Der Mann mit Hut

In der S-Bahn sitzt mir ein Mann gegenüber. Glattrasierte Wangen, ein scharfes Kinn, aschblonde Haare, über der Nase ( rotgeädert ) zwei scharfe Falten. Keine Brille, blonde, fast durchsichtige Wimpern. Ein schmaler Mund, kein Bart. Die Augen so blass wie das Gesicht des Mannes. Ob es nun aber ein blasses Blau, oder ein blasses Grün oder gar ein verschwommenes Braun gewesen sein mag, ich habe nur die Blässe in den Augen des Fremden bemerkt. Einen Hut trug der Mann der mir gegenüber die gleichen Bürohäuser und Industriebrachen sah, nur eben von der anderen Seite. Einen Hut also, aber keinen breitkrempigen wie einmal Harry Graf Kessler auch keinen Stetson oder gar einen Jägerhut mit Gamsbart und der Feder des ersten selbstgeschossenen Fasan, es ist mehr ein Filzhütchen, das dem Mann auf dem Kopf sitzt. Bräunlich, aber im rechten Licht betrachtet vielleicht auch erbsensuppengrün ist das Hütchen mit seiner merkwürdigen Delle in der Mitte, die dem Hut und auch dem Träger etwas seltsam Gedämpftes verleihen. Einen solchen Hut, wie der Mann ihn trägt ist besonders in Berlin, wo Kleidung allenfalls ironisch gemeint ist, schwer zu bekommen. Der Hut, weder rund, noch oval, sondern fast schon trapezförmig, ließe sich indes ohne Probleme  bei einem Herrenausstatter in Gaziantep oder auch Jičín besorgen. In beiden Städten, ich bin mir ganz sicher habe ich in den Auslagen eines solchen Geschäftes, in denen immer eine schwere Standuhr tickt,die Hemden in Zellophan eingepackt sind und der Besitzer mit einem Maßband um den Hals geschlungen der Kundschaft die Tür aufhält, einen solchen Hut gesehen. Einen Hut indes habe ich anders als der Mann gegenüber weder in Gaziantep noch in Jičín erworben. Der Hut, wenn auch etwas zerdrückt sitzt augenscheinlich fest auf dem Kopf des Mannes, denn während der Fahrt bleibt es gänzlich unbeeindruckt vom Bremsen und erneuten Anfahren der Bahn. Auf den Knien hält der Mann mit beiden Händen eine Aktentasche fest. Die Tasche, schwarz, quadratisch und mit Schnappschlössern versehen passt ganz genau auf den Schoss des schweigend aus dem Fenster sehenden Mannes. Ganz und gar unauffällig ist dieser Mann und ist das frage ich mich, über meinen Buchrand blickend, nicht schon eine Auffälligkeit? Ist die Unauffälligkeit nicht gewollt und ganz und gar gekonnt in Szene gesetzt? Kann nicht offensichtliche Unscheinbarkeit, auch Methode sein?

Wer weiß ob der Mann nicht in seiner Akentasche eine Flasche Champagner ( Roederer, sogar?) verbirgt und auf dem Weg zu seiner Geliebten eben die S-Bahn nimmt und nicht den eigenen Wagen. Noch die misstrauischste Ehefrau würde diesem Mann dessen Gesicht blass und schmal und etwas spitzmäusig nach unten verläuft, nichts zutrauen, was auch nur den leisesten Anschein des Verbotenen hätte. Gäbe es zu Max Mustermann ein Gesicht, es wäre dieser Mann mit seinem Hütchen. Vielleicht ist alles aber auch ganz anders, und im Aktenkoffer ( treten die Fingerknöchel des Mannes nicht übermäßig stark hervor?) liegen feinsäuberlich gestapelte Banknoten? Der Mann so auffällig unauffällig ist vielleicht Agent und sammelt sich für eine schwierige Mission.  Ein verschütteter Winkel, ein kurzes Kopfnicken, dann der Koffertausch oder auch nur die Übergabe eines Schlüssels der in das letzte Schließfach des Florentiner Bahnhofes passt. Selbst noch der gerissenste Räuber, der gewiefteste Hütchenspieler, der verschlagenste Fälscher vermutete in diesem Mann je ihr Ziel. Wer weiß, vielleicht ist der Mann ja auf dem Weg zum Flughafen und unter dem Hütchen liegt lange schon ein neuer Pass. Morgen schon geht der Mann in Bogota spazieren und das Hütchen landet nachlässig in einem Abfallbehälter, am Rande der Stadt. Mag es aber auch ganz anders sein und der Mann ist Briefmarkenhändler und der Koffer ist leer, bis auf die blaue Mauritius, die ein unbekannter Sammler anonym erwarb und in einem Schrebergarten ungeduldig nun auf ihre Übergabe wartet. Kein noch so gieriger Philatelist, ich versichere es Ihnen, traute diesem Mann solch einen Coup zu. Man kann nur hoffen, dass sich im Koffer des Mannes kein Strick befindet und er auf dem Weg in ein entlegenes Waldstück ist, um mit des Seilers Tochter Hochzeit zu halten. Damals als ich ein kleines Mädchen war und meine Großmutter mir das Märchen vom Meisterdieb erzählte, habe ich mich nie wieder so recht zu beruhigen vermocht und nie habe ich seitdem meine Furcht vor dem prachtvoll illustrierten Band Grimm’scher Märchen überwinden können.

Aber alles mag ja anders sein, nichts anderes als ein Wurstbrot und die Märkische Allgemeine mag sich in dem Koffer befinden, für den späteren Verzehr gedacht und vielleicht ist ja auch das Hütchen ein Geschenk der Mama, die nun vor dem Jahresschluss noch einmal besucht werden soll und im Koffer ist eine Flasche Parfüm. Vielleicht aber liebte der Mann auch einmal ein Mädchen aus Gaziantep oder Jičín und das Mädchen ging ihm verloren und nur der Hut blieb bei ihm. Erfahren aber werde ich es nicht, denn als ich noch überlegte und mich ärgerte niemals einen Agentenfilm gesehen zu haben, erhob der Mann sich, nahm den Koffer in die rechte Hand, rückte den Hut ganz unnötigerweise zu Recht, stieg aus und als die Bahn wieder anfuhr, hatte ich ihn schon aus den Augen verloren.

