieg natürlich und ich bin mir sicher, die freundliche Email der besten Chefin der Welt ist im Ordner: Kuriositäten abgelegt.

Dann gibt es noch diejenigen, die mir den Vogel zeigen und sagen: wie kann man nur so blöd sein, Texte umsonst ins Netz zu stellen. Dreimal doof, und keine Kundenbindung. Mindestens Paypal, aber so wird aus dir nichts werden. Das aber wusste ich schon länger. In der dritten Klasse nämlich, erklärte mir die Nonne B. ich sei so dumm und könne froh sein, vielleicht einmal noch zum Gärtner zu taugen.

Kurios also findet man den Versuch das Internet für Formate zu nutzen, die weder Digitaljournalismus, noch feuilletonversiegelt noch instagramtauglich sind. Ein Format eben, dem keine Beachtung schenken muss, sondern welches man bestenfalls übersieht und schlechtestenfalls belächelt.

Beides teilen sich die wahren Schreiber, die vollständige Verachtung für Formate jenseits ihrer Lebenswelten, in denen die müden Kinder schreiben, die nie Zeit für Illusionen hatten, sondern immer nur einen Dritt und Viertjob und für die Redakteur oder Autor sein, so fern ist wie für Andere eine Reise zum Mond und es soll ja auch kalt sein auf dem Mond. Was für eine Anmaßung eine Gemeinschaft der Schreibenden zu sein, die sich am Wort festhalten.

Und Sie sehen, hier finden Sie die Antwort nach der sie mich manchmal fragen, warum ich eigentlich kein Buch schreibe und warum die Sache mit dem blauen Haus der Frau des Krämers und der Angelegenheit von der das Dorf alles wusste und niemals sprach kein Debütroman eines Jungautors mit Strahlkraft wird, genau im Satz über die kuriosen Kurzgeschichten finden Sie die Antwort.

Das macht natürlich nichts.

Aber was finden Sie denn hier, wenn sie als Leser hier nur einmal hineinstolpern?

Meine Liebe zu Franz Kafka, oh diese fatalen Amateure, die durch das alte, abgebrannte Europa wandeln, hier finden sie Freundschaft zu einer Wildtaube neben Versuchen über das Judentum in Europa zu reflektieren, hier geht es um Aufklärung, sone und solche, um Aufwachsen in Anderswo und so viel Suchen, das niemand nirgendwo ankommt, um Geschichten aus Delhi und eine Liebe Aus Assam, um Jahre mit dem Tierarzt, dem die Welt so schwer wurde, um kalte Bäder im Meer, um die Frau des Krämers und ein Irland zwischen Aufbruch und Abbruch, um Menschen, die kürzer oder länger bleiben, um Albträume, um S-Bahnfahrten und Konzerthausbesuche, um Bücher und Einsamkeit, um Mondsteinscheiben und ein Institut, um die Mali-Tant und meine Großmutter, die doch die preussischste unter den deutschen Juden war, um Jonny und Sommerfrische, um alte Lieder und immer wieder um die Fragen nach Herkunft und Heimat, nach Sprachversuchen, die immer wieder Gehversuche sind, um Leben auf dem Dorf und Leben zwischen den Stühlen. Um Kastanien natürlich, um Standuhren, um das blaue Haus, um einen Wetterfleck und darum was an einem Sonntag nicht oder vielleicht doch passieren kann.

Sprich es geht hier eigentlich immer wieder darum ein Verhältnis zur Welt jenseits des Spotts und der Ironie zu finden, in dem der Niedergang liegt von dem der alte Konsul Buddenbrook schon alles ahnte bevor er die Augen auf ewig schloss.

Mir schien der Spott, die milde Verachtung und die zufriedene Herablassung immer fataler, als noch der heftigste Widerspruch.

Es ist kurios.

48 thoughts on “Das Blog als Kuriositätenkabinett

  1. Sie wissen, dass Sie eine große Gefolgschaft haben, die Ihre Kuriositäten sehr gern liest, eine Gefolgschaft, die mit Ihnen weint, die mit ihnen im kalten Meer badet, die mit Ihnen lacht. Immer wenn wir Ihre Kuriositäten lesen, sind wir bei Ihnen, und manchmal noch ein wenig länger.

  2. Vermutlich ist es noch viel banaler und das Urteil des Autors ist flüchtiger Recherche geschuldet. Wahrscheinlich hat er sich gerade einmal zehn Minuten durch Ihr Blog geklickt (wenn überhaupt) und ein oder zwei Geschichten überflogen, etwa über die Auszubildende oder die Frau des Krämers und deren ganz eigener Logik.

