Drei Pfannen

Sie werden es sicher allesamt ahnen, aber ich war schon immer eher seltsam. Deswegen kann es sie kaum überraschen, erzähle ich Ihnen, dass vor vielen Jahren als ich ein kleines Mädchen war und die langen Sommerferien bei meiner Großmutter in Deutschland verbrachte, ich eines Tages einen der guten silbernen Löffel aus dem Buffet nahm und aufbrach zu einer Wanderung ins Schlaraffenland. Ich bedauere es sehr, dass meine Großmutter mich einholte als ich um die Ecke bog, die doch geradewegs ins Schlaraffenland führt. Dann kamen andere Jahre und andere Dinge und ich verlegte mich aufs Seufzen.
Ach, denke ich hin und wieder es wäre schon gar zu schön einen giftgrünen Schlafrock zu besitzen wie der geheime Zauberrat Beelzebub Irrwitzer, aber noch niemals habe ich einen solchen Schlafrock gesehen, obwohl ich schon zweimal einen Solchen anprobiert habe. Meine Erinnerungen an die Stadt Merseburg sind auch deswegen eher verklärt, denn die Zaubersprüche ich kann es nicht anders sagen, haben es mir sehr angetan, Harry Potter indes ist fast gänzlich an mir vorbeigegangen und ich muss zugeben, dass mir der liebe Herr Teufel und die dreizehnte Fee lieber sind als noch die begabtesten Superhelden unserer Tage.

Die Sehnsucht aber eines Tages in Begleitung von Beelzebub Irrwitzer und der dreizehnten Fee ins Schlaraffenland hinüberzulaufen, hat mich nie so ganz verlassen. Aber wie schon gesagt, die Jahre waren nicht danach und niemals hätte ich erwartet, dass an einem grauen Mittwochmorgen zu frühster Stunde tatsächlich, ein Teilgebiet des Schlaraffenlandes nur wenige hundert Meter weiter zur Jahrestagung lädt. Man muss nämlich wissen, das Schlaraffenland ist ja in der Tat sehr groß- dass sich mit den Jahren eine Art Union schlaraffischer Provinzen gebildet haben. Die Republik der Schokoladenbrunnenbauer zum Beispiel oder die dichten Wälder der Lebenkuchenhausverzierer, nicht zu vergessen die Paradiesäpfelbauer die am Lac Limonade zu finden sind.

Besonders verhält es sich aber mit dem Verein der Pfannkuchenfreunde, die auch unter dem Namen Pfannkuchenvereinigung publizieren, denn sie haben keinen festen Sitz im Schlaraffenland sondern sie reisen durch die Welt.
Niemand anders als der Graf von Zimt&Zucker, ein Mann von Welt und leiser Melancholie, denn sein Geliebter der schöne Herr Omelette verschwand eines Tages in Pilz-O-Tanien und ward nicht mehr gesehen.Der Graf von Zimt&Zucker seufzt sehr oft und manche sagen, er verlegte die Jahrestagung der Pfannkuchenfreunde nur deshalb weit ausserhalb der Grenzen des Schalraffenlandes, weil er noch immer hoffte der schöne Herr Omelette kehrte doch noch einmal zurück. Aber das steht in den Sternen.
Die Jahrestagung indes ist eine wichtige und ernste Angelegenheit. Die neusten Statuten zum Thema Pfannkuchen, Eierkuchen, Crepe Royal werden verlesen, beim feierlichen Festessen der Vereinsaspiranten gilt es die magische Nummer von 45 Pfannkuchen zu bezwingen. Die jährliche Würdigung des Rekordhalters, der im Jahre 1702 sage und schreibe 702 Pfannkuchen verschlang, gehört zu den rhetorischen Höhepunkten. Gelöster wird es beim Pfannkuchenball. Haben Sie je ein Pfannkuchenmenuett bewundert-Sehen Sie, es gibt für alles ein erstes Mal. Einzig der Freundeskreis Krapfen sind auch Pfannkuchen sorgt regelmäßig für Radau.
Es ist allein dem diplomatischen Geschick des Grafen Zimt&Zucker zu verdanken, dass nicht aus Rosinen scharfe Waffen werden. Es sind sieben Tage voll Pfannkuchen und Glück.
Nun werden sie mit Recht sagen: Was machen Sie uns den Mund wässrig, was sprechen sie in Andeutungen und Lobeshymnen, wenn wir doch nicht wissen, wie erkennen wir, dass die Jahrestagung der Pfannkuchenfreunde stattfindet? Wichtiger noch wie nehmen wir Teil am bunten Reigen im Hause des Grafen Zimt&Zucker?

