Kein Anlass zur Aufregung.

Dreiundzwanzig war ich, oder vielleicht auch erst einundzwanzig. Ganz sicher bin ich mir nicht mehr, denn damals war ich mir über fast nichts sicher, oder anders mich gab es eigentlich nur in Bruchstücken, die mir zwar geähnelt haben mögen, aber die niemals eine ganze, eine eigene Person gewesen sein können.

So war das damals, das war ich.

Wann genau oder wie ich den A. kennengelernt habe, auch das weiss ich nicht mehr. Zu verschwommen sind die Jahre oder Nächte oder auch beides im Nachhinein.

Vielleicht war es auf der Langen Nacht der Volksbühne, aber es kann ebensogut in einem kleinen Cafe irgendwo in Montpellier gewesen sein.

Irgendwann war der A. einfach da.

Das dachte ich jedenfalls.

Da wusste ich noch nicht, dass der A. nicht einfach da war, sondern da war, wo ich war.

Der A. war so unauffällig, dass es schon wieder auffällig war. Das jedenfalls erinnere ich ganz genau, meine Verwunderung darüber wie schwer es mir fiel, selbst wenn ich mit ihm zusammensass mich an sein Gesicht zu erinnern. Einmal waren seine Augen milchig blau, so als habe er die Farbe seiner Augen selbst mit dem Tuschkasten angerührt, aber dann war mir wieder als wären seine Augen doch blank und grau wie ein Kieselstein, den man manchmal findet und wenn man noch überlegt ihn einzustecken, verschwindet er wieder. Selbst seine Haarfarbe war ein weder noch. Weder Braun noch Blond noch Rot. Das Auffälligste an ihm waren noch die Schuppen, die ihm wenn er sich durch die Haare fuhr leise auf die Schultern rieselten. Aber auch das ist ja im eigentlichen Sinne nichts Bemerkenswertes

Das habe ich behalten von der Sache mit A., dass es Unaufälligkeit nicht gibt. Aber das kommt erst später.

Erst sitze ich ja mit dem A. auf einem Kissen mit rotßweissen Kissen oder einem Gartenstuhlk mit harten Streben und wenn ich auch vergesse habe, was der A. trank, so weiss ich doch noch, dass damals in allen Gläsern Eiswürfel klirrten. Es muss ein heisser Sommer gewesen sein.

Es war ein Sommer in dem ich A. kannte, obwohl das nicht stimmt.

Kennengelernt habe ich A. erst, da war schon kein Sommer mehr.

Es stimmt auch nich zu sagen, dass der A. und ich in diesme Sommer allein gewesen wären. Immer waren Freunde oder Bekannte oder Arbeitskollegen in der Nähe. Sie sassen an einem Nebentisch oder im gleichen Theaterstück oder auch sie frühstückten klebrige Croissants mit dicker Erdbeermarmelade.

Allein waren der A. und ich nur drei oder viermal, aber das gehört auch schon zum Später.

Aber wenn ich heute zurückdenke an jene Wochen, dann ist es schon auffällig, dass A. immer wie zufällig neben mir zu sitzen begann oder gerade dann auch eine Limonade trank, wenn ich den Deckel an einer Flasche an einer Tischkante aufschnipste und auffällig ist im Nachheinin auch, dass der A. immer Theaterkarte hatte, die ihm einen Platz genau neben meinem auswies. Aber damals habe ich mir keine Gedanken über derartige Zufälle gemacht, damals war mein Deutsch schwerfälliger noch als heute und ich selbst, aber das sagte ich bereits niemals Ganz, sondern immer nur Etwas, dieses Ich.

Ich war oft müde in diesem Sommer, denn ich arbeitete in der Nacht. Vielleicht habe ich auch deshalb nichts bemerkt, aber damit will ich vor allem mich selbst überzeugen, denn ich erinnere vieles aus den Nächten in denen ich arbeitete viel klarer als ganze Jahre.