Alte Fragen

IMG_0945 (1).jpgDer Himmel ist verwaschen und von einem milchigen Grau. Verabschiedet sind Familie samt Kinderschar, nur die Mali-Tant, Kater Mau, der ehemalige geschätzte Gefährte und ich bleiben zurück in Berlin. Seltsam still ist es auf einmal, so als sei nach einem heftigen Sturm das Fenster klappernd zugeschlagen. Die Mali-Tant, aber die bei sich in Wien-Döbling täglich ausführliche Spaziergänge unternimmt und überhaupt kein schlechtes Wetter kennt, steht schon im Lodenmantel an der Tür, da suchen der F. und ich noch nach den Schuhen. Unten auf der Straße wollen die Nachbarn natürlich mit der Mali-Tant, die schon seit vielen Jahren hierher zu Besuch kommt, ratschen und die 93-jährige Mali-Tant verblüfft die Nachbarn mit ihrer Gesundheit, denn die Mali-Tant obwohl Ärztin wie meine Großmutter hat die meisten Krankheiten mit einem: „ach geh“, zur Seite geschoben und behauptet noch mit 39 Fieber, dass man doch nicht wegen jeden „Wehwehchens gleich ein G’schrei“ machen müsste. Endlich also sind die Nachbarn abgeschüttelt und wir laufen entlang der alten Häuser, die hier die Geschichte des aufstrebenden Bürgertums erzählen, die um 1900 hier Grundstücke kauften. Es waren Familien wie die des Vaters der Mali-Tant, die hier zu bauen begannen und so ist ein Spaziergang durch dieses Viertel auch immer eine Reise zurück in die Kindheit der zierlichen Dame, die schnellen Schritts neben dem F. und mir herläuft. Schließlich aber verlassen wir die breite Straße und biegen in einen kleinen Schleichweg, aber der hinunter zum See führt, den einmal Leistikow malte, auch wenn er heute schemenhaft verborgen nichts von dessen Leuchten hat. Über uns rauschen die Kiefern und unter unseren Füßen knirscht märkischer Sand. Der F. hat die Hände tief in den Taschen vergraben. Im Krankenhaus sagt er und sieht auf den Boden, habe es einen Vorfall gegeben. Ein Patient habe, sobald er des F.’s ansichtig geworden sei, angefangen zu zetern: „Deutsche Ärzte für deutsche Krankenhäuser“ sei noch das Harmloseste gewesen und dann habe der Mann lauthals begonnen zu krakeelen, dass er sich beschweren werde, über die Zustände hier, „denn der Araber da“, damit meinte er den F. hätte neben einem gefälschten Pass doch gefälschte Zeugnisse und sollten endlich wieder abhauen. Dann schrie er weitere Obszönitäten, die darin endeten, dass solche wie der F. den einstmaligen Weltruf deutscher Kliniken zu Schanden gerichtet hätten. Immer noch nicht erstickt an Wut und Ekel schrie der Mann nach dem Oberarzt. „Der bin ich“, sagte der F. und klärte den Mann über die vortags verlaufene Operation auf. Schon gestern war der Mann dadurch aufgefallen, dass er die polnische Krankenschwester ebenso übel verfluchte wie dann den F.

„Weißt du noch?“ fragt der F. dort unten am Ufer des Sees und dreht sich zu mir. Natürlich weiß ich es noch. Damals in Göttingen, frisch promoviert, beschwerten sich Patienten, die gern Medizintouristen genannt werden, dass da ein Arzt mit Kippa auf dem Kopf zur Visite erschien. Sie wollten nicht von einem Juden behandelt werden. Der Chefarzt nahm damals den F. ins Gebet: „Junger Mann, verstehen Sie doch, er persönlich hätte nichts gegen das Hütchen da auf seinem Kopf, aber die Patienten gingen eben vor.“ Nehmen Sie doch Vernunft an. Der F. nahm Vernunft an und wechselte nach Berlin.

Da stehen wir also, am Ufer an einem grauen und mürben Dezembertag, wir drei Juden, und sehen uns an. Der F. zuckt mit den Schultern. „Man wird darüber lachen müssen“, sagt er und die Mali-Tant zieht seine Hand aus der Manteltasche und hält sie ganz fest. Hält sie noch immer als wir schließlich zurücklaufen, an den stattlichen Häusern vorbei, die noch immer groß und schön unter nicht minder imposanten Bäumen stehen. Hier, wo die deutschen Juden einmal glaubten, sie dürften Deutsche sein, laufen auch wir und die Frage warum das nicht geht, warum noch immer die Wut, das Gebrüll und die Verachtung derjenigen, gegenüber denjenigen die nicht in den Grenzen Deutschlands von 1937 geboren sind, so groß ist, geht uns noch immer hinterher.

Kaum zurück Zuhaus, geht das Telefon und der F. fährt in die Klinik. Still, denn es ist ein stummer Tag sehen die Mali-Tant und ich hinaus in das matte Blau des Himmels.

Eine große Liebe

Das Nichtenkind zieht meine Augenlider nach oben: „Du bist wach“ sagt sie. Es ist halb sechs sagt der Wecker und auf meinem Brustkorb kniet ein kleines Mädchen im Schlafanzug, darüber trägt es ein lila Tutu und natürlich dürfen die obligatorischen Feenflügel nicht fehlen. In der Hand hält sie den alten Bären, den ich ihr, als sie geboren wurde ans Kopfkissen setzte. Auf ihrem Kopf etwas schief eine golden-glänzende Krone. „Was wollen wir machen?“, frage ich die kleine Königin. „Zeig mir das Buch“ sagt sie und ich gähne, greife nach dem Morgenmantel und ziehe das große, schwere Buch, das eigentlich ein Ausstellungskatalog über die Tudors ist aus dem Regal. Wir besehen Elisabeth I und ich darf nur sehr, sehr langsam blättern und soll zu jedem Bild eine Geschichte erzählen. Zum Glück bekommen auch kleine Königinnen irgendwann einmal Appetit. Das Nichtenkind frühstückt Honigsemmeln und Kakao. Auch Bär, ihr Kanzler bekommt ein Gedeck. Schließlich taucht auch Kater Mau in der Küchentür auf und macht große Augen. Als Palastköchin sollen auch die Katzen nicht darben und so schleckt Mau Milch von einer Untertasse mit Goldrand. Im Badezimmerspiegel übt die kleine Königin den Herrschaftsgestus Elisabeths. Ernsthaft und hochkonzentriert. Es staunen Bär, Kater Mau und ich.

Im Wohnzimmer knien der Neffe und die beiden großen Nichten, neben F. auf dem Boden. Um sie herum ein Meer von Legosteinen. Die Mali-Tant thront im Sessel und macht der kleinen Königin eine elegante Frisur: „Geh fesch bist Du, viel schöner wie die Sissi.“ Schwesterchen will Chia-Brei, der Schwager lieber Porridge, F. und alle anderen ein Ei und gebratene Tomaten. Die Mali-Tant dann auch. Die Palastköchin serviert Frühstück ohne auf einem Legostein auszugleiten. Die Lego-Bauer essen hastig und kehren sogleich an ihre Baustelle zurück, die in etwa den Umfang des Assuan-Staudamms erreicht hat. Was genau das Bauwerk auf dem Boden einmal sein mag, kann ich nicht sagen. Es ist weder Polizeistation noch Ritterburg, sondern ein seltsames Gerät aus dem mir gänzlich fremden Star Wars Kosmos. Auf dem Bild sieht es aus wie eine sehr große, fahrende Suppenschüssel. Für diese Bemerkung ernte ich entsetzte Blicke. Der Neffe teilt die Lego Sklaven Bauer in kleinere Arbeitsgruppen ein. Die Mali-Tant feuert an. Die Königin malt lieber an einer Schlossparkskizze, ich reiche dann und wann Erfrischungen und halte Kater Mau ab, die Baustelle zu stürmen. Mau ist beleidigt. Vorwurfsvoll mauzend liegt er auf der Fensterbank und lässt eine Pfote zornig gegen die Fensterscheibe knallen. Von der Mali-Tant lasse ich mir Großmuttergeschichten erzählen. Für einen schönen langen Moment bin ich noch einmal acht Jahre alt. Dann bricht Mau aus der Küche aus und stürmt entschlossen den Steineberg. Aufregung. Geheul. Geschrei. Nur die kleine Königin vertieft ins Zwiegespräch mit Kanzler Bär ist unbeeindruckt vom Tumult und der erneuten Exilierung Kater Maus’.

