12 Bilder, ein Tag. Irland Ausgabe

Gestern war es wieder so weit. Ganz Bloggersdorf sammelte 12 Bilder eines Tages und da will auch die Außenstelle: Kleinst-Gälisch-Bloggersdorf nicht fehlen.
Ganz Bloggersdorf zeigt seine zwölf Bilder schon immer bei Draußen nur Kännchen

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Zugausblick. #1v12 #12von12 #morningcommute

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Meine Tage beginnen alle mit einer Zugfahrt. Seitdem ich in Irland lebe, pendle ich und ich tue es nicht gern. Die Züge sind unpünktlich, alt und abgeranzt. In all den Jahren habe ich noch nicht einen neuen Zug gesehen. Verspätungen sind die Norm, Fahrplanwechsel passieren einfach und die Idee, dass man bei Verspätungen eine Entschädigung bekäme ist der irischen Bahn vollständig fremd. Wer so dumm ist zu pendeln, der ist selber schuld, so ihr Motto und nein, ich pendle wirklich nicht gern.

Die Mondsteinscheibenfabrik am Morgen. Wie wohl jede Fabrik ist auch diese Fabrik eigentlich ein Roman. Ich wäre nicht verwundert, käme eines Morgens auch Thomas Buddenbrook mit mir zur Tür herein.

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Eisiger Blick. #3v12 #12von12 #polarbears #theymadeitsofar

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In der Kantine sind die Eisbären los. Sie machen ziemlich ernste Gesichter, das mag an der weiten Reise liegen, aber man erzählt sich, dass sie Nachts, heimlich Wasserball spielen und an gefrorenen Lachswürfeln lutschen. Die Eisbären also sind voller Ernst und Würde und auch wir gehen alle ein bisschen aufrechter. Niemand will der Erste sein, den ein mächtiger Prankenschlag trifft.

Den lieben langen Tag also tue ich lauter Dinge, von denen hier nicht berichtet werden kann. Aber berichtet werden kann von meiner grossen Liebe zu Snickers Riegeln, die mich regelmässig davor bewahren den Geduldsfaden mit der Auszubildenden zu verlieren. Snickers und der Weltfrieden it’s a thing!

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Letztes Licht. #5v12 #12von12 #blauestunde

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Die Fabrik liegt in einer Landschaft, die eigentlich ein Märchenwald sein müsste. Vielelicht schleicht ja doch ein Zauberer in einem himmelblauen Mantel durch die Wiesen und Felder, lehnt sich an einen Baum und liest Benn-Gedichte, die doch viel zu viele Rosen haben.

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Die Welt mit Kinderblick. #6v12 #12von12 #augenblick

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Auf dem Heimweg er erhöhe ich auf Bus und Bahn. Im Bus sitzt ein kleines Mädchen vor mir. sie dreht sich um und sagt: „Willst du meine Freundin sein?“ Ich will natürlich unbedingt ihre Freundin sein. Sie malt mit der Fingerspitze lauter Figuren an die beschlagene Fensterscheibe und ich male mit. Immer wieder sehe ich unendlich gern dabei zu wie Kinder unsere Welt besehen. Wir winken uns zum Abschied lange zu. So macht man das unter Freunden.

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Blick ins Glück. #7v12 #12von12 #swimming

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Mittwochabende sind Schwimmbadabende. Ein Schwimmbad ist ja auch ein kleines Meer, wenn auch eher eins aus Menschen, denn aus Schaum und Salz und kaltem Wind. Das Menschenmeer riecht nach den Parfümgeschenken vieler Schwiegermütter aus dem vergangenen Jahr, die jetzt doch wenigstens einmal probiert werden müssen, denn bald gibt es eine Flasche in teurem Papier. Ich schwimme jeden Tag. An den ungeraden Tagen drei Kilometer und an den geraden Tagen fünf. Manchmal tue ich so als ein gerader, eigentlich ein ungerader Tag und manchmal so als ein ungerader ein gerader Tag. So ist das mit mir.

Es gibt Menschen, die sehen nach dem Sport aus als seien sie geradewegs eine Schwester der schaumgeborenen Aphrodite. Ich leider nicht. Ich sehe aus als sei ich gerade noch einmal dem Nöck entkommen, wenn ich mich aus dem Wasser hieve. Mein Haar ist struppig und ich schniefe wie ein Walross. Ich wünschte das wäre anders, aber es ist eben genau so.