    Und bevor hier nun alle sämtliche Journalisten in Grund und Boden verdammen, sei angemerkt, dass einige langjährige und geschätzte Blogger selbst Journalisten sind. Es gibt halt überall solche und solche.

  3. Wertes Fräulein ReadOn, es ist ein Wunderladen, den Sie schreiben. Ein wundervoller Wunderladen. Ich lese in ihm mit Staunen und Freude und Trauer und Schmerz und Lachen und Tränen und Kichern und Augenrollen und wünsche Ihnen Sonntage und und dem treuen Hund einen dicken Knochen und der Katze eine große Schale Sahne.

  4. Wenn ich von der französischen Wurzel «curiosité» im Sinne von «Rarität » ausgehe, dann wünsche ich mir, noch viele kuriose Geschichten mit Seltenheitswert von Ihnen zu lesen. Sie schreiben wunderbar zum Nachdenken und Mitfühlen. Und lassen Sie sich Ihre Unbefangenheit bitte nicht nehmen. Ich wünschte, ich hätte die Gabe, wie Sie mit der Sprache zu zaubern und Bilder zu malen. Danke für jede einzelne Geschichte!

  5. Es ist schon traurig, wenn an einem Journalisten ein modernes Genre der Literatur so vorübergegangen ist. Wir Leser dieses Blogs hingegen sind Experten in Blogdingen, ich würde mal lieber auf unsere Meinung vertrauen, vor allem da wir nicht einfach nur ein bisschen drin rumgewühlt haben und nach Kuriositäten gesucht haben, sondern wohl eher von vorne nach hinten durchgelesen haben.
    Eine deutsche (ganz wichtig!) Universität hat mir als Leserin dieses Blogs beispielsweise sogar bescheinigt, ich würde mich angeblich mit Kultur und Literatur gewisser Länder auskennen. Ich unterstelle mir nun einfach mal eine gewisse Transferleistung und wende das jetzt hier mal an: Dieser Blog ist Literatur. Jetzt haben Sie es schriftlich. Von einer Literaturwissenschaftlerin. Bäm!

  6. Ach, ich finde die Tätigkeit bei einer japanischen Hundezeitschrift oder Bücher über kuriose Übersetzungen und Sprachpannen nicht unbedingt literarisch wertvoller als Ihr Blog. Aber ich bin ja nur eine kuriose Leserin kurioser Blogs.

  7. „…so fern ist wie für Andere eine Reise zum Mond und es soll ja auch kalt sein auf dem Mond.“
    Genau, kalt ist es. Auf dem Mond und manchmal auch in der Welt des Journalismus. Und so gesehen ist vielleicht einfach nur Neid im Spiel, Neid auf die Wärme, die in Ihren Geschichten steckt. Und das Wort kurios, sollte es abwertend gemeint sein, ist für mich fehl am Platz. Etwas Kurioses ist etwas Besonderes, etwas Einzigartiges, das aus der Masse heraussticht. Und genau das ist Ihr Blog, sind Ihre Geschichten – kurios im positiven Sinne. Sie mögen keine Journalistin sein, aber Sie können schreiben. Ihr Blog ist kein Tatsachenbericht, nein, vielmehr ist es Reiseführer und Märchenbuch, Liebesgeschichte und Poesiealbum; ist Drama, Komödie, Science Fiction, Krimi und Satire und Dank der Kommentare auch Gästebuch. Ihr Blog ist ein Wörterbuch im besten Sinne. Es wäre kälter hier und dunkler ohne Sie und Ihre Geschichten.
    Bitte lassen Sie sich das von niemandem kaputtreden.

  8. Wie schön, dass sich jeder, der mag, ein Blog als persönliches Kuriositäten-Kabinett jenseits ernsthaften Journalismus‘ bauen kann, selbst wir ernsthaften Journalisten. Braucht nicht jeder eine Spielwiese abseits der harten Nachrichtenthemen, des Brot-und-Butter-Journalismus oder des sogenannten Sachkacks? Ich liebe solche Spielwiesen und pfeife darauf, was andere dazu sagen.