Am Nachmittag gehen Schwesterchen und Kinderschar zum Besuch von Freunden. Ich lege mich vor der Nachtschicht noch einmal hin. Die Mali-Tant tut es mir gleich und selig schlafen wir beide. Kater Mau allein liegt grimmig im Arbeitszimmer und hadert mit dem Schicksal. Später längst wieder wach und Latkes bratend erzählt mir Schwesterchen vom Ausflug. Der Bub der Familie nämlich ob nun überfordert von Festlichkeit oder nur im Schokoladenkoma lag heulkreischend vor dem imposanten Tannenbaum und tobte. Die umstehenden Geschwister, Familie und eben auch Schwesterchen nebst Kindern war nun hineingeworfen in einer jener Szenen, die Weihnachten zu Katastrophen werden lassen, weil sie wohl nur schlecht ins Selbstbild feiner Festlichkeit zu passen scheinen. Der Bub also rollte sich auf dem Boden kreischte und schrie und heulte. Die Mutter peinlich berührt, der Vater hilflos, die Geschwister hämisch und die Gäste zu Eis erstarrt. Plötzlich aber tritt eine kleine Königin vor. Nicht mehr im Schlafanzug, sondern in voller Montur: ein grellpinkes Rüschenkleid, blinkende lila Schuhe, natürlich die goldene Krone und die geliebten Feenflügel. Fest in einer Hand natürlich Kanzler Bär. Die kleine Königin also setzt sich neben den Buben und tippt ihm auf die Schulter. „Du“ sagt sie, willst du nicht lieber mit mir spielen?“ Der Bub, so meine Schwester drehte sich auf den Rücken und sah die kleine, glitzernde Königin. Dann rappelte er sich auf und das Nichtenkind stellte ihm Bär vor. Einträchtig verzogen sich die Kinder und die Erwachsenen, so die Königin später zu mir, redeten sehr langweilige Erwachsendinge. Von der Nachtschicht heute früh zurückgekehrt, liegt die kleine Königin in meinem Bett. Sehr vorsichtig nehme ich die Krone von ihrem Kopf und sehe erst dann den Teller mit Marzipankartoffeln und Latkes auf dem Bücherstapel stehen: Du sollst nicht hungrik ins Bett, steht da drauf. Die königliche Notiz ist natürlich auf einem pinken Papier geschrieben. Sehr vorsichtig ziehe ich die kleine Königin in meine Arme, Bär der Kanzler sitzt auf dem Kopfkissen und am Fußende zusammengerollt, schläft Mau, inzwischen trägt er eine rosa Schleife und neben ihm liegen mehrere erjagte Legosteine. Die kleine Königin schläft tief und fest.

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Der treue Kanzler Bär in Diensten der kleinen Königin.

 

Weihnukka

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Um fünf Uhr in der Früh angelt das Fräulein Read On nach den Pantoffeln. Um 5.10 Uhr stellt das Fräulein Read On fest, dass das Huhn nicht in den Suppentopf passt. Um 5.25 köchelt das Huhn in einem eisernen Zuber, welcher schon um 1512 Landsknechtsheere versorgt haben mag. Nicht weniger später nämlich besteigt am Wiener Westbahnhof die Mali-Tant gemeinsam mit der Siamkatze Mau im Korb den Zug nach Berlin. Das Fräulein schält acht Kilo Kartoffeln für die abendliche Latkesproduktion. Das Fräulein Read On hackt Gemüse und richtet Obstspieße für die Kinderschar, die am liebsten nur Nudeln mit Butter mag. Um acht Uhr seufzt das Fräulein Read On und um Neun kühlen 300 Florentiner Kekse auf dem Balkon. Das Fräulein gähnt und deckt den Tisch. Das Ungeheuer von Chanukkia ( eine Selbstanfertigung von Onkel A. ), mit dem man problemlos eine Horde Einbrecher niederschlagen könnte, ist schwärzlich angelaufen. Das Fräulein googelt: Chanukka Leuchter selber machen. Die Ergebnisse lassen Onkel A. als geschmackvollen Künstler erscheinen. Eine Stunde später hat das Fräulein pechschwarze Hände und der Leuchter sieht aus wie mit Rostschutzfarbe gestrichen. „Im Dunkeln fällt das nicht weiter auf“, sagt der ehemalige, geschätzte Gefährte der F., der aus der Klinik nach Hause kommt, um steinschwer ins Bett zu fallen. Das Fräulein setzt Krapfenteig an und backt, einmal die Hände im Mehl noch einmal Vanillekipferln und dann noch Engelsaugen, die Schwesterchen doch so liebt. Die Mali-Tant steigt in Würzburg um und das Fräulein sucht hektisch die Liederhefte. Denn im letzten Jahr stimmte die Nichte: „Alle meine Entchen an“, als sie bei Yemei Ha Chanukka nicht weiterwusste. Zum Glück sind die gängigen Shabbes-Lieder in „Yehuda und Raizels“ Hochzeitsbuch abgedruckt. Dann klingelt das Telefon. Es ist die D. Die D. beschwert sich bitterlich über den goyishe Unsinn zu Chanukka Kekse zu backen. Ich richte derweil für die abendlichen Gäste bunte Teller an auf denen sich Marzipan, bunte Kringel, Orangen, ein Dreidel und Gelt ( goldene Schokoladenmünzen) mit Tannenzapfen Nikoläusen und vielfachen Sorten Plätzchen türmen. Die D. hält derweil einen Vortrag über den Niedergang frummen Lebens und schimpft auf den Rabbi der alles schleifen liesse. Ich hänge die roten Kugeln neben die Glaskugeln, die ich von meiner Großmutter erbte und verabschiede mich wortreich von der D. Mit rasender Geschwindigkeit nähern sich die Mali-Tant und Kater Mau Berlin. Ich rase zurück in die Küche und wirble dort wie der tanzende Derwisch. Abwasch und mit einer Hand in der Zitronencreme rühren, natürlich klemme ich mir die Finger in der Küchenschublade und als ich nach dem Leukoplast fummle, kocht die Zitronencreme fast über, aber neben Schnittwunden fallen Brandblasen ohnehin kaum auf. Ich mache Pasteten und Weihnukka wäre nicht Weihnukka gäbe es nicht den Kartoffelsalat, den schon mein Urgroßvater machte und den Rote-Bete-Salat mit Walnüssen für den meine Großmutter, die Chanukka nicht schreiben konnte und in der Küche zum Weihnachtsoratorium das Dressing rührte, selbst bei den frummsten der frummen Familien in Jerusalem, über den grünen Klee gepriesen wurde. Denn Onkel A. entlockte ihr in einer schwachen Stunde einmal das Rezept. Schneller und schneller aber rennt die Uhr und noch immer ist die Linzer Nusstorte nicht aus der Form. Fluchend und leicht hektisch hantiere ich mit Schiebern und Messern, finde den Topflappen nicht, stoße hektisch gegen den Abfallkübel mit seinem Everest aus Kartoffelschalen, vergesse, dass die Form doch heiß aus dem Ofen kommt, versuche mit dem Schürzenzipfel nach der Form zu greifen, glitsche auf den Kartoffelschalen aus, reiße dabei die Schüssel mit der Zitronencreme nach unten und mit Nusstorte auf dem Schoß und Zitronencreme im Dekolleté, sehe ich wie mir der Topflappen aus der hinteren Hosentasche rutscht. Ich zähle bis zwanzig bevor ich fluche. Die Nusstorte ist gerettet, die Zitronencreme muss neu gemacht werden, aber der Wecker verkündet die Ankunft der Mali-Tant in vierzig Minuten, die des Schwesterchens, Kindern, der C. und meines Vaters, und den alten Auschwitzer-Kreis für nicht viel später und so stürmen wir zum Auto, mit rauchenden Reifen halten wir kurz vor knapp vor dem Hauptbahnhof. Die Koffer der Mali-Tant tragen zwei schöne Epheben ( schön, aber einfältig wird die Mali-Tant im Auto sagen ), der F. bekommt den fauchenden Kater Mau im Korb überreicht und dann küsst die Mali-Tant mich zweimal rechts und links bevor sie den F. und mich kritisch mustert: „Geh Mädi, heuer ist aber Chanukka und nicht Purim, ja?“