Der A. hatte eine fast monotone Art zu sprechen, verfiel niemals in einen Dialekt oder gab seinen Worten eine regionale Note, aber dann wiederum habe ich Zweifel, ob er denn Hochdeutsch sprach oder nicht doch eine Note in seiner Stimme lag, die ich nur nicht zu entziffern vermochte.

Der A. sprach viel damals. Von seiner Einsamkeit in Berlin, von seinem lieblosen Vater, der ihn und seine Schwester über Wochen ignorierte, nur um dann ganz plötzlich aus der Haut zu fahren, von seinem Traum einmal die Anden zu sehen, von der Langweile im Studium und der Angst davor, dass am Ende nur die Leere bliebe.

Ich nickte zu all dem nur. Am Liebsten hörte ich noch die Geschichten aus seiner Geburtsstadt, die er zwar niemals beim Namen nannte, aber der er hübsche Giebel und eigenwillige Charaktere gab, die mir gefielen.

Eine Antwort erwartete er nicht.

Vielleicht hätte ich aufmerksamer zuhören müssen, vielleicht hätte ich aufhorchen müssen, wenn er mit kalter Verachtung von Mitschülern sprach, die sich im Nachhinein immer als Mitschülerinnen herausstellten.

Eine Lisa hatte ihn einmal mit einer Geburtstagseinladung geködert, aber als er mit Pomade im Haar und einem Geschenk unter dem Arm am Nachmittag bei ihr klingelte, da schüttelte Lisas Mutter den Kopf und sagte: Mein Junge du musst dich im Datum vertan haben, Lisas Geburtstagsfeier war doch am letzten Donnerstag.

Eine Lydia hätte ihn auf dem Parkplatz vor der Tanzschule warten lassen und sei statt mit ihm mit einem Tobias zum Abschlussball gegangen. Er hätte geweint damals auf dem Parkplatz hinter der Tanzschule und als ich ihn ansah, glaubte ich für einen Moment er würde wieder anfangen zu weinen.

Vielleicht hätte ich ihm ein Taschentuch anbieten sollen, aber ich hatte wohl kein Taschentuch dabei.

Aber dann sprach er ohnehin wieder von einem Landschaftsmaler oder einem Gymnasiallehrer mit einem Holzbein und ich vergaß die Geschichten seiner Demütigung unter meiner Müdigkeit.

Angstzustände plagten ihn manchmal, sagte er und sah mich, es sei ihm dann unmöglich allein zu sein.

Vielleicht hätte ich ihm Hilfe organisieren müssen oder auch einfach nichts sagen müssen, aber ich sagte: „Ich kann Dir das Gästebett beziehen.“

Er trank Tee in der Küche, während ich das Kopfkissen bezog.

„Danke“ sagte er und „ich glaube du bist meine erste Freundin.

Ich war mir nicht sicher, was er eigentlich meinte.

„Schlaf gut“, sagte ich.

Irgendwann in der Nacht wachte ich auf, denn ich schlafe noch heute sehr leicht.

Er stand neben meinem Bett mit heruntergezogener Hose und rieb seinen Penis in seiner Hand.

Irgendwann war er fertig und ging leise aus dem Zimmer heraus.

Am anderen Morgen aber war er so normal und so unauffällig wie immer, so dass ich mich wunderte ob ich das alles nicht nur geträumt hatte.

Er zog die Wohnungstür ganz leise hinter sich zu.

Für ein paar Wochen war alles unverändert.

Ich war mir fast sicher, dass der A. niemals mit heruntergezogener Hose neben meinem Bett gestanden hatte.

Aber dann eines Abends klingelte er ganz aufgelöst, schluchzend schon im Treppenhaus, eine wilde Geschichte phantasierte er dann zusammen, die ich nicht mehr ganz genau zusammenbekomme. Eine Dozentin an der Universität, die ihn heimtückisch ins Messer habe laufen lassen und schon während der Prüfung hämisch gelacht habe, so etwas in der Tat.

„Setz dich doch erstmal“, sagte ich zu ihm.

Es war heiß und ich war so müde. „Du liebst mich doch“, sagte er.