Draussen braust der Sturm. Die beste Aussicht haben die Heiligen. Aber ihnen weht auch Wind ins Gesicht und ich bin mir sicher alle Heiligen haben einen fiesen Schnupfen. Hatschi!

Irgendwann muss der Mensch ja auch etwas anderes essen als Snickers-Riegel.

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Blick ins Buch. #11v12 #12von12 #nowreading

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Was schon so spät? Ian McEwan hat eine Oper geschrieben und ich summe ein bisschen vor mich hin.
Nicht im Bild, der schnarchende Hund, die schnurchelnde Katze und der hustende Wind vor dem Fenster.

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Gute Nacht. Das Licht ist aus. #12von12 #12v12

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Jetzt aber Licht aus. Die Glühbirne mag auch schon nicht mehr.
Augen zu und Miau!

 

26 thoughts on “12 Bilder, ein Tag. Irland Ausgabe

  1. Ihre Liebe zum Wasser teile ich und ich wünschte, ich wäre ein so guter Schwimmer wie Sie. An mir ziehen selbst bleierne Enten höhnisch schnatternd vorbei.
    Übrigens: so wie Sie nach dem Schwimmen strahlen und leuchten, da kann Aphrodite einpacken (nein, streiten Sie das nicht ab, ich habe die Fotos gesehen).

  2. Liebes Fräulein readon,
    sie sehen wunderbar aus nach dem Schwimmen. So schöne große braune Augen. Wer nach dem Sport zu gut aussieht, hat sich vielleicht nicht genug angestrengt 😀
    Liebe Grüße
    Rachel

  3. Liebes Fräulein readon, danke für die Einblicke! Ich habe den Eindruck, dass Ihre Seele vielleicht wieder etwas fröhlicher ist? Jedenfalls liest es sich so. Beschwingter. Das wäre schön!
    Liebe Grüße aus Berlin

  4. Es wird immer schwerer, nicht unwissentlich etwas falsches zu machen. heute: Barilla. Ich empfehlte De Cecco, viel leckerer, bis bei denen auch ein Skandal aufgedeckt wird. Vermutlich nur eine Frage der Zeit 😉 So, die Nörgelei des Tages losgeworden.
    Ansonsten völlig einverstanden mit den Posts davor: das sind wunderschöne Augen. Kann das sein, dass sie ohne Schwimmbrille schwimmen?
    Ein Bild der Katze käme gut.

      • Es gibt hier Dinge, Katzen und Menschen, die hier immer nur Andeutung bleiben. Wie langweilig wäre es doch andersherum.

    • Himmel! Man ahnt das ja nicht. Ich schwimme ohne Schwimmbrille. Ich sehe extrem schlecht und mit Schwimmstile verschwimmt alles noch viel mehr….

      • Ich bin auch blind wie ein Maulwurf, mit Schwimmbrille sehe ich unter Wasser etwas ein oder zwei Meter weit, das muss reichen, aber ohne Brille kriege ich Probleme mit dem Chlor. Mit Brille wiederum bekomme ich Druckstellen um die Augen, die vergehen erst nach Stunden, das sieht aus!

  5. Was für wunderschöne Bilder und Texte. Ach, liebes Fräulein, Sie sind ein wahrer Trost in diesen Tagen und darüber hinaus! Und Irland ist und war schon immer speziell. Herzlich, Sunni, die Gründelente im Wasser, die es trotzdem liebt…

  6. Wie wäre das Leben ohne Pendeln? Fast so wie ohne Schwimmen, ohne Kinderzeichnungen an der beschlagenen Fensterscheibe, ohne Ausszubildende und Fabrik, ohne Katze und Hund, ohne Bücher und Märchenwald.

    • Da muss ich ihnen widersprechen, wenn ich es mir leisten könnte, ich würde das Pendeln sofort aufgeben. Ich mache das schon viel zu viele Jahre.

  7. Ach Fräulein Read On, Sport macht hässlich, aber glücklich. So ist das halt.
    Hat der Zauberer im Wald bei der Mondscheinfabrik silbernen Glitter auf dem blauen Umhang? Genau so sah ich ihn aus Ihrer Erzählung.
    Nur noch ein Tag pendeln, dann ist Wochenende!

  8. Es ist täglich so viel nachzudenken. Kinder tun einfach. Das berührt mich selbst immer wieder. Also meistens positiv (es sei denn meine eigenen Kinder tun etwas ohne zu fragen. Zum Wiederholten Male).
    Danke für die irischen Einblicke!

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