Das Fräulein Read On nämlich trägt die Küchenschürze noch über dem Mantel und der F. nichts weiter als seinen zerknitterten, grünen OP-Kittel. Das Fräulein hält einen Kochlöffel ( die Zitronencreme ) in der Hand und die Mali-Tant lacht aus ganzem Herzen. Wer also glaubt, dass der Antisemitismus, das größte jüdische Problem sei, der hat noch nie Chanukka, Shabbat und Weihnachten auf ein und denselben Tag fallen sehen.

A freiliche Chanukka!

Fröhliche Weihnachten Ihnen allen!

Lange Schatten

Früh am Morgen noch einmal am Fenster. Zum letzten Mal in diesem Jahr. Unsichtbar liegt links vom Fenster die See. Nur der Wind zerrt an den alten Fensterrahmen. Ein Schatten nur St. Silvester. Kirche und Pfarrhaus liegen im Dunkeln. Auf dem Sessel und halb verbogen unter dem bunten Plaid liegt schlafend die Katze. Der Tierarzt auch er und noch mehr als am Tage ein schmaler Schatten im Bett. Leise fahre ich ihm mit dem Finger über die Wange. Dann schlägt der Schatten die Augen auf. Noch einmal pfeift der Teekessel und ich nehme die schöne, silberne Teedose aus Odessa aus dem Regal. Zwei großzügige Teelöffel voll Zucker schütte ich dem Tierarzt in die Tasse. Für einmal sagt der Tierarzt nichts. Ich schweige mich lieber über die Flaschen voll hochkalorischer Flüssignahrung in seinen Taschen aus, die ich dort hineinschmuggelte. Denn morgen fahren Tierarzt und Katze zur Schwester nach Kerry, die im vorherigen Jahr befand, vom Bruder ließe sich vor allem das Abnehmen lernen. Auf dem Flughafen angekommen, ist es noch immer nicht hell. Auf bald sage ich und der Tierarzt oder sein Schatten zieht mich noch einmal zu sich heran. „Komm zurück“, sagt der Tierarzt. Ich nicke.

Im Flugzeug nach Berlin sitze ich inmitten polnischer Familien. Neben mir eine Mutter mit ihrem Buben. Die polnischen Mütter haben alles dabei. Schokoladenwaffeln, Trinkpäckchen, kreischendes Spielzeug, Taschentücher und während ihre Männer schweigend neben ihnen sitzen, verhindern die Mütter, dass Bruderfehden entbrennen, einer Prinzessin der Haarreif entwunden und alle Mützen verloren gehen. Ein deutscher Bube, von schräg gegenüber, ganz offensichtlich Sohn von Eltern, die alles richtig machen wollen, kaut missmutig auf einer Reiswaffel und betrachtet das pädagogisch, wertvolle Spielzeug in seiner Hand mit großem Widerwillen. Aber auf die polnischen Mütter ist natürlich Verlass. Schon werden Schokoladenwaffeln und Kekse durch die Reihen gereicht und wenig später sind Plätze getauscht und die Prinzessin weiht den Buben in die Geheimnisse des kreischenden Spielzeuges ein. Ich tausche mit der polnischen Mutter neben mir einen Bounty Riegel gegen ein formidables Käsebrot. „Berlin?“ sagt die Frau? Ich nicke und Sie? Die Frau, die sehr, sehr gut aussieht, ungefähr so wie die junge Kate Moss, seufzt. Ein kleines Dorf bei Poznan sagt sie und schüttelt den Kopf. Von Berlin aus geht es mit dem Bus weiter und dann steht mein Vater an der Bushaltestelle und wir fahren noch eine Stunde bis nach Hause. „Oh, sage ich, das ist noch weit.“ Die Frau lächelt und nickt. Wir sprechen über den Anschlag in Berlin und entsetzt schüttelt sie den Kopf. „Sonst, sagt sie und es klingt bitter genug, sind die Polen immer die Verbrecher.“ Entsetzt genug muss ich sie angesehen haben. Aber sie gibt nicht nach. Sieben Jahre in Deutschland sagt sie und dann sagt sie all das was man in Deutschland eben so sagt über Polen. Meine Erwiderungsversuche sind hilflos genug. Abrupt fragt sie mich, ob ich schon einmal in Polen gewesen wäre. Noch immer habe ich auf diese Frage keine passende Antwort. Zögernd sehe ich sie an. „Ich bin in Auschwitz gewesen“ sage ich und sie sieht mich immer noch an, „mit meiner Großmutter“ sage ich und dann kann ich nichts mehr sagen. Endlich müssen Kinder, Tüten und Mützen sortiert werden, als wir uns verabschieden, zieht mich meine schöne Nachbarin in die Arme. „Kommen Sie gut an“, sagt sie, „kommen Sie gut nach Hause“, sage ich.

Zurück in Berlin. Vor dem Fenster kein Meer, dafür rauschen die Kiefern und der Kirchturm am anderen Ende der Rehwiese hat fast die gleiche Spitze wie St. Silvester im irischen Dorf. Die Hortensien auf dem Fensterbrett sind lange vertrocknet und die Blüten, die Blüten fallen auf die Dielen. Auf der Holzbank im Garten sitzen die Amseln. Alle Bäume sind kahl und nur am Birnbaum funkeln Eiskristalle. Der gefrorene, ausgeblichene Rasen knirscht unter meinen Schritten und schon gibt das Licht wieder nach. Die Nachbarn winken und ich bewundere, den schönen, gelben Herrnhuter Stern an ihrem Fenster. Aus dem Briefkasten, drei Stapel: wichtig, vielleicht und ungeöffnet wegzuwerfen. Der Brief auf den ich warte, kommt ohnehin nicht. Ein anderer Brief, der an A. in der Ukraine, geschrieben vor zwei Jahren zum ersten Mal, dann in kürzeren und drängenderen Abständen, wiederholt, entlang von Jahreszeiten, Tages- und manchmal auch Uhrzeiten bleibt weiter unbeantwortet. Die Telefonnummer in der Kiewer Wohnung ist seit zwei Jahren schon still. Anderen in den Mund gelegte Botschaften, ergaben manchmal Schatten, kleinere oder größere und einmal sogar fast etwas wie Hoffnung, aber eben nie eine Antwort von A. Es gibt in der Ukraine, so habe ich gelernt, in den letzten zwei Jahren kein Anrecht auf Auskunft, schon gar nicht über einen Dichter, namens A., der hoffte sich des Krieges mit Worten zu erwehren. Seit zwei Jahren schon, wirft der Briefkasten, lange und längere Schatten. Am Fenster, noch einmal Tee, hier am Rand der großen Stadt ist es fast so still und so dunkel wie im kleinen, irischen Dorf. Im Fenster spiegelt sich der Sessel, auch hier ein buntes Plaid obenauf, aber keine schlafende Katze und der Schatten, ist auch nur der ganz, gewöhnliche Schatten und nicht der verschwindend, magere Tierarzt, der im Türrahmen lehnt.

