Vegetable Subji -Curry nach einem Rezept meiner verehrten Frau Rajasthani

Der erste Satz, den Frau Rajasthani, deren drittes Kind ich bin, vor vielen Jahren zu mir sagte war:

„Are you Punjabi?“

Eh, no, sagte ich.

„Oh Bhagwan, look at all your hair, don’t be ashamed darling. I know a women who has seen worse eyebrows. But not many. She’ll sort you out.

Ich seufzte.

Der zweite Satz den Frau Rajsthani zu mir sagte war: Are you veg/ or non-veg?

„No pork“, sagte ich.

We will be great friends sagte Frau Rajasthani und beschloss sich nicht nur um meine Augenbrauen, sondern überhaupt um meine Zivilisiertheit zu bekümmern. Was kann man auch schon von einer dahergelaufenen Vierteleuropäerin erwarten? Nicht viel.

Wann immer ich aus der kleinen Slum-Klinik nach Hause kam, denn ich lebe in Delhi im Oberstock des Hauses der Rajasthanis zog sie mich in die Küche, um mir einen riesigen Becher Chai in die Hand zu drücken.

„Let’s have some fun“, sagte Frau Rajasthani, ich träumte von einer kühlen Brise oder hochgelegten Beinen, aber Frau Rajasthani war anderer Ansicht. Wer aussieht wie ein Punjabi muss kochen können, sagte sie und auch nach mehreren Europa-Besuchen glaubt sie nicht, dass das was in Deutschland oder England auf den Tisch kommt, es verdient mit dem Begriff Esskultur belegt zu werden.

You know Read On, with that of yours it will be actually quite hard to find a husband.

I know sagte ich, but my hair is just part of a much bigger problem.

Frau Rajasthani lachte.

Lesson No. 1: Don’t cook to impress your in-laws. Cook because you deserve to eat well.

Vegetable Subji Curry ist genau so ein Gericht, sagte Frau Rajasthani.

Es gelingt immer.
Du kannst das Gemüse nehmen, was da ist.
Es ist Lunchboxkompatibel.
Es macht dir ein warmes Herz.
Es macht Leuten ein warmes Herz, die kein Herz haben.
Du brauchst niemals länger als 30 Minuten.

Lesson No. 2: Don’t cook without good music.

Diesem unumstößlichen Grundsatz verdanke ich die einzige Filmkenntnis meines Lebens. Bekanntlich sehe ich nur Filme mit Isabelle Huppert und alle Bollywood-Filme von denen Frau Rajsthani findet, der zivilisierte Mensch müsste sie gesehen haben. Niemand dem an seinem Leben liegt, würde Frau Rajasthani widersprechen. Damals aber in der Küche, seufzte sie und sagte: Wir müssen ganz von Anfang beginnen.

Meine Bildungskarriere begann mit dem Lied: Mana Janab Ne Pukara Nahi aus der verwickelten Schmonzette Paying Guest um einen Anwalt in Zahlungsschwierigkeiten. Das Lied war das erste, was ich auswendig konnte und Frau Rajasthani sagte: “Oh there is hope for our Punjabi girl.” Dann drehte sie den Plattenspieler lauter und holte die Gewürzdose vom Regal.

Mich hieß sie eine große Zwiebel hacken und deutlicher singen.

Sie selbst stellte eine große Pfanne auf den Herd und gab einen sehr guten Schuss Ghee ( es geht ebenso gut neutrales Öl) hinein.

Es muss qualmen, bis die Nachbarn klopfen, sagte Frau Rajsthani und wirklich fünf Minuten später rief Aunty vom Balkon nebenher: Bei euch gibt es wohl Subji Curry?

„Siehst du“, sagte Frau Rajsthani.

Zwei Kardamom-Kapseln warf sie in die Pfanne: Peng. Eine rote Chili dazu und einen Teelöffel schwarze Sesam-Samen.

If it cackles, you do it right.

Dann die Zwiebeln hinterher, dazu vier Curryblätter, ein Lorbeerblatt, und eine grüne Chili ( ohne Kerne ) dazu. Das Ganze einmal gut umrühren und für eine Liedlänge in der sie getrost zu Ne Pukara Nahi tanzen können, vor sich hin zischen und krachen lassen. Dann sind die Zwiebeln braun.

Lesson No. 3: Use what you have

Sie brauchen für ein gutes Vegetable Sabji Curry keine gesonderten Einkäufe unternehmen, greifen sie in ihr Gemüsefach und nehmen was drin liegt. Es schmeckt immer.

Hier waren es heute:

Drei geviertelte Tomaten

Eine Handvoll grüner Bohnen

Ein mittelgroßer Brokkoli ( zerteilt )
Anderthalb verwitterte Mohrrüben.

Nehmen sie einfach, was sie haben.

Legen sie das Gemüse so ab, dass sie es nicht von der Tischkante wischen, wie ich….

Lesson No. 4 Garlic is a good friend.

Frau Rajasthani glaubt nicht an die Nützlichkeit großen Küchenzubehörs. Sie glaubt an den Chef über den man sich ärgert, den Ehemann, der schon wieder zu spät kommt, den Anruf der arglistigen Schwiegermutter und wenn all das nichts hilft, dann gibt es ja immer noch Narendra Modi der etwas so Unmögliches sagt wie etwa auch Horst Seehofer allenthalben.