Aber ich schüttelte den Kopf.

„Nein“, sagte ich und drehte mich um nach zwei Gläsern.

Aber die Gläser habe ich nur mit den Fingerspitzen erreicht.

Da drückte mir der A. schon seine Hände um den Hals und flüsterte: „Nun stell dich nicht so an, du willst es doch auch.“

„Was für ein Klischee“, dachte ich. Das sagt doch niemand und trat mit den Füßen nach seinem Bein, auch um wieder Luft zu bekommen.

Der A. fiel gegen den Küchenschrank.

„Geh jetzt bitte“, sagte ich und wenig später ging auch ich zum Dienst.

Aber am Wochenende als ich die Anderen traf zu denen auch der A. gehörte, da sahen sie mich komisch an.

„Das hat der A. nicht verdient,“ sagte die G.

„Und wie krass bist du denn drauf“, sagte die H.

Ich schwieg.

Ich wusste ja auch nicht worum es ging.

Der A. hatte seinen Arm bandagiert und war von einer Gruppe Frauen umgeben, die ihn trösteten.

Er erzählte allen, ich sei so geil auf ihn gewesen, dass als er sich meiner erwehren wollte, ich ihn in den Arm gebissen hätte.

Ich wollte etwas sagen, aber ich bekam keinen geraden Satz mehr heraus.

Dann bin ich gegangen.

Das war das Ende des Sommers.

Nur einmal noch habe ich den A. getroffen, zufällig fast, auch wenn ich da schon nicht mehr an Zufälle glaubte.

Er stand vor mir ganz plötzlich mitten auf der Straße und hielt einen Schlüssel in der Hand, der so aussah wie mein Wohnungsschlüssel. In seiner monotonen und so ganz und gar unauffälligen Aussprache sagte er weder wütend noch ängstlich, sondern fast wie mit milder Nachsicht:

„Eines Nachts komme ich zu dir und wenn ich mit dir fertig bin, wird niemand dir glauben.“

Dann ging er und weil er doch so unauffällig war, verlor ich ihn schon an der nächsten Straßenecke aus den Augen.

Ich wechselte das Schloss aus und das war alles.

Gesehen oder gehört habe ich vom A. nie wieder etwas.

Sein Name muss in Wirklichkeit ein ganz Anderer gewesen sein.

Erzählt habe ich niemanden etwas davon und auch heute wenn ich zurückdenke, dann erinnere ich mich vor allem an das Gefühl wie normal, ja wie zwangsläufig mir dieses Erlebnis schien, so als sei das alles eine ganz normale Konsequenz, die sich nicht vermeiden lässt als Mädchen von 21 oder auch 23 Jahren.

Auf die Idee eine Anzeige aufzugeben oder gar die Polizei zu rufen, war ich nicht gekommen, denn war denn in Wirklichkeit überhaupt etwas geschehen und war das Geschehene nicht dann doch auch fast lächerlich zu nennen? Kein Anlass zur Aufregung, so viel stand fest.

Ich schwieg also lieber und überhaupt arbeitete ich viel in diesem Sommer, der kein Sommer mehr war.

Dieses vollständige Ausbleiben auch nur einer leisen Überraschung über das was da war, das ist mir geblieben von jenem Sommer mit A. auch noch zehn Jahre danach.

46 thoughts on “Kein Anlass zur Aufregung.

  1. Liebe Read On
    Ich lese manchmal (oft auch irritiert) mit, aber diese Geschichte haut mich um: da ist Eine im Stücke gegangen – und weiss sich trotzdem zusammenzuhalten – danke derjenigen Frau, die dich dieses Kunststück gelehrt hat. Deine Grossmutter??