Berlin.

IMG_0460.jpgAch, Berlin. Du, die Stadt mit Himmelsleiter. Immer warst du schon ein Ort für Träume. Ob Wolkengucker oder Luftikusse, du bindest ihnen allen die Schnürsenkel zu. Deine Arme sind offen für Wunderkinder und Wundersame gleichermaßen. Du hast ein Auge auf die leichten Mädchen und pfeifst die Lieder der alten Damen auf dem Kudamm lauthals mit. Zu viele Fragen stellst du nicht. Lieber ziehst du deine Kinder mit zur Spree und leuchtest golden. Deine Sommer sind ein Wetterleuchten und deine Nächte, ja deine Nächte erst. Größenwahnsinn ist Dir eine zweite Haut.

Ach Berlin, Du warst immer schon Heimat für die Heimatlosen. Einmal und leider nicht mehr warst du auch das östliche Jerusalem. Für viele warst du die Stadt zum Atem holen: Franz Kafka konnte endlich Prag vergessen und W.H. Auden endlich einmal richtig küssen. 1926 fuhr Josephine Baker mit einer Straußenkutsche durch das Brandenburger Tor und du kannst natürlich nur lachen über Leute die durch dich auf Segways rasen. Ach, Berlin Du stolze Prüde, du mit der geflickten Lederjacke und dem Absinth in deiner Hosentasche. Du hast dich mit Joseph Roth betrunken und es wirklich wahr: bei dir ist für jeden Platz. Auch den Bettler vor dem Netto lässt du leben und ja Berlin, das ist sehr viel. Ach, Berlin Du Stadt der vielen Seelen: du riechst nach Istanbul, Krakau und Beirut. Wärst du Musik, es wäre Oper mit Orchesterbegleitung, natürlich draußen und auf einmal fingen alle an zu singen. Groß und klein und sehr, sehr laut. An Deinen Tischen ist die Welt zuhause und selbst in Mitte kann man Brezen wie im Breisgau kaufen. Berlin Du bist uns große Schwester. So cool und hart wären wir selber gern. Wir kleben dann an deinen Hacken. Du drehst dich um und sagt: das hättste jern!

Berlin, immer warst du schnell und oft verwegen. Mies van der Rohe machte doch für dich die ersten Pläne und Julius Fromm der Mann mit den Kondomen ist einer meiner größten Helden und Magnus Hirschfeld gehört ganz unbedingt dazu. Berlin Du füllst ganze Tagebücher und Berlin, deiner Stimme verfiel man auch in Hollywood. Berlin, Du bist die Stadt mit großen Tönen und einem rauen Charme. Oh ja Berlin, keine Stadt kann fluchen so wie du. Berlin manchmal hast du scharfe Zähne und ja wir alle schnitten uns an deinen scharfen Kanten. Berlin, du bist die Stadt mit Narben. Für lange Jahre warst du eine Insel. Alle die auf Mauern schwören, können von dir lernen, dass manche Schmerzen nie vergehen. Immer wenn ich die Bilder von jenem 9. November sehe, muss ich weinen, denn Berlin deine ausgetreckten Arme, das bist Du. Diese Hände, die nicht gehen liessen, Berlin, das werde ich dir nie vergessen. Berlin Du hast so viele aufgefangen: nein, Berlin du bist nicht nur Erfolgsgeschichten, sondern schon immer auch die Stadt der kleinen Leute, Trinkerdielen, Zille-Bilder, Trockenboden, Trickbetrüger, Hütchenspieler, Leierkastendreher und auch auch Schrebergärtner. Du zucktest immer mit den Achseln und sagtest Dir und uns und anderen: Berlin ist groß! Berlin radaut, das wusste schon Tucholsky und rauer Charme ist manchmal mehr als süße Liebeslieder. Berlin Du liebst die Müden wie die Immer-Wachen, Du hast ein offenes Ohr auch für die, die nur noch mit sich selber reden. Berlin Du und JFK, damals und so lange ist das noch gar nicht her. Nein, noch nie bist du einem Kampf aus dem Weg gegangen. Das wärst nicht du. Berlin Du hast uns alle aufgefangen und mitgenommen, aufgehoben und auch wiederlosgelassen. Ach, Berlin stumm sind wir angesichts der Bilder. Berlin, du bist mit so vielen ein Stück des Wegs gegangen. Ach, Berlin du Tausend-Augen-Stadt. Ob angelehnt, ob abgelehnt, ohne dich wäre vieles anders. Ob von mittendrin oder auch von anderswo, heute Nacht Berlin, bilden wir um dich eine Menschenkette. Nein, niemand könnte dich in Ketten legen. Aber wir deine Kinder, stellen uns vor dich. Nein, heute schließen wir nicht unsere Augen. Unsere Kette ist viel feiner, denn deine Bande aus Offenheit und Herzlichkeit, aus Würde und Mut und aus furchtlosem Gelächter, aus langen Tagen und hellen Nächten, aus Augenzwinkern und Jargon, aus Liebesgeschichten und verzweifelten Fluchten, aus Ankommen und Zurückkehren, aus auch mal laut sein und lieber mal leise sein, dass haben wir von dir in die Welt mitgenommen. Nein, Berlin unsere Herzen schlagen heute ganz allein in deinem Takt.

Nein, Berlin Du bist nicht allein.