    • Liebes Fräulein, bin vor einiger Zeit zufällig bei Ihnen reingeschneit und warte seit dem Tag immer sehr gespannt auf Ihre neuen Geschichten. Bitte, bitte weiter so!
      Grüße aus Italien in den Notden

  9. Die Ihnen zugeneigten Leserinnen und Leser wissen, warum wir weiterlesen, immer weiter. Nicht etwa, weil es hier wie in einem Kuriositätenkabinett zugeht, sondern weil wir hier etwas finden, das den Gedanken der Humanität hinausträgt in die weite Welt. Und wie viel davon haben wir schon mitgenommen ins Analoge. Ich jedenfalls schon sehr viel mehr als ich in sämtlichen Feuilletons finden konnte.

  10. Hat denn irgendjemand den Artikel des Journalisten überhaupt gelesen? Es ist ein sehr freundlicher Text mit durchwegs positiven Äußerungen. Abgesehen vom unglücklich gewählten Begriff „kurios“, weil er vermutlich tatsächlich den Blog nur überflogen hat. Der Inhalt an sich ist völlig freundlich und wohlwollend. Schade, dass das nicht gesehen wird.

    Sarah

    • @Sarah: Danke, auch ich habe nichts Übles in dem Artikel erkennen können. Zweifelte schon an mir, weil allein schon ein Wörtchen negativ bestimmend sein sollte.

      Ist es nicht eher gut, dass diese innovative Kunstaktion des Fräuleins Beachtung findet in Artikeln?

    • Ich denke, das Wort „kurios“ wurde verwendet, weil es mit dem Wort Kurzgeschichte eine Alliteration bildet. Auch kann ich am Wort kurios nichts Abwertendes sehen. Ich mag das Wort kurios.
      Und ja, den Artikel fand ich ebenfalls positiv.

  11. Wollen wir das Feuilleton eher bemitleiden als verdammen: Es ist schade, was ihm entgeht. Die Gründe dafür sind verschieden. Ich lese das Feuilleton selten (und fast gar nicht, wenn es um irgendetwas Aktuelles geht), beim Fräulein aber voller Bewunderung und im Bewusstsein, dass mich das, was ich hier lese, noch lange interessieren und beschäftigen wird.

  12. Als ich das erste Mal in einer meiner schlaflosen Nächte bei Ihnen vorbeikam, dachte ich so bei mir ‚irgendetwas ist anders mit diesem Fräulein.‘ Ich las einen Beitrag nach dem anderen und Sie überraschten mich immer wieder. Und noch immer gelingt es Ihnen. Jetzt weiß ich endlich wieso: Sie sind kurios! Schaue ich bei Wiki nach, wird mir klar, wieso ich bei Ihnen so gerne schmökere. Sie haben eben nicht die üblichen Verhaltens- und Denkmuster. Damit tun Sie mir wohl. Danke

  13. Kurios, Ihr Blog? Na wenn schon, wer will schon zum Mainstream gehören! Und kuriose Blogs erzählen von Leben, die kurios sind. Kurios wie das französische „curieux“ mit seiner doppelten Bedeutung von „merkwürdig“ und „interessant“ (man könnte auch sagen „merk-würdig“). Kurioses findet man im Feuilleton selten, Vorhersehbares schon eher. Vorhersehbar ist auch, was ein Feuilletonist gut findet. Was ein Feuilletonist gut findet, finde ich meist langweilig und eher nicht merk-würdig. Sie haben ein Recht, merk-würdig zu sein. Sie sind in bester Gesellschaft. Und wir mit Ihnen. 🙂

  14. Und gerade wegen der von Ihnen aufgezählten Themen, Menschen und Erfahrungen eines Irlands, das ich liebe, liebe ich Ihren Blog. Kuriose Einzigartigkeit, ein gewisses Alleinstellungsmerkmal der leisen Melancholie und eine Liebesfähigkeit, hinter der ein großes Herz sich befinden muss, anders ginge es ja nicht. Ich liebe diesen Blog.

  15. Sie, wertes Fräulein, sind alles anderes kurios, sondern aller Ehren wert dafür, dass Sie in der Lage sind, schmerzhaft offen zu sich und zu uns zu sein.
    Kurios, das ist noch nicht einmal ein solcher Journalist. Für mich sind seine Worte von herablassender Arroganz.
    In diesem unserem Lande gilt die Kultur nur, wenn sie einen Abschluss hat, Dipl., Bachelor, Master, Dr., PD, Prof. – soll sich bedienen wer mag.
    Man MUSS Ahnung haben und diese Ahnung nachweisen können, um gelten zu dürfen.
    Das Leben ist so banal wie gelehrt, so schmutzig wie kunstvoll und so nichts sagend wie delikat.
    Alles nur von seiner ureigenen Warte aus zu beobachten und zu bewerten, so jemand nimmt Ihnen etwas weg, besonders aber sich selbst.
    Lassen Sie sich Ihre Worte nicht nehmen, nicht nur für mich sind sie voller Wahrhaftigkeit und immer wieder voll neuen und unerwarteten Entdeckungen.
    Ehrlich herzliche,
    Ev

