Endnote

Thank you Jane, for letting me grow, for making me laugh so hard, for setting me free and keeping me close.

Mein Vater verliert seinen Pass. Wir suchen alle. Die liebe C. verzweifelt. Dann findet sich der Pass doch noch an. Mein Vater schwört er werde den Pass hüten wie seinen Augapfel. Zwei Minuten später suchen wir seinen Pass erneut. Die liebe C. versucht sich an Klebeflüchen. Eine kleine Königinnichte heult. Sie darf ihr blinkendes Zauberschwert, das gern bei Gelegenheit laut los scheppert nicht mit zur Urkundenverleihung nehmen. Meine Schwester bleibt unerbittlich. Die kleine Königin verflucht uns alle. Die Mali-Tant ruft an: „Geh Mädi, wenn du eh kos Kleid von Chanel host, denn kennst eh gleich nackert gehen.“ Ich weigere mich nackt meine Dissertationsurkunde in Empfang zu nehmen. Die Mali-Tant schnaubt empört. Mein Vater verliert die Einladungskarten für den Saalzutritt. Die liebe C. steht kurz vor der Verwandlung in eine Würgeschlange. Schwesterchen schüttelt den Kopf: „Ich habe sie ihm doch nur für zwei Minuten gegeben.“ Bébé No. 5 gluckst fröhlich vor sich hin. Im Kinderwagen finden sich gut angekaute Karten. Ich rase zur Universitätsverwaltung. Der Drucker gluckst nicht ganz herzig wie das fünfte Nichtenkind, aber dann sind doch alle Karten wieder da. Die liebe C. verweigert meinem Vater das Besehen der Karte. Ich wickle mich in eine Robe ein. Mein Neffe lacht: „Haus Slytherin“, sagt er und kringelt sich. Ich stecke ihm die Zunge heraus. Meine Schwester macht: „tsk, tsk, tsk“. Die liebe C. legt mir die Kette meiner Großmutter um den Hals. Ich muss schlucken. Die kleine Königin zieht die Kette eng um meinen Hals zusammen: „Zauberschwert murmelt“ sie finster. Ich schüttle den Kopf. Wutgeheul. Nichte No.3 ist verschwunden. Sie findet sich auf meinem Baum wieder an. Mein Vater ist sich nicht sicher, was er noch alles verloren hat. Mein Schwager konfisziert ein magisches Schwert.  Mein Neffe johlt: „Slytherin.“ Die liebe C. sucht meinen Vater. Mein Vater will nicht gefunden werden. Er hat eine alt Inschrift entdeckt und macht Notizen. Meine Telefon zeigt 15 verpasste Anrufe an. Es ist die Nummer der Mali-Tant. Das Telefon trifft das gleiche Schicksal wie das röhrende Zauberschwert aus Plastik. Dann scheucht mich eine Universitätsangestellte in einen langen Flur. Namenslisten. Ölbilder. Ui. Strenge Gesichter und ein Kugelschreiber mit Schluckauf. Alphabetischer Ordnungssinn. Wäre ich doch noch mal ins Bad gelaufen, denke ich mir. Zu spät. Die Robe ist schwer und schief. Läuft da nicht gerade Draco Malfoy vorbei? Habe ich die Robe richtig herum an? Na ja. „Können Sie mir mit der Fliege helfen?“, fragt mich ein Mann. Ich nicke. Kehlkopfgewürge. „Atmen Sie“, sage ich. Er lacht. Schon wieder wird durchgezählt. Wir stehen in einem weißgekalkten Flur. ALPHABETISCH GEORDNET. „Keiner tanzt aus der Reihe.“ Wir warten. Worauf? Eine Katze schleicht über den Flur. Sie sieht aus wie die vergrätzte Mali-Tant und die verärgerte Könginnennichte in Einem. Einatmen. Ausatmen. 2 Sekunden lang fällt mir der Titel meiner Doktorarbeit nicht mehr ein. Weiche Knie. Immer noch warten. Vielleicht kommt doch gleich einen strenge Headmistress? Der Mann mit der Fliege macht Kniebeugen. Egal, Hauptsache alphabetisch. Plötzlich liegt eine Hand auf meiner Schulter. Ganz unalphabetisch. Die Hand gehört der besten Chefin der Welt. Die Schulter gehört zu mir: „You’ve got notions!“, sagt sie, sagt diesen so irischen Satz, sagt ihn mir der Fremden und dann sehen wir uns an und das Lachen, mit dem Alles begann, vor ein paar Jahren, legt sich uns in die Arme. Damals stand ich auf von meinem Schreibtisch, um nachzusehen, wem dieses Lachen gehörte und dann stand sie da, ich tat so als hätte ich weder ihr Lachen gehört noch nach ihrem Lachen gesucht, aber schon hatte sie mich angesteckt und auch jetzt in der ernsten Stille des Flures da stehen wir und alles wird leicht, das Lachen hüpft zwischen uns hin und her, fährt ihr und mir durch die Haare und durch alle Jahreszeiten, dieses Lachen kommt mit Aplomb und einem Liederbuch, dreht eins, zwei, drei Pirouetten läuft die Treppe hinunter in den Saal hinein und ich die ich so fremd bin, auch zwischen Robe und Würde halte mich an diesem, ihrem, unserem Lachen fest, wie an einem Geländer, einer Überlandbrücke und dann, ganz am Ende lasse ich los.

Alles kann ein Lachen ändern.