Denken Sie also an etwas, was Ihnen den Ärger in die Arme treibt und zerdrücken sie eine große Knoblauchzehe und eine Ingwerwurzel, die halb so groß ist, wie ihr kleiner Finger. Wenn Sie Ingwer nicht mögen, lassen sie ihn weg.
Rühren sie die Tomaten unter den Zwiebelsud.

Rühren und singen sie weiter.

Drehen Sie den Herd auf kleine Flamme herunter.

Lesson No.5: It’s the spices, baby.

Frau Rajasthani liess mich schwören, dass ich niemals abgepacktes Garam Masala kaufen würde und ich lege ihnen Selbiges auch ans Herz. Die Gewürzmischungen sind meistens
Indische Küche ist nur einmal aufwendig nämlich dann, wenn man einen Gewürzhändler aufsucht und einmal das kauft was man immer braucht.

Da wären: Kreuzkümmel ( 1/ 2 Teelöffel )
Koriander (gemahlen) ( ½ Teelöffel )
Kurkuma ( gemahlen) (½ Teelöffel )
Chili ( gemahlen) ( 1 Teelöffel )

Zu der Tomaten-Zweibelsud Mischung geben und für fünf Minuten leise simmern lassen.

Lesson 6: Don’t waste food.

Nach fünf Minuten alles Gemüse zu dem Gewürz-Tomaten-Zwiebelgemisch geben, 125 ml Wasser dazu, das Ganze aufkochen lassen, dann 100 ml Kokosmilch ( nach Belieben auch mehr ), einen guten Esslöffel mit Tamarindenpaste dazu gießen und das Gemüse bissfest kochen. Unterdessen- in der Büchse ist ja noch Kokosmilch übrig- Reis kochen, halb Wasser und den Rest der Kokosmilch verwenden und schon wird die verehrte Frau Rajasthani ihnen zunicken und ihnen beglaubigen, dass Sie sich auf dem besten Wege zurück in die Zivilisation befinden. Ich habe Frau Rajasthani noch niemals Lebensmittel wegwerfen sehen.

So einfach ist das mit dem Vegetable Subji und wärmer ums Herz ist einem nach einem großen Teller auch und überhaupt ist es nie falsch ein bisschen von der prickelnden Schärfe von Frau Rajasthani und ihren Rezepten mitzunehmen.

14 thoughts on “Vegetable Subji -Curry nach einem Rezept meiner verehrten Frau Rajasthani

  1. Die schönste Kochanleitung die ich je gelesen habe. Danke, ich geh dann mal schauen was ich an Gemüse im Kühlschrank habe.

    Und ja, Gewürzmischungen sind des Teufels. Was nutzt das beste Essen wenn alle die gleiche, fertige, glutamatgeschmackige Mischung nehmen würden?

  2. Man bekommt sofort Lust zu kochen, tanzen und vor allem Frau Rajasthani kennenzulernen. Danke für Ihren wunderbaren Blog, den ich immer wieder gerne lese.

  3. Ich hatte vor Ihrem Eintrag noch nie darüber nachgedacht, woher das Currypulver eigentlich kommt. Das hätte eine Schote sein können oder eine Blume oder… 😀 Man lernt nie aus.

  4. Oh, ich nehme sofort einen Teller davon. Und nie, nieeeeee Mischungen bei Gewürzen.So, keine Zeit, ich muss koch gehen…:-) Und DANKE für die tolle Anleitung.

  5. Danke, auch ich mag Lebensmittel nicht verschwenden. Reis mit Kokosmilch zu kochen, probiere ich in den nächsten Tagen aus.

    Wie verschiedentlich mensch Curry mischen kann, begann ich 1983 in einem Weltpfadfinderlager in Kanada zu lernen, in einem Nationalpark, in dem auch Bären wohnten, wir Gäste waren. Dosenfutter war Alltag. Neben uns eine Gruppe aus Südafrika. Als Alibifarbige hatten sie zwei Inder dabei, ihre Küchendiener.

    Ernest war einer. Er, älter als ich, hat mir mit 17 beigebracht, das Curry eine Mischung ist, die sich Verschiedentlich bereiten.

    Seit Jahrzehnten lebt er in der Nachbarstadt, inzwischen auch mit Enkeln. Immer wieder kochen wir zusammen und essen.

    Dill hat er von mir gelernt, den gibt es auch in Currys.

  6. Ich wünschte, alle Rezepte wären so geschrieben wie dieses, dann wäre ich vermutlich eine bessere Köchin.
    Was passiert, wenn ich die Curryblätter weglasse? Curry und ich sind leider keine Freunde…

  7. Genau: indisches Essen auf Gmundner Keramik, das ist Zivilisation! Wie sehen denn die Teller von Frau Rajsthani aus, vielleicht passen die gut zu Waldviertler Mohnnudeln. Ach, ich bin im Mohnrausch …..

  8. „….dann gibt es ja immer noch Narendra Modi der etwas so Unmögliches sagt wie etwa auch Horst Seehofer allenthalben.“

    So sehr mir das Kochen der werten Frau Rajasthani Appetit macht, so sehr vergeht mir der Appetit über das zynisch-dumm-dreiste Gebrabbel eines
    Innenministers Seehofer, der sich freut, dass zu seinem 69. Geburtstag 69 Menschen zurück in Not und Elend verfrachtet wurden.
    Den Tod eines jungen Afghanen dürfte er dann in seinem „Masterplan Migration“ vermutlich als ‚Kollateralschaden verbuchen‘.

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