  16. Liebe Frau ReadOn,

    ich meinerseits bin immer wieder erstaunt und freue mich jedes Mal über neue Geschichten, denn Ihre empfinde ich als etwas anders und daher besonders. Ich hoffe und wünsche, dass Sie diese Dinge einfach tun, weil Sie es möchten, und dass sie Dinge lassen, weil oder wenn Sie es möchten. Und was Andere ungefragt sagen oder meinen, soll das sein, was Andere ungefragt sagen oder meinen. Kurz: die Anderen sind die Anderen.

    Alles Gute für Sie. Es ist schön sowie bereichernd, einen Einblick in Ihre Gedanken zu erhalten. Danke!

    Ach ja, noch was: Schreiben nach Journalistenschule kann vllt. jeder. Schreiben nach Leben – naja 😉 Das ist ja vllt sogar die wahre Kunst. Und dieser Konflikt ist mir gar nicht so fremd 😉

  17. Liebes Fräulein,
    ohne den Journalisten in Schutz nehmen zu wollen:
    im (österreichischen) Sprachgebrauch wird „kurios“ vorwiegend verwendet um etwas als außergewöhnlich durchaus im positiven Sinne zu bezeichnen.
    Auch wenn der Duden die Bedeutung dieses Wortes anders beschreibt.
    Da der Artikel durchwegs freundlich klingt, würde ich meinen, der Journalist dachte ebenfalls in diese Richtung?

    Ganz viele liebe Grüße aus Österreich!

  18. Ach ach – dabei ist doch dein Blog eine Insel jenseits spöttischer, ironischer, zynischer Fastfoodschreiberlinge, eine Insel, die zur Auseinandersetzung einlädt und wo das Herz gefüttert wird, Lächeln und Weinen oft ganz nahe am Tisch sitzen und wo Freundschaft und Liebe nicht nur Worte sind.

    Wenn jemand das kurios findet, ist der oder die eine arme Socke. <3

  19. Wie schrecklich leer das Bloggerdorf doch ohne Ihre Ansichten, Bemerkungen und Schilderungen wäre.
    Manchmal leer schlucken oder den Kopf schütteln ( freundlich gemeint) oder gar etwas hängen lassen erscheint mir gar nicht schlimm.

    Ich persönlich nehme viel mit und hab ein besseres Bild von Verschiedenem bekommen.
    Danke

  20. Michaele hat schon recht, das Wort „kurios“ wird in diesem Sinne von südbayerischen Dialekten (dazu gehören die österreichischen) so verwendet. Ich bezweifle aber, dass Herr Arnu das weiß, und wenn, dann muss er es erklären. H. hat ein wenig Einblick in die Produktionsbedingungen von Journalisten, vor allem bei großen Zeitungen, und das würde viel erklären, wie der Herr Arnu zu solchen Aussagen kommt.
    H. hält es lieber mit dem, was Herr Rau oben sagte.

  21. Liebes Fräulein read on,
    Ich liebe Ihr Blog. Das Wort „kurios“ passt nicht ganz… manche Geschichten haben etwas liebenswert skurriles. Aber was Ihr Blog für mich so besonders macht: jeder Ihrer Texte berührt mich. Bewegt mich. Erreicht mich. Das ist etwas sehr kostbares. Dankeschön. Bitte weiter schreiben! Alles liebe.

  22. Liebes Fräulein Readon, in ihren Kurzgeschichten lese ich Kurioses nur dann, wenn es von Ihnen auch so gemeint ist. Sie verstehen es sehr gut, sich schriftlich exakt auszudrücken. Ihre Art zu Schreiben hat rein gar nichts mit Dilettantismus zu tun.
    Vielleicht ärgert die Herren der schreibenden Zunft das Umsonst?! Wer weiß.