68 thoughts on “Endnote

  1. Jetzt nur noch die Nichte dieses Lachen lehren, dann kann das Lichtschwert problemlos zu Hause bleiben.
    Glückwunsch zum Doktor❤️

  2. Mein Bild des Jahres, so wunderschön. Ansteckendes Lachen ist ein wertvolles Gut. In diesem Sinne: laugh on, my Dear, laugh on. Und natürlich nochmals die herzlichsten Glückwünsche, was für ein Weg, den Sie da zurückgelegt haben!

  3. Herzlichen Glückwunsch, das ist phantastisch!
    Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie Ihre Bescheidenheit wenigstens für einen Moment ablegen und stolz auf sich sein können, so wie es die Menschen, die Sie lieben, auch sind. Sie haben etwas Großes geschafft, all denen zum Trotz, die Ihnen jemals etwas anderes einreden wollten.
    Möge dieses wunderbare Lachen immer in Ihrer Nähe sein.

  4. Ich freue mich so sehr für Sie und das denkwürdige Ereignis mit der gesamten Familie zu feiern ist so schön!
    Ich wünsche Ihnen, dass sie immer einem ein herzliches Lachen begegnen, das Ihnen über Untiefen hinweghilft.
    (Und die Mali-Tant hat recht. Ein Kleid von Chanel ist enorm hilfreich! Es unterstreicht die Sternstunden und stützt in weniger glorreichen Augenblicken)

  5. Liebes Fräulein read on,
    Ich freu mich so für Sie und mit Ihnen über das lachen und wie es alles ändern kann. Danke für diesen schönen Text, der mich sehr berührt.

  6. Liebes Fräulein Doktor,
    Des Lebens Fülle lacht mir hier entgegen. Freude und Stolz sieht man. Was für ein Foto!
    Gratuliere von Herzen,
    von Herrn croco auch viele liebe Grüsse.

  7. Herzlichen Glückwunsch! Was für ein schönes Lachen, das steckt ja schon beim zuschauen an 😉

    Liebe Grüsse und alles erdenklich Gute!
    Clara P.

  8. Ein glitzernder Moment <3. Ich freue mich sehr und bin so stolz auf Sie, was für ein Weg. Allerherzlichste Gratulation.

    Eine treue stille Leserin seit der allerersten Stunde ((()))

  9. “ 2 Sekunden lang fällt mir der Titel meiner Doktorarbeit nicht mehr ein.“

    Und nach diesen zwei Schreckenssekunden heißt der Titel….?

  10. Sehr herzlichen Glückwunsch, Dr. Readon. Danke für dieses super Bild und die Geschichte und was alles darin ist. Hat mich erinnert an meine Doktorfeier, die auch lustig war und verbindend und einfach was Schönes im Leben.

  11. Die besten Wünsche an die Frau Doktor.
    Eine mir so ferne Welt, aber mit der Fanilie zu einem wichtigen Anlass zu kommen, das liest sich, als sei es bei uns zu Hause passiert.
    Und das Lachen auf dem Foto geht direkt ins Herz.

  12. Liebes Fräulein Doktor!
    Herzliche Glückwünsche!
    Und ganz ehrlich: zwischen Chanel und nackt gibt’s zum Glück noch ein paar Stufen :-).
    Ich hoffe, es war ein toller Tag und alle haben wieder alles gefunden-so wie Sie ihr Lachen!
    Es grüßt
    Die andere Eva

  13. Herzlichen Glückwunsch. Ich freue mich für Sie, Fräulein! Und Lachen ist eines der vielen Lichtlein im dunklen Tunnel… Sie haben hoffentlich genau hingeschaut, hingehört und hingefühlt.

  14. Ah, Dottoressa, gratuliere! Nackt unter der Robe wäre doch ein Versuch Wert gewesen, und sei es nur, um die Gesichter der Anderen zu sehen. Letztendlich ist man unter Channel auch nackt 😉
    PS: Ich ahne, welcher Animagus die Katze im Flur war. Vielleicht lieber doch Slytherin als Hufflepuff?

  15. Glückwunsch, Glückwunsch, Glückwunsch!

    Und es freut mich sehr, dass Sie so eine tolle Feier hatten!

    Wenn ich da an meine Uni denke… da bekam man die Promotionsurkunde im Dekanat ausgehändigt, nachdem man die Veröffentlichung nachgewiesen hat. Wie schön, dass Ihre Uni so ein Ereignis so würdevoll begeht!

  16. Herzlichen Glückwunsch zu diesem großen Ereignis, das wahrlich ein Grund zur Freude und zum Feiern ist!

    Ja, diese rutschenden Roben, die gab’s anno dunnemals an meinem Musik-, Kunst- und Theater-College ebenfalls – und wir sonst eher hippiesken Studenten sahen am Graduation Day plötzlich aus wie ein Schwarm verwirrter, hochglanzpolierter Krähen. 😉

  17. Liebes Fräulein, das ist so schön zu lesen und zu sehen! Herzlichen Glückwunsch. Und Sie haben so recht, es ist nicht der lange Text, sondern die Menschen, die die Promotionszeit so besonders machen. Mein Vorwort mit all den Danksagungen, an dem ich in Gedanken schon seit Jahren schreibe, hat inzwischen solche Ausmaße angenommen, dass kein Verlag es jemals so abdrucken würde…

  18. Liebes Fräulein Doktor, von Herzen die besten Glückwünsche und dass Sie immer wieder Gelegenheit zum Lachen und Menschen zum miteinander Lachen finden.
    Viele Grüße,
    Antje

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