      • das mag sein, aber dennoch schnürt mir die geschichte beim lesen von zeile zu zeile immer mehr den hals zu. frl read on, die frau die mit endgültig zugedrücktem hals gefunden wird, ist die dann auch kein anlass mehr zur aufregung? entschuldigung für diese bös formulierte frage, aber ich bin gleichzeitig hals zugeschnürt, bodenlos hilflos wütend, wahrscheinlich, ja wahrscheinlich weil jede von uns (ich nehme mich nicht aus, bei mir wars ein mopedfahrer vor der haustür + die scham, mit 15 angewixt zu werden war schlimmer als das entsetzen) so eine geschichte oder mehrere erlebt hat. manche bleiben heile, andere gehen dran kaputt. wir tragen die kleinen narben überall.

  2. Was für ein freak, und was für ein starkes Scherbenmädchen! Ich hoffe der A. ist in Therapie gegangen, bevor er auf eine weniger starke Frau geteoffen ist.

    • Ich glaube der A. ist nicht einmal ein Frak, er ist nur einer jener Männer, die glauben ihre Frustration und Enttäuschung an Frauen auslassen zu dürfen und das scheint mir die Regel nicht aber die Ausnahme zu sein.

      • Ich glaube nicht, dass Männer, die sich so verhalten, die Regel sind (so kenne ich es zumindest nicht, glücklicherweise). Dennoch stimme ich Ihnen zu; jeder Mann, der Frustration und Enttäuschung an einer Frau auslässt, ist einer zuviel.

  3. Für den A. fallen mir viele Worte ein, die ich hier lieber nicht aufschreiben möchte. Erstaunlich ihr souveräner Umgang mit dem Vorgefallenen. Und dass dieses Erlebnis Sie nicht überrascht hat, macht mich traurig; ich wünsche Ihnen von Herzen, dass eines Tages die guten Erfahrungen überwiegen mögen.

  4. Was für eine Laus von Mensch! Das konnte ich mir gerade nicht verkneifen. Dass Sie das Geschehene nicht überrascht hat, erschreckt mich. Ich wünsche Ihnen fortan nur noch wunderbare, warme, weichherzige und liebevolle Erfahrungen!

    Eines muss ich hier noch los werden – doch, es war schlimm genug, was A. getan hat. Schlimm genug, um ihn anzuzeigen. Das muss ich einfach schreiben, weil wir Frauen viel zu oft der Ansicht sind, dass wir uns nur nicht anstellen sollen und damit schützen wir solche Täter und das darf nicht sein.

    Ich verurteile Sie nicht. Aber ich finde es ist wichtig offen zu sagen „Doch, es war schlimm genug und hätte bestraft gehört“, denn noch viel zu oft werden Opfer von sexuellem Missbrauch (egal in welcher Form) nicht ernst genommen und die Täter verharmlost. Das muss aufhören. Sagt eine, die sich mal Überlebende nannte.

    Liebe Grüsse, auch an den treuen, alten Hund und die Katze!

    • Ja, dieses kollektive Schweigen deckt die Täter und auch die Vielzahl dieser Erfahrungen, die so internalisiert sind und deren Zwangsläufigkeit für so normal gehalten wird, decken die Täter. Ich wünschte ich hätte eine bessere Antwort, damals wie heute und hoffe wenigstens durch das Aufschreiben hier, werden die Täter sichtbarer. Geben Sie gut auf sich acht.

  5. Liebe Readon,
    Ich glaube es gibt leider viel zu viele von uns, die sich nicht gewundert haben als aus etwas Harmlosen etwas weniger Harmloses wurde und die danach nie darüber geredet haben. Es tut mir leid, dass Ihnen das passiert ist und noch viel mehr Leid tut es mir, dass Sie keinen Rückhalt erfahren haben.

    • Ich glaueb auch, dass es fast keine Frauen gibt, die nicht eine solche oder eine ähnliche Erfahrung gemacht haben und diese Erfahrung dann normalisiert haben, denn das ist ja immer noch die ganz und gar traurige Realität

  6. Erschütternd.
    Ich habe die Erfahrung machen müssen, dass man sich früh genug von bestimmten Leuten stark abgrenzen muss. Das ist schade, weil von diesen Leuten sicher viele Menschen einfach nur etwas schräg ins Leben gebaut sind – aber die wenigen anderen sind einfach zu gefährlich.