  23. Es soll kalt auf dem Mond sein…und in den Etagen der Mr.Wichtig auch. Nur bemerken diese das nicht, denn sie hatten nicht das Glück einer liebenden Großmutter mit Herzenswärme . Sie können die Worte Empathie, Glaube und Demut schreiben, das Fühlen ist ihnen fremd.
    Ich lese hochgelobte Bücher nicht, eben weil sie hochgelobt sind. Selten geschieht es, dass eines „meiner“ Bücher unter den Bestsellern landet. Die Kritiken und Talkshows dazu fühle ich oft als eine Beschädigung. Der wunderbare Mark Twain sagte „Immer wenn man die Meinung der Mehrheit teilt, ist es Zeit sich zu besinnen.“
    Ach, und den Gärtnerberuf als Erniedrigung einzuordnen ist nur traurig – Gärtnern und Lesen welch warme Lebensinhalte!!! Bereits Cicero sagte “ Wenn du einen Garten und eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen.“ Liebe Sophie, schreiben Sie weiter und genießen Sie den Zuspruch Ihrer Leser – die anderen sind nicht wichtig. Mit einer frischen Meeresbrise grüße ich Sie.

  24. Ich habe Ihre Was-finden-wir-hier-Aufzählung sofort um einige Inhalte ergänzt … unter anderem sehe ich ‚Kälbchen‘ vor meinem inneren Auge – ob ungezogen oder nicht.

    Bei einem kurzen Blick in Ihr Blog mag die Ungezogenheit von Kälbchen (beispielsweise) auf den ein oder anderen kurios wirken, aber sie ist es nicht. Kälbchen und die unerklärlichen Dinge des Lebens werden nur sehr gut wahrgenommen und ‚übersetzt‘. Das können gute Schriftsteller. 🙂

    Dennoch wirkt der SZ-Artikel im Grunde nicht überheblich auf mich, sondern so, als hätte der Redakteur einen Formulierungsfehlgriff getan: Er schreibt von ‚kuriosen Kurzgeschichten‘, dabei sind es meiner Ansicht nach doch weder Kurzgeschichten noch kuriose Kurzgeschichten. Abgesehen davon ist es natürlich auch sein gutes Recht, die Blogtexte ‚kurios‘ zu finden.

    Ich sehe es anders und lese hier, weil du warmherzige, erkenntnisreiche Texte schreibst. Texte, die den Geist bewegen und vor allem – so empfinde ich es – voller Mitgefühl sind! Weiter so, my dear: Read on! Write on!

  25. Widerspruch würde ja bedeuten, dass man seinem Gegenüber auf Augenhöhe begegnet, das aber fällt diesen zutiefst unsicheren Menschen besonders schwer, die, ständig auf der Jagd nach Anerkennung, ihr Fähnchen mal in diesen mal in jenen Wind hängen und dann eben nur Herablassung übrig haben für jeden, dem die Götzen egal sind, die sie sich gewählt haben. Aus Angst, man könnte ihnen auf die Schliche kommen, könnte hinter ihre hochtrabenden Worte blicken und dort ins Nichts starren, müssen sie jeden erniedrigen, der ihr gewähltes Spiel nicht mitspielt, sondern nicht nur zeigt: ich bin anders, sondern sich auch noch erdreistet, dieses Anderssein völlig in Ordnung zu finden. Das hält ihnen den Spiegel vor, und in diesem Sinne ist Ihr Blog mit den kuriosen Geschichten,wertes Fräulein, tausendmal mehr wert als die Meinung des Feuilletons, das ja auch nur der vermuteten Meinung seiner Leserschraft hinterherschreibt und nichts eigenes schafft.

  26. Also ich liebe diesen Blog, ob kurios, seriös oder egal wie… es spricht mich an, was da in Buchstaben aneinander gereiht ist. Es ist menschlich und warm und tut der Seele gut, der des Lesers und der des Schreibers. Was will man/frau/? mehr

  27. Betrachten wir uns hier doch einfach als elitären Club der Sonderlinge, fernab von Feuilletons und gelehrten Schreiberlingen. Wir lesen Blogs, schreiben sie vielleicht auch, ganz umsonst, essen Porridge und lächeln einfach manchmal über die klugen Journalisten. Wie so Kuriositäten.

  28. Nehmen Sie sein Wort „kurios“ als Gütesiegel. Vielleicht bewundert der Journalist Sie ja auch für ihre Geschichten, Gedanken und Ideen, die so völlig anders sind, als alles was der Mainstream schreibt. Vielleicht wünscht er sich mehr von solchen Kleinoden und Raritäten und freut sich, dass er darauf gestoßen ist. Vielleicht haben ihn Ihre Geschichten verblüfft oder unerwartet getroffen. Ich empfinde „kurios“ nicht als negativ, sondern eher als etwas, was mich neugierig macht auf mehr. Wie das englische Wort „curious“.