Fast schon eine Weihnachtsgeschichte

Jedes Jahr, so um das erste Adventswochenende herum, eröffnet am Bahnhof des nächstgrößeren, kleinen Dorfes ein Weihnachtsbaumhandel. Der Weihnachtsbaumhändler dessen klappriger Jeep mit lauter leuchtenden Lichterketten behängt ist, schiebt einfach einige Bauzäune zusammen, stellt eine kleine, metallene Kasse auf einen Hocker und dann sitzt er mit seinem Schäferhund Jeff auf einem Klappstuhl und wartet auf Weihnachtsbaumkunden. Wenn ich am frühen Morgen zum Bahnhof eile, aber sind die Weihnachtsbaumgehege noch mit einem Vorhängeschloss gesichert und kehre ich abends spät zurück, sieht der Weihnachtsbaumhändler müde und sehr, sehr durchgefroren aus. Den ersten Weihnachtsbaum aber darf der Priester auswählen, er überlässt dieses Recht des ersten Baumes aber der Frau des Krämers, die dies stolz und mit Würde tut. Der zweite Baum aber steht prächtig glitzernd bei der Frau des Krämers im Geschäft. Ich nicke zwar beifällig aber mehr pflichtschuldig, denn über echte Begeisterung über den funkelnden Tannenbaum. Wie in jedem Jahr, so auch in diesem laufe ich an jedem Morgen am Tannenbaumkäfig vorbei. Dort stehen kerzengerade Nordmanntannen in Reih- und Glied. „Angeber“ denke ich und strecke ihnen ein wenig die Zunge heraus. Ewige Streber und Klassenerste. Die Tannen sehen natürlich erhobenen Hauptes über mich hinweg. Neidisch sind sie allenfalls auf die Blautannen, die fast tänzelnd die Äste in den Wind hält und selbst eingepfercht im Gitterkäfig doch bella figura zu machen verstehen. Neben den Blautannen stehen die Fichten. Sie gehen nicht gut, sagte der Weihnachtsbaumhändler einmal zu mir und so zittern die Fichten wohl bei jedem Auto, das anhält und hoffen ein älteres Ehepaar werde sich ihrer erbarmen. Am Ende der ersten Dezemberwoche aber sehe ich, dass ganz hinten am Zaun, abseits von allen ein kleines, zerdrücktes Tannenbäumchen lehnt. Schief ist gewachsen, kein Vergleich zu den aufrecht gestreckten Nordmanntannen, unregelmäßig und verwachsen sind die Äste und hat das Tannenbäumchen auch dichte grüne Nadeln an seiner Vorderseite, so sind die Lücken im dichten Tannenkleid nicht zu übersehen. Einen Moment lang, bleibe ich vor dem Bäumchen stehen, aber dann erinnert mich ein Blick auf die Uhr daran, dass ich mich sputen muss, will ich den Zug noch erreichen. Am Ende der zweiten Dezemberwoche lichten sich die Reihen. Eine makellose Tanne nach der anderen wird auf Autodächer geschnallt und glitzert und funkelt bald schon in heiterer Pracht in Wohnzimmern der umliegenden Dörfer.Umso deutlicher sieht man aber auch die schäbige, kleine verwachsene Tanne, die  abseits der Andere steht. „Sagen Sie Weihnachtsbaumhändler“ frage ich ihn eines Abends, „was ist das hinten für ein Bäumchen?“ „Ach“, knurrt der Mann, „das Ding da, das fliegt bevor hier Schluss ist in den Kamin.“ Ich beiße mir auf die Unterlippe. „Read On“ sage ich mir, als ich daheim aus den Schuhen steige, was willst du mit einem Tannenbaum?“ Weihnachten bist du in Berlin.“ Dann backe ich Brot. Nachts im Bett liege ich wach. Ich denke an das kleine, jammervoll, verwachsene Bäumchen im Drahtgitter, über dem das Damoklesschwert Kaminfeuer schwebt. Ich ermahne mich zur Vernunft. „Sei nicht albern, Read On“, sage ich mir und schlafe endlich ein. Am anderen Morgen gehe ich ganz schnell am Weihnachtsbaumdrahtkäfig vorbei und sehe nicht einmal aus dem Augenwinkel zum Bäumchen hinüber. Am Abend steht das Bäumchen im Regen. Die anderen Tannen scheint mir tuscheln über das Bäumchen und überhaupt sind nur sehr wenig Bäume ( darunter vier Kiefern ) im Drahtgitter zu sehen.

Am Mittwoch knicke ich ein. Ich renne so schnell ich kann vom Bahnhof zum Weihnachtsbaumhändler und hoffe er und sein Schäferhund sind noch an Ort und Stelle. „Das verwachsene Bäumchen, sage ich, das kleine möchte ich haben.“ Der Weihnachtsbaumhändler sieht mich entsetzt an. Er zeigt auf die verbliebenen Tannen, preist die Vorzüge der Kiefer und bietet mir an auch eine Douglastanne auftun zu können. Ich schüttle den Kopf. „Das kleine Bäumchen, sage ich kommt mit mir.“ „Zehn Euro“ sagt der Weihnachtsbaumhändler und dann ist das Bäumchen mein. Mit klopfendem Herzen ziehe ich das Bäumchen hinter mir her, durchs Unterland. Natürlich tritt die Frau des Krämers vor die Tür, als sie mich kommen sieht. „Aber Fräulein Read On“ was wollen sie denn mit dem Krüppel von einem Baum?“ Soll ich meinen Mann rufen, der zerhackt ihnen den gleich? Ich halte mein Bäumchen fester. „Nein“, sage ich ganz empört, dass ist doch mein Weihnachtsbaum. Die Frau des Krämer sieht mich sprachlos an. Schwer ist das Bäumchen und ich schnaufe, ist die Tanne endlich im Oberland. Der Priester sieht erst das Bäumchen und dann mich an und versucht nicht lautloszulachen, obwohl es in seinen Mundwinkeln verdächtig zuckt. Der Tierarzt ist nicht so vornehm, sondern kichert spöttisch. „Ich wusste es“ sagt er und schüttelt den Kopf, wenn jemand diesen Baum anschleppt, dann Du.“ Ich ignoriere den Tierarzt geflissentlich und suche nach der Lichterkette. Der Priester bringt eine Schachtel mit roten Kugeln. Eine halbe Stunde später leuchtet das Bäumchen und als ich neben der Katze auf dem Fensterbrett sitze, und das Bäumchen bestaune, ist mir als nickte mir der kleine verwachsene Baum verschwörerisch zu. „Man muss im Leben retten, was immer man retten kann, sage ich zum Tierarzt und mache das Oberlicht aus, damit das Bäumchen noch heller leuchtet und funkelt und strahlt.