    Wie gut, dass Du so stark warst.

  7. Ich weiss nicht wirklich, was ich schreiben soll, es hat sich alles zusammen gezogen bei mir. Es ist so ungeheuerlich und niederträchtig von diesem Menschen. Ich finde es sehr gut, dass sie es aufschreiben und teilen.

    • Ja, es war eine Erfahrung der besonderen Art. Man muss es vielleicht deshalb aufschreiben, weil es eine Möglichkeit ist die Mechanismen dieser Menschen offenzulegen, sie selbst bleiben ja gern im Schatten.

  8. „Aber am Wochenende als ich die Anderen traf zu denen auch der A. gehörte, da sahen sie mich komisch an.“

    Hoffe sehr, dass diese Anderen von damals heute zur Kenntnis nehmen, dass der A. sich sexuellen Missbrauch betrieben hat und seine gewaltsamen Grenzverletzungen mit erbärmlichem wie verlogenem Opfergejammer ungeschehen machten wollte.

    Lassen Sie sich nicht einschüchtern von den Verleugnungsstrategien dieses
    Täters und das ihn deckende Umfeld.

    Dass Sie die jetzt offen das perfide Tun dieses A. benennen (können) finde ich echt stark.

  9. Dann erinnere ich mich vor allem an das Gefühl wie normal, ja wie zwangsläufig mir dieses Erlebnis schien, so als sei das alles eine ganz normale Konsequenz, die sich nicht vermeiden lässt als Mädchen von 21 oder 23 Jahren…Das kenne ich genau so und fühle Leere…für wieviele Mädchen und Frauen das wohl tatsächlich Normalität war und ist?

  10. Es tut mir sehr leid, dass sie eine solche Erfahrung gemacht haben. Aber es ist wichtig darüber zu reden. Und es zeigt, dass zb ihre Aufklärungsarbeit sehr wichtig ist.
    Ansonsten fehlen mir gerade irgendwie die Worte… Bleiben sie stark, geben sie bitte nicht auf. Ich freue mich auf jeden ihrer Artikel.

    • So schrecklich das Klingen mag, ich glaube es ist eine ganz übliche Erfahrung, die fast alle Mädchen und Frauen einmal machen.

  11. Solche Geschichten wird man nicht los, nicht einmal durch das Aufschreiben. Und genau darum muss man schnell sein manchmal, sehr schnell…Und aus solchem Grund wünscht man manchmal Böses und weiß doch, es tut einem selbst nicht gut und ändert nichts. Liebe Grüße!

    • „Solche Geschichten wird man nicht los, nicht einmal durch das Aufschreiben.“

      Das mag so sein. Auch wenn erlittene Gewalt und Missbrauch nicht ungeschehen gemacht werden können, heißt das aber nicht, dass, wer einmal Opfer solcher Widerwärtigkeiten wurde, immer Opfer bleibt.

      Das Tatgeschehen offen bis öffentlich zu benennen ist ein wesentlicher Schritt sich frei zu machen aus einer möglichen Opfer-Täter(in)- Geheimhaltungsdynamik. Dadurch kann das ‚Opfer‘ aus der Ohnmacht
      heraus finden, in die der Missbraucher es hinein gedrängt hatte.
      Ob und in welcher Weise MißhandlerInnen für ihre Taten Verantwortung übernehmen ist eine andere Sache.

  12. Ja da könnten sie leider Recht haben. Ich versuche meine beiden Söhne anders zu erziehen. Sie lernen von klein auf, Frauen und generell ihre Mitmenschen mit Respekt zu behandeln. Vielleicht ändert sich dann irgendwann doch etwas…

    • Ich bin mir nicht sicher, ob es der richtige Weg ist, seinen Kindern beizubringen, ihre Mitmenschen generell mit Respekt zu behandeln. Nicht alle Menschen verdienen, mit Respekt behandelt zu werden. Ich denke hier z.B. an einen gewissen A., der den Respekt, mit dem er behandelt wurde, offensichtlich nicht verdient hat.