  29. Was man sucht, das findet man hier: Herzlichkeit, Trost, Traurigkeit, Interessantes, Wissenswertes, Tiefgründiges, Historisches, Lustiges, Feinfühliges und vieles mehr. Darum sind wir hier. Und ich finde, wenn man ganz genau liest, dann hat ja das englische curious den Wortstamm cure, der heilen, kurieren heißt. Wenn man schon die Welt nicht heilen kann, so doch hier so viele Dinge, die sich hinter Menschen verbergen, die hier lesen. Insofern sollte man auch hinter das Wort und seinen Gebrauch schauen.Aber das liegt nicht jedem Journalisten: Lassen Sie sich doch nicht von blasser Herablassung blenden und vom Weg bringen. Daraus sprechen Neid und Missgunst, und solche Eigenschaften mag kein Mensch! Go on, Readon!

  30. Ich empfinde kurios auch nicht als abwertendes Wort. Es hat – auch im Englischen – viele Konnotationen. Und ich würde mich auch nicht an einer einzigen von mir als negativ gewerteten Bemerkung so „aufhängen“. Und dass der Journalist, der sonst ja ganz nett schreibt, Blogs nicht kennt, na ja… Ein bisschen ist das ein Sturm im Wasserglas. 😉

  31. Wie kann man nur Gärtner herablassend benutzen! Ich wäre gerne ein Gärtner, wie Sie schreiben. Ich wäre gerne ein Zeichner, wie Sie sehen. Ich würde gerne denken, wie Sie fühlen. Ich lese Sie sehr gerne. Habe ich schon jemals DANKE dafür gesagt? Wenn nicht, dann tue ich es jetzt;es ist höchste Zeit.

  32. Es ist kurios. Titus Arnu, der Verfasser, der „kuriosen“ Einschätzung hat nämlich nicht nur mehrere Bücher verfaßt, sondern darunter tatsächlich fünf Bände «Übelsetzungen». Also über „Sprachpannen aus aller Welt“ …
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    In der Goethezeit wurde besagtes Wörtchen übrigens noch ‚curios‘ geschrieben. Und wenn es beim Meister höchstselbst an einer Stelle heißt: „Es ist doch curios, daß jetzt die schlimmsten Leute immer in die Höhe kommen“, kann man mal wieder nur verwundert feststellen, wie es – bei allem Wandel – doch so manche Konstante im menschlichen Leben gibt.
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    Von August Kestner, dem Sohn Charlotte Buffs, die als Lotte in die Weltliteratur Eingang fand, stammt übrigens folgende Einschätzung, die ins Zentrum obigen ‚Kuriositätenkabinetts‘ führt:
    „Einen unangenehmen Eindruck macht mir, von Göthes Nachsprechern gar zu vielen Dingen die Eigenschaft „curios“ beylegen zu hören. Wenn dieses Wort dann gebraucht wird, wenn bedeutendere Eigenschaften anzuerkennen und auszudrücken wären, so zeugt es von Gleichgültigkeit, wo man Hochachtung haben müßte; hilft man sich nur mit dem Urtheil, daß etwas curios sey, um ein Ausführlicheres oder Bestimmteres zu vermeiden, so erregt man den Verdacht der Feigheit; alles curios nennen, um alles gelten zu lassen, fließt aus Übermuth; indem man dann alles ausser Sich Selbst in eine Classe setzt.“

  33. “Nebenbei schreibt sie auf ihrem Blog
    kuriose Kurzgeschichten“
    Dieses ist der Satz, der – für mich unverständlich – so viel Anstoß erregte, innerhalb eines sehr freundlichen Artikels, der sich mit der Person der Autorin und dem Buch befasste. Nicht das Blog, die Geschichten nannte er kurios.
    Und warum sollte er das nicht dürfen?
    Ich erinnere mich, dass sich das Fräulein selbst öfter als merk-würdig (eine Lesart von kurios) titulierte, ebenso als Shetland-Pony. Es sind eben ungewöhnliche Geschichten hier zu lesen, sehr literarisch, und das macht diese Lektüre hier doch für uns Leser/innen so reizvoll, eine Mischung aus Dichtung und Wahrheit.

    • Liebe Trulla, Sie haben ja nun schon mehrfach eine sehr positive Lesart beigetragen, die ich natürlich respektiere. Ich teile sie aber nicht, sondern lese das wie beschrieben anders. Mehr kann und will ich dazu eigentlich nicht sagen.
      Ich betreibe dieses Blog hier mit zu viel Mühe und ja auch Sorgfalt, um mich dafür spöttisch tätscheln lassen zu müssen.

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