Ha, kann ich ihnen sagen, nichts einfach als das. Drei Pfannen stehen vor besagtem Gebäude, drei Pfannen in denen die ersten drei Pfannkuchen gebacken wurden, anno dazumal. Sie befinden sich in Besitz des verehrten Grafen Zimt&Zucker. Stehlen kann man sie nicht. Man erzählt sich Beelzebub Irrwitzer selbst habe die Pfannen in eine Tinktur getaucht, die jedem Dieb schon am Gedanken die Pfannen einzustecken hindere und so trete der reisende Pfannkuchenfreund vor die Pfannen, nehme Haltung und flüstere deutlich aber, darauf kommt es an: Im Namen von Zucker, Mehl und Ei, ich will ein Pfannekuchen sein! Hernach gilt es die drei Pfannen dreimal kräftig aneinander zu schlagen, hierauf öffnet sich die Tür und es gilt einzutreten.

Nun werden Sie sagen Fräulein Read On wie war es denn, wo sie doch sozusagen ganz am Ziel ihrer Wünsche und Träume angekommen waren? Ich aber kann nur mit den Schultern zucken, ganz wie damals bog der Bus um die Ecke, der mich wie andernmals meine Großmutter daran hinderte, meine Aufwartung dem Grafen Zimt&Zucker zu machen.

Aber eins ist gewiss eines Tages da kommt die Vereinigung der Pfannkuchenfreunde auch in ihr Land, ihre Stadt und ihr Dorf. Grüßen Sie den Grafen Zimt&Zucker von mir. Ich habe ihn fast so gern wie den geheimen Zauberrat Beelzebub Irrwitzer und die dreizehnte Fee.

22 thoughts on “Drei Pfannen

  1. Liebes Fräulein, schon früh am Morgen wurde ich vom Grafen Zimt&Zucker in den wildwindigen Tag geleitet und nun auch noch in die dunkelstille Nacht entlassen. Ein perfekter Tag. Vielen Dank dafür.

  2. Und wie ist das mit den Palatschinken? Gehören, die zur Familie der Pfannkuchen, oder eher umgekehrt. Schließlich wurden die Palatschinken wie die überwiegende Mehrheit essbarer Süßspeisen in Böhmen erfunden und die Pfannkuchen sind irgendeine Variante davon. Andererseits weiß man nichts über die Wurzeln des Grafen Zimt&Zucker …… Also ein Tatbestand, der durchaus einige Recherchen rechtfertigen würde.

    • Niemals würde der Graf von Zimt&Zucker seine böhmischen Schwestern vergessen! Seine Herkunft indes wirft tatsächlich mehr Fragen auf als es Antworten gibt.

  3. „…aber ich war schon immer eher seltsam.“
    Da liegen Eigen- und Fremdwahrnehmung weit auseinander, liebes Fräulein.
    Wer träumte nicht von einer Reise ins Schlaraffenland? Ich könnte mir das sehr gut vorstellen…

  4. Wie gut ist es, „etwas seltsam“ zu sein, der innere Reichtum trägt durchs Leben.
    Das Land des Grafen Zimt und Zucker ist immer einen Besuch wert, es gibt so viele Sehenswürdigkeiten: das Kaiserschmarrngebirge, die Seen mit Apfelmus und Zwetschgenkompott… ich halte mich sehr gern dort auf.
    Vielleicht treffen wir uns dort mal, sie liebes Fräulein und alle Leser und Rezensenten. Wir prosten uns mit Tee, Kakao und Kaffee zu, ich freue mich schon darauf!
    Einen schönen Tag, den werde ich auch haben, nach dieser Lektüre und dem Wissen, was es heute zu Abend zum Essen gibt;))

    • Oh das wäre ein Spaß träfen wir uns dort und machten eine Ruderpartie auf dem Zwetschgensee! Das wäre mit Ihnen allen gemeinsam wirklich ein großes Glück

  5. Wohl dem, der etwas seltsam ist! Und sich dies auch noch bewahrt.
    Heute Morgen, unter dunklen Bollerwolken, da rauschte etwas über unser Haus, juchzte und rief mit leicht rostiger Stimme: “ Zimt&Zucker, ich bins, ich komme, der Graf…“ und eh ich die knarrende Tür noch öffnen konnte, war er schon vorbei, in Richtung Merseburg, wenn ich nicht irre.

  6. Was für eine süße Geschichte! Ob wohl auch der Regierungsbezirk der Käsepfannkuchen regelmäßig vertreten ist? Und dann gibt es noch den verschüchterten Botschafter der Eierkuchen…

  7. Etwas seltsam zu sein ist wunderbar. Dann ist man nämlich etwas besonderes.

    Ich würde sehr gern mitkommen in Schlaraffenland. Liebe ich doch Pfannkuchen über alles. Ab sofort halte ich Ausschau nach den 3 Pfannen.
    Danke für diese wunderschöne Geschichte.

  8. In Michael Ende’s Wunschpunsch träume ich mich heute noch manchmal hinein und will mit Kater und Rabe die welt retten. danke für diese wunderbare Geschichte.

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