      • Der Begriff „Respekt“ wird vermutlich unterschiedlich definiert.

        Ich betrachte „Respekt“ der Menschenwürde zugehörig, die nicht
        verdient werden kann. Wer die Menschenwürde verletzt, wie im Falle dieses gewissen A., verwirkt damit nicht seine Menschenwürde, sondern
        gehört für sein ‚respektloses‘ Verhalten zur Verantwortung gezogen.

      • @Ute Plass: Es gibt keinen Grund, jemanden mit Respekt zu behandeln (ihm Aufmerksamkeit, Wertschätzung, Ehrerbietung entgegenzubringen), der durch sein Verhalten erkennen lässt, dass er dieses nicht verdient. Gleiches gilt für Vertrauen, Entgegenkommen, Höflichkeit. Nichts davon stellt eine Missachtung seiner Menschenwürde dar.

      • @Stephan – wie gesagt, es kommt darauf an, wie der Begriff „Respekt“ jeweils verstanden wird, und im Falle eines A., der keine Verantwortung für
        seine „Respektlosigkeiten“ übernimmt, sehe ich das nicht anders
        als Sie.

  13. Weißt du was ich nicht verstehe? Warum lassen wir es zu, dass Leute wie der A. ein zweites mal zu uns kommen dürfen. Warum reden wir uns ein, dass da sicher nichts war? Warum lassen wir es zu, dass der A. neue Frauen um sich schart und werden nicht laut und können uns gemeinsam wehren?
    Ich habe eine Tochter und wünsche mir für sie und ihr Freundinnen, dass sie ganz und heil glücklich sein dürfen. Ich frage mich oft, wie ich ihr auf ihrem Weg helfen kann.

    • Diese Frage treibt auch mich in Bezug auf meine Kinder um. Ich glaube, es würde z.B. schon mal helfen, den eigenen Kindern nicht zu vermitteln, immer überall nett und freundlich sein zu müssen.

      • jepp. den kindern beizubringen, dass es vollkommen richtig ist, wenn sie sich gegen übergriffe zur wehr setzen. mädchen beizubringen, dass sie laut werden dürfen. meine teenagertochter ist von blöder sexueller anmache (sie auf dem rad an der ampel, hat rot, neben, hinter ihr ein trupp angesoffener männer) so angekratzt, dass sie nur noch abhauen will und es zum glück kann, sich das fick dich doch, das ihr spontan auf den zunge liegt, nur flüstert, weil sie angst hat und heulend zuhause ankommt.

      • @eva: Situationen, in denen ich das Gefühl zu hatte, der Bosheit anderer Menschen hilflos ausgeliefert zu sein, gehören zu den Schlimmsten, die ich in meinem (glücklicherweise recht ereignisarmen) Leben erlebt habe. Ich hoffe, Ihre Tochter kommt darüber hinweg. Vielleicht hat sie ja Lust, einen Selbstverteidigungskurs zu machen, allein, um etwas gegen das Gefühl der Wehrlosigkeit zu unternehmen.
        Ansonsten zeigen Sie ihr das hier, vielleicht muntert es sie ja auf: https://m.youtube.com/watch?v=oe2E8SiCkt8

    • @Ute:
      Ich kann Ihnen das Buch „Mein Körper gehört mir!“ empfehlen. Es ist schon für Kinder im Vorschulalter geeignet und vermittelt, dass auch Kinder Grenzen ziehen und Nein sagen dürfen und sollen.
      Ebenso gelungen und für die gleiche Altersgruppe gedacht ist „Ich und meine Gefühle“. Dort wird Kindern erklärt, dass auch vermeintlich „schlechte“ Gefühle wie Wut oder Angst etwas normales sind und zugelassen werden dürfen.
      Beide Bücher sind wunderbar treffend illustriert und kommen mit wenig Text aus, alles andere ergibt sich durch Fragen und Antworten zum Gelesenen bzw. zu den Bildern.

  14. Pingback: Zuckersüss 330 | Zuckerbäckerei

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