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Höhere Mächte

Fast so lange wie ich die D. kenne war D. mit dem E. liiert. Die D. müssen sie sich als eine überaus vernunftbegabte Person vorstellen. Auf keinen Fall ist sie je solch ein Zausel gewesen wie das Fräulein Read On. Die D. mit ihren roten Locken und grün gesprenkelten braunen Augen und ihrer immer aristokratisch-gelassenen Haltung ist das genaue Gegenteil des benannten Fräuleins. Die D. weiß gar nicht was eine Laufmasche ist, während das Fräulein Read On schon Vorträge mit abgebrochenem Hacken absolviert hat. Nicht nur weil das Wort patent so überaus treffend für die D. ist, ist sie Patentanwältin geworden und der E. ihr langjähriger Gefährte tat es ihr nach. Den E. allerdings habe ich nie recht leiden mögen, vor allem weil er stets mit weinerlicher Stimme von seinen vielen Wehwehchen klagte und mir einmal sogar sein Taschentuch mit Inhalt unter die Nase hielt-wohl in der Erwartung, dass ich einstimmte in sein Jammern und Klagen. Aber wer das Fräulein Read On kennt, wird wissen, dass der E. mit schallendem Gelächter noch einmal milde davongekommen ist. Aber die Gefährten lieber Freunde ertrage man mit nachsichtiger Milde und als die D. vor einem Jahr, etwa um diese Zeit ankündigte, dass sie und ihr lieber E. das Weihnachtsfest statt bei seinen Eltern im schönen Schwetzingen zu verbringen, nach Mexiko fliegen würde, nickte ich beipflichtend und fragte, es sage ja keiner, dass Fräulein Read On sei ein Unmensch, ob der E. sich denn für solch eine Reise gesundheitlich gerüstet fühle. Der E. so die D. hat eine ausführliche Beratung bei einem Institut für Tropenkrankheiten absolviert und sei guter Dinge. Ich wünschte das Allerbeste und bestärkte die D. in der Annahme der E. würde vor Palmen und weißem Sand einen Ring aus der Hosentasche ziehen und die D. bräuchte nur mehr romantisch: „Ja ich will“ zu hauchen. Der D. patent wie sie nun einmal ist, war diese Fantasie so konventionell sie auch sein mag, durchaus peinlich. Die D. ist in allen Fragen des Lebens praktisch und hat sich nie mit derselben Begabung in amouröse Katastrophen gestürzt wie sagen wir das Fräulein Read On. Auf dem Flughafen jedenfalls stießen die G. und der K. dazu, aber beide kenne ich nicht. Der E. habe sie wohl auf einem Juristenkongress kennengelernt und man habe sich sympathisch genug gefunden, um auch eine Fernreise unbeschadet zu überstehen. Mexiko jedenfalls habe sich gut angelassen. Die Sonne schien. Der Wind hauchte mild. Schwetzingen und die seltsamen Eltern des E. waren fern. Kühl war der Weißwein in den Gläsern und wenn der E. auch über Kopfschmerzen und ein Stechen in der Brust klagte, so war doch alles von mexikanischem Blau- es war ja Weihnachten-überzuckert. In den nächsten Tagen besichtigte man gemeinsam Tempel und bestaunte alte Götter. Abends aß man guten Fisch und trank noch mehr vom kühlen und sehr angenehmen Wein. Die D. schaute dann und wann zum E. herüber, ob er nicht wohl doch einen Ring? Aber dann unterhielt sie sich mit der K. über gemeinsame Berliner Bekannte und mit dem G. über den Kauf einer Ferienwohnung in der Toscana. Der E. sprach munter dem Wein zu, nieste, schniefte und keuchte wenig und so schlief man gut im weihnachtlich beleuchteten Hotel. Anderntags las man am Pool, schwamm und die D. ließ sich massieren. Am Abend klagte der E. über Druck auf der Brust. Die G. aber bot dem E. etwas Homöopathisches aus ihrer Reiseapotheke an. Der E. nahm dankend an und folgte der G. Zurück blieben D. und K. Lange sahen sie der Sonne beim Versinken zu. Dann ging die D. schlafen, der E. indes war noch nicht zurück von den heilenden Händen der G. Am anderen Morgen jedoch lag der E. leise schnarchend an ihrer Seite. Aber auf den geplanten Ausflug hatte er keine Lust und auch die G. fühlte sich nicht ganz an Deck. Den Ausflug machten dann die eben der K. und die E. Überraschend stellte sich der K. als Kenner aztekischer Kultur und die D. hörte dem K. gern zu und schickte Fotos zu mir nach Berlin. Als sie schließlich in das Hotel zurückkehrten wand sich der E. jedoch keineswegs auf dem Boden noch tappte die G. halbstündlich ins Bad. Vielmehr saßen die E. und der G. sehr lebendig auf der Terrasse, mit Blick aufs Meer, der kühle und sehr gute Weißwein in Reichweite und hielten sich bei den Händen. Der E. so die D. trug einen überaus albernen Sombrero und als die D. und der G. ins Bild traten, beugte sich die G. vor und küsste den E. auf die etwas zu schmalen Lippen. Noch am selben Nachmittag aber zog der E. ins Zimmer der G. und der K. nahm sich ein Einzelzimmer. Die verbleibenden Urlaubstage aber sah die D. lange aufs Meer und nahm die Arbeit zur Hand, die sie, patent wie sie ist eingesteckt hatte. Manchmal machte sie einen Spaziergang mit dem K., der für lange Stunden in einem Buch über aztekische Zahlensymbole las. Auf dem Rückflug tauschte die D. den Sitzplatz, aber neben dem K. saß sie nicht. Zurück in Berlin, packte der E. seinen Koffer in der gemeinsamen Wohnung gar nicht mehr aus. „Unsere Immunsysteme harmonieren nicht“ ließ er die D. wissen und sah sich nicht noch einmal um.

„Dieses Jahr aber“ sagt die D. „bliebe sie über Weihnachten in Berlin“ und zuckt mit den Schultern. „Der G. und die E. wären inzwischen verheiratet, so hätte sie gehört und verbrächten ihre Flitterwochen in Mexiko“. „Der K. würde ihr immer mal schreiben, geantwortet hätte sie ihm nie. Vielleicht würde sie sich Weihnachten endlich einmal an einen Antwortbrief setzen, es sei ja schließlich keine Art sich so gar nicht zu melden“. Die D. aber das sagte ich ja bereits ist eine ausgenommen, praktische Person, ganz ohne Fehl und Tadel und wäre niemals wie das Fräulein Read On auf die Idee gekommen, dem frisch vermählten Paar eine sehr schlechte Kiste Weißwein zu schicken, von der man garantiert solche Kopfschmerzen bekommt, dass selbst die flucherprobten Götter der Maya und Azteken nicht ganz unbeeindruckt gewesen wären oder vielleicht sind, denn wir Sterblichen wissen nichts über ihr Wesen und Sein.

Der Angst nachgehen

Während meines Vortrages schütteltest du den Kopf und gingst. Die Tür fiel krachend ins Schloss. Aber das passiert bei Vorträgen zum Thema: Sexualaufklärung, Verhütung und Familienplanung in Slum Communitys sehr oft und nicht nur in Neu-Delhi spucken mir Männer ins Gesicht. Es lohnt sich nicht einer krachenden Tür hinterherzusehen und so redete ich weiter. Ich erzählte von den Eisenbahnschienen, die am Slum entlanglaufen und den morgendlichen Leichenzählungen, damals als wir dort begannen, zählten wir vor allem tote Frauen.

Nach dem Vortrag und vielen geschüttelten Händen atmete ich endlich aus. Meine Abneigung gegen feuchte Hände ist schier unüberwindlich und ich wusch mir die Hände. Lange und gründlich. Flackerndes Neonlicht im Bad. Im Flur, grauer Teppichboden, graue Stühle, graue anthrazitfarbene Anzugträger überall, dort standest auch du und sehr laut und sehr akzentuiert, damit ich es auch hörte, sagtest du zu einem der Anzugträger: „Frauen wie die da, mit ihren Weltrettungsambitionen machen mich krank.“ Ich lächelte leise, denn ich kenne das schon. Du trugst kein graues Sakko und auch keine graue Hosen. Du warst ganz in Schwarz, schwarzer Rollkragenpullover, schwarze, sehr teure Hosen, schwarze Schnürstiefel und schwarz waren deine Augen und schwarz wie deine Augen war auch dein Haar. Der Anthrazitgraue nickte über seiner Kaffeetasse und ich ließ euch stehen und stieg hinauf auf die Dachterrasse. Sonne und Luft und nichts davon grau. Dafür New York vor mir und endlich ausatmen. Aber lange hielt das nicht, nicht die Weite der Stadt, die Sonne und auch nicht das Atem holen. Schon standet du vor mir. Ganz schwarzer Schatten. „In Aleppo sterben Menschen, schriest du mich an, sterben Menschen und sie behelligen uns mit Tampons, Kondomen und Frauenproblemen. Ich sah dich an und sagte: „Kennen wir uns?“ Aber du warst schon weiter und verfluchtest mich. „Genau wegen solch Menschen wie mir, ginge die Welt vor die Hunde. Ewiges Geschwätz von Waschweibern, die nichts wüssten vom Krieg. Keine Ahnung hätte ich von zerschossenen Häusern, vom Bombenhagel, von verkohlten Autowracks, von zerfetzten Körpern und dem sengenden Geruch nach Brand und Munition sondern stattdessen vertriebe ich mir die Zeit mit meinen Frauen und ihren Problemchen. Du tobtest immer lauter und weiter und an deiner Schläfe pochte eine Ader. Ich saß da in der Sonne und in deinem Schatten und sah dich an und du tobtest dich aus. Ich hatte kalte Hände und erst als du schriest: Fuck, fuck fuck you, stand ich auf und trat auf dich zu und ich griff mit beiden Händen in deinen Pullover, schwarz und weich unter deiner Härte. Dein Geruch war Traurigkeit. Meine Hände aber sind eisern. „Hören sie“ sagte ich zu dir, du schriest ja noch immer, keine Frau in Aleppo wird lebendig, liegen meine Frauen tot am Straßenrand, keine Bombe fällt nicht, weil es in Neu-Delhi eine Müttersprechstunde gibt, niemand wird gerettet, weil es in einem Slum in Indien Kondome gibt. „Unter meinen Händen zitterten deine Schultern. Aber ich ließ nicht los. „Meine Frauen und ihr Aleppo teilen nur die Unsichtbarkeit und die wird auch nicht deswegen kleiner weil es bei Twitter Betroffenheit und dann auch wieder Katzenbilder gibt. Die Welt und meine Knöchel waren weiß unter deinem Schwarz, aber ich gab nicht nach, die Welt geht weiter mit Aleppo, mag da auch eine Mutter schreien wie ein Tier, man wird sie nicht hören , aber Sie, sie kriegsversehrte Taube brauchen ihre Kräfte für den Krieg.“ Ich sah ich dich an, bevor ich sagte, „ich weiß dein Herz ist müde und deine Traurigkeit so schwer.“

Stumm und zitternd sahst du auf mich herunter. Meine Hände drückte ich gegen deine Rippen, denn ich kenne das schon, kenne doch die Narben,  es sind dieselben, die auch zwischen meinen liegen, nur spiegelverkehrt, drückte mich in deine Narbe hinein, zeichnete den Stiefelabdruck nach der da zwischen deinen Rippen lag und zog deine Finger zwischen meine Rippen. „Nichts daran ist gut“ sagte ich und zog meine Hände fort.

Zwei Stunden habe ich heute für den Vierzeiler an dich gebraucht. Prends ma main. Es ist die gleiche Angst.

Ein Tag in zwölf Bildern, Dublin

Zum letzten Mal in diesem Jahr. Ein Tag in zwölf Bildern:

Eigentlich ist es ja nur früh und sehr, sehr still und bekanntlich mache
ich ja auch die schlechtesten Bilder der Welt.Aber hier beginnt der Tag,
so als ob es doch eine Glaskugel gäbe und in ihr verborgen die Wunder
der Welt. Es ist kurz nach sieben Uhr und von Wundern nichts zu sehen

Die Bibliothek bittet um Ruhe, denn hier dürfen nur die Bücher wispern und
wer weiß, vielleicht wechseln sie Nachts ja die Plätze und tanzen Foxtrott oder eine eilige Polka, denn die Bücher, die ich suche sind nicht an ihrem Platz. Man
weiß nichts über das Leben der Dinge

Eigentlich würde ich gern sagen, dass dies die schlechteste Kartoffel-Lauch-Suppe ist, die ich je aß, aber ich versuche meinen Studenten immer zu sagen, dass sie vorsichtig sein sollen mit Superlativen. Das beste Buch ist noch nicht geschrieben und sehr sicher, die schlechteste auch noch nicht bereitet. Dies aber war eine am wenigsten ansprechenden Kartoffel-Lauch-Suppen, die man sich nur vorstellen kann, klebrig und zäh und von schlieriger Konsistenz. Über den Kuchen will ich gar nicht erst reden.

Am späten Nachmittag treffe ich den B. Wir machen einen Plan und der Plan klingt gut, wenigstens auf dem Papier.

Ich brauche Bramley Äpfel und die Frau des Krämers daheim im Dorf hat keine mehr
und so eile ich hinüber und kaufe so viele wie in die Tasche passen. Ich mag die Äpfel sehr gern,ihren Geruch nach nassen Sommerwiesen und die ihnen eigene Schwere, niemals vermutete man, dass diese Äpfel butterweich und zart zerfallen. Aber der Priester hat am Mittwoch Geburtstag und wünscht sich einen Kuchen, der nur mit Bramley Äpfeln gelingt.

Dublin ist hell erleuchtet und alle machen Bilder. Jedes Jahr aufs Neue. Ich mache natürlich mit. Glitter and Gold.

Schon ist es Abend und ich sitze im Zug. Neben mir sitzt eine Frau, die angeregt telefoniert. Dabei schüttelt sie ihre Handgelenke und ihre goldenen und silbernen Armreifen klirren sehr melodiös, zart und doch sehr durchdringend, noch als die Frau aussteigt, ist mir als hörte ich das leise Klingen noch immer dicht und unmittelbar an meinem Ohr

Auf dem Weg nach Haus. Würde ich Kriminalfilme sehen, käme der Weg mir wohl wie ein Krimi vor. Aber ich sehe nie Kriminalfilme und richtig dunkel wird es sowieso erst in 200 Metern.

Donal Ryan ist ein grandioser irischer Schriftsteller. Diesen Tonfall vergisst man nie und immer sind seine Geschichten so leise wie schmerzhaft, die Charaktere sie stolpern und straucheln und fallen und er der Erzähler zwingt uns hinzusehen. Es hat etwas erbarmungsloses diese Literatur, aber auch etwas Zartes und vor allem erzählt von einem Irland jenseits des gängigen Klischees.

Selbst Schwesterchen, die sich aus Keksen nichts macht gibt zu, dass die Dattel-Makronen sehr, sehr gut sind. Sie sind es wirklich.

An fast jedem Abend stelle ich ein Hygiene-Kit zusammen, denn früh am Morgen auf dem Weg zur Arbeit, schlafen so viele Menschen auf der Straße, dass man nicht einfach nur vorbeigehen kann. Vor allem für Frauen ist es schwierig adäquate Monatshygiene zu erhalten und ob auf der Straße ode nicht, es ist ein Recht eines jeden Menschen sich vor sexuell übertragenen Krankheitserregern zu schützen, deswegen sind immer Kondome und Binden und Tampons in den Beuteln neben ganz banalen Dingen, wie Zahnbürsten oder Seife. Trotzdem ist das nur ein Tropfen auf dem heißen Stein und es macht mich so müde wie traurig, dass in Dublin so viele Menschen auf der Straße leben.

Am Ende des Tages noch einmal Zähne putzen. Ihnen eine gute Nacht.

Andere Tage in zwölf Bildern gibt es wie immer bei Draußen nur